Skandal aufgedeckt

21. September 2011 11:37; Akt: 21.09.2011 14:14 Print

Journalist in China erstochen

Ein Enthüllungsjournalist in China ist umgebracht worden. Er arbeite an der Aufdeckung eines Lebensmittelskandals.

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Ein chinesischer Enthüllungsjournalist ist mit zehn Messerstichen getötet worden. Der 30-jährige Li Xiang hatte über einen Lebensmittelskandal um illegal wiederverwertetes Speiseöl berichtet.

Die Polizei in Luoyang in der Provinz Henan widersprach am Mittwoch Verdächtigungen, die Tat stehe in Zusammenhang mit dem Lebensmittelskandal. Es habe sich vielmehr um einen Raubmord gehandelt. Zwei Verdächtige seien festgenommen worden. Der Reporter des Fernsehens von Luoyang war in der Nacht zum Sonntag vor seiner Wohnanlage überfallen worden. Sein Laptop wurde geraubt.

Chinesische Blogger sahen einen Zusammenhang mit seinen Recherchen und Veröffentlichungen über den Skandal um das «Gossen-Öl». Tonnenweise hatten Banden das alte Speiseöl in Restaurants eingesammelt, wiederaufbereitet und weiterverkauft. Bisher waren in mehreren Provinzen 32 Verdächtige festgenommen und 100 Tonnen Öl sichergestellt worden.

Umfassende Ermittlungen gefordert

Die Organisation «Reporter ohne Grenzen», die sich weltweit für den Schutz von Journalisten und Pressefreiheit einsetzt, forderte umfassende Ermittlungen der chinesischen Behörden. Diese müssten ernsthaft die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Li Xiang vielleicht wegen seiner Arbeit als Journalist umgebracht worden sei.

Laut Medienberichten zeigte sich die Polizei anfangs verwundert, dass der Reporter mit so vielen Messerstichen umgebracht worden war, was für einen Raubüberfall eher untypisch ist.

Sein Vorgesetzter beim Fernsehen, You Kai, sah laut Tageszeitung «China Daily» aber kein mögliches Motiv in Li Xiangs Arbeit. Der Journalist sei vor zwei Monaten von landwirtschaftlichen Themen zu Justiznachrichten gewechselt, habe aber selten investigative Arbeit verfolgt. Seine Berichte hätten sich meist auf Quellen in den Justizbehörden und der Staatsanwaltschaft gestützt.

Li Xiang hatte den Abend mit Freunden in einer Karaoke-Bar verbracht. Ein Wachmann am Tor habe den Ruf «Räuber» gehört, sei herbeigeeilt, aber habe das Opfer nur noch auf der Strasse liegend gefunden, berichtete «China Daily».

(sda)