In Konsulat verschwunden

09. Oktober 2018 12:04; Akt: 09.10.2018 14:43 Print

Ist das das letzte Foto des lebenden Journalisten?

Die Aufnahme einer Überwachungskamera zeigt Jamal Khashoggi als er das saudiarabische Konsulat in Istanbul betritt. Das letzte Bild, das den Journalisten lebend zeigt?

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Am 15. Oktober durchsuchte die türkische Polizei das saudiarabische Konsulat. Uniformierte Polizisten und Beamte in Zivil fuhren mit mehreren Fahrzeugen vor und betraten umgehend das Gebäude. Die Ermittler suchten vor allem nach DNA-Spuren des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi. Die Ermittler erhoffen sich dadurch Aufklärung um den Verbleib des saudischen Regimekritikers. Der türkische Fernsehsender TV 24 veröffentlichte Bilder einer Überwachungskamera, die Khashoggi beim Betreten des Konsulats zeigen sowie ... ... einen schwarzen Van, der zwei Stunden später das Gebäude verlässt. Danach fuhr das Auto zur nahe gelegenen Residenz des Konsuls. Auf den Überwachungsvideos ist Khashoggis Verlobte zu erkennen, wie sie stundenlang und zunehmend nervös vor dem Konsulat wartet. Die regierungsnahe Zeitung «Sabah» veröffentlichte die Namen, Geburtsdaten und Fotos von 15 Männern, die sie als Mitglieder des angeblichen «Anschlagsteams» bezeichnete. Die Fotos stammten demnach von der Passkontrolle am Istanbuler Atatürk-Flughafen und der Rezeption eines Luxushotels, in dem die Saudiaraber nach ihrer Ankunft eincheckten, ohne dort aber die Nacht zu verbringen. Stattdessen kehrten sie bereits am gleichen Abend in Privatjets über Dubai und Ägypten nach Saudiarabien zurück. «Hürriyet» berichtet zudem, neun der Saudiaraber hätten in Istanbul Koffer gekauft, diese aber beim Abflug nicht mitgenommen. Khashoggi war im September 2017 aus Furcht vor einer Festnahme in die USA ins Exil gegangen, wo er unter anderem für die «Washington Post» schrieb. Der Saudi ging ins Konsulat in Istanbul, weil er dort Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin abholen wollte. Er schlug Sicherheitsbedenken aus: «Die Saudis können mir in der Türkei nichts anhaben.» Die türkische Polizei geht davon aus, dass Khashoggi in dem Konsulat ermordet wurde. Nach Angaben türkischer Offizieller zeigen Videoaufnahmen, dass Khashoggi das Konsulat betreten, aber nicht mehr verlassen hat. Die saudische Seite erklärte dagegen, Khashoggi sei erst nach dem Besuch in dem Konsulat verschwunden. Khashoggi ist ein Veteran des Journalismus in Saudiarabien. Wegen seinen kritischen Artikel eckte er bei der Führung immer wieder an. Nachdem er vergangenes Jahr in die USA ins Exil gegangen war, schrieb er Meinungsbeiträge für die «Washington Post» und den britischen «Guardian». In seinen Artikeln kritisierte er immer wieder die Politik von Kronprinz Muhammad und die saudiarabische Militärintervention im Jemen. Am Montag, 8. Oktober, kam es zu Protesten vor dem saudiarabischen Konsulat in Istanbul. Nach Khashoggis Verschwinden haben die türkischen Behörden einem Medienbericht zufolge die Durchsuchung des saudiarabischen Konsulats in Istanbul gefordert. Riad hat dem zugestimmt. Man habe nichts zu verbergen.

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Am Dienstag, 13.14 Uhr, betrat Jamal Khashoggi letzte Woche die saudiarabische Botschaft in Istanbul. Seither fehlt von dem Journalisten und renommierten Kritiker von Kronprinz Mohammed bin Salman jede Spur.

Mindestens sechs Überwachungskameras haben das Konsulat in Istanbul im Visier – und einige werden von der türkischen Polizei unterhalten. Anhand des Videomaterials ist für diese klar: Khashoggi hat das Konsulat betreten und hat dieses wohl nicht mehr verlassen. Er ist seit fünf Tagen verschwunden.

«Er sollte in einer Woche wieder ins Konsulat kommen»

Wenn Saudiarabien behauptet, dass der Journalist das Konsulat des Königreichs in Istanbul lebend verlassen habe, «dann müssen die zuständigen Behörden das beweisen», sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. «Wenn er rausgegangen ist, dann müssen sie das mit Bildern belegen», fügte der Präsident an Saudiarabien gerichtet hinzu.

Die saudische Seite erklärt weiterhin, Khashoggi sei erst nach dem Besuch in dem Konsulat verschwunden.

Der saudische Dissident, der im selbstgewählten Exil in den USA und der Türkei lebt, sei zur Saudi-Vertretung gegangen, um dort Dokumente für seine anstehende Hochzeit abzuholen. Seine Verlobte begleitete ihn zum Konsulat, wartete aber draussen. Als der Mann auch nach Stunden nicht herauskam, verständigte sie die Polizei.

Dabei war es nicht das erste Mal, dass Khashoggi wegen der Hochzeit beim Konsulat vorstellig wurde. Es ging um den Nachweis, dass der Saudi vor seiner Eheschliessung mit seiner türkischen Verlobten auch wirklich geschieden ist. «Er wurde damals gut behandelt, und man sagte ihm auf dem Konsulat, er solle in einer Woche wiederkommen», erzählen Freunde des Journalisten der «Washington Post».

Im Konsulat auf «barbarische Weise» umgebracht?

Khashoggi habe vor diesem ersten, positiven Besuch auf dem Konsulat Bedenken geäussert: «Er sagte damals: ‹Vielleicht sollte ich nicht hingehen›», erzählt seine Verlobte. «Er war besorgt, es könnte etwas passieren.» Später aber habe er diese Sorge in den Wind geschlagen: «In der Türkei können sie (die Saudis) mir nichts anhaben».

Genau davon gehen die türkischen Ermittler nach eigenen Angaben aber mittlerweile aus. Ersten Ermittlungsergebnisse deuteten darauf hin, dass der Journalist im Konsulat ermordet worden sei, hiess es bereits am Samstagabend.

Ein Freund von Khashoggi sagte der Nachrichtenagentur DPA unter Verweis auf türkische Ermittlerkreise. «Sie erklärten mir, wir sollten mit den Vorbereitungen für das Begräbnis beginnen. Man habe ihm gesagt, dass Khashoggi auf «barbarische Weise» umgebracht worden sei. Er sei im Konsulat zunächst betäubt und dann geköpft worden.

Dafür sei ein Mordkommando in die Türkei gereist, meldete die Nachrichtenagentur AFP mit Verweis auf türkische Regierungskreise. Das Killerteam habe das Land noch am selben Tag verlassen.

(gux/sda)