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08. Juli 2018 20:53; Akt: 08.07.2018 20:53 Print

Junge Iranerin wegen Tanzvideos festgenommen

Weil sie «sittenwidrige» Videos teilte, hat die Polizei eine Jugendliche aus Teheran festgenommen. Im Staatsfernsehen musste die junge Frau öffentlich Reue zeigen.

Auf Instagram hatte Maedeh Hojabri Hunderte Tanzvideos geteilt.

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Die Verhaftung einer jungen Iranerin hat im Land eine Welle der Empörung ausgelöst. Maedeh Hojabri, deren Alter mit 17 oder 18 Jahren angegeben wird, hatte auf Instagram Hunderte Videos gepostet, in denen sie zu Popliedern tanzte. Der jungen Frau folgen auf verschiedenen Social-Media-Kanälen Zehntausende Menschen.

«Sittenwidrig», befanden die Behörden und nahmen Hojabri in Teheran offenbar fest. Im Staatsfernsehen IRIB musste sie öffentlich Reue zeigen. Sie entschuldigte sich weinend für ihre Beiträge, mit denen sie moralische Normen verletzt habe.

Unklar, wo Hojabri ist

Tänze sind nach dem streng islamischen Kriterien des Gottesstaates sittenwidrig. Ausserdem hatte sich Hojabri in den Videos ohne den für Iranerinnen in der Öffentlichkeit obligatorischen Hidschab gezeigt.

Ihren Instagram-Account musste die Jugendliche angeblich löschen. Unklar ist, ob sie nach dem Fernsehinterview im Gefängnis oder wieder auf freiem Fuss ist.

Justiz soll sich um Korruptionsfälle kümmern

Hojabris Fall löste heftige Reaktionen sowohl gegen die Justiz und Moralwächter des Landes wie auch gegen den Staatssender IRIB aus, berichtete das Nachrichtenportal «Ensafnews» am Sonntag.

Die Justiz solle sich lieber um die Korruptionsfälle in Milliardenhöhe kümmern, wurden kritische Stimmen laut. Andere sind der Auffassung, dass nicht das junge Mädchen, sondern die Männer, die sich solche Videos anschauen, verhaftet werden müssten. Und viele Internet-Nutzer halten es für abscheulich, ein Mädchen im Fernsehen zu einem Reuegeständnis zu zwingen.

Justiz will Social Media komplett verbieten

Soziale Netzwerke wie Instagram, Twitter und Facebook werden für das islamische Establishment im Iran zu einem Problem, da sich dort viele Iraner so äussern und zeigen, wie es ihnen in der Öffentlichkeit eigentlich verboten ist.

So verbreiteten sich Anfang Jahr Bilder der 31-jährigen Vida Movahed in Windeseile auf den Sozialen Netzwerken, als sie in Teheran gegen den Kopftuchzwang protestierte. Zahlreiche Frauen folgten ihrem Beispiel, schwenkten an öffentlichen Plätzen ihren Hidschab an einem Stock, anstatt sich damit zu bedecken. Viele von ihnen wurden wie Movahed festgenommen.

Die Justiz fordert, dass alle sozialen Netzwerke geschlossen werden. Allerdings würde das auch nicht viel nutzen, weil fast alle Iraner mit einem sogenannten VPN-Tunnel auch auf verbotene Internetseiten zugreifen können.

(kko)