30. Januar 2007 17:52; Akt: 30.01.2007 17:53 Print

Juschtschenko verliert letzten Mitstreiter

Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko hat seinen letzten Verbündeten in der Regierung verloren. Der entschieden pro-westliche Aussenminister Boris Tarasjuk trat heute nach monatelangem Tauziehen um sein Amt zurück.

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Juschtschenko habe den Rücktritt bei einem Gespräch angenommen, sagte der 58-jährige Tarasjuk in Kiew. Auf Betreiben des pro- russischen Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch hatte das ukrainische Parlament im Dezember 2006 Tarasjuk entlassen.

Tarasjuk blieb jedoch im Amt mit der Begründung, Präsident Juschtschenko habe ihn auf seinen Posten berufen. Die Frage beschäftigte auch zwei Gerichte in Kiew. Janukowitsch sperrte den widerspenstigen Aussenminister von Kabinettssitzungen aus.

Tarasjuk verfocht wie Juschtschenko eine Annäherung der Ukraine an die Europäische Union (EU) und die NATO. Mit seinem heftigen Drängen auf eine rasche Westintegration war der Minister in Moskau unbeliebt, er machte sich damit aber auch in westlichen Hauptstädten nicht nur Freunde.

Schweiz-Besuch abgesagt

Tarasjuk war bereits von 1998 bis 2000 Aussenminister der Ukraine gewesen und kehrte nach Juschtschenkos Wahlsieg Anfang 2005 in das Amt zurück.

Die Spannungen hatten auch dazu geführt, dass Tarasjuk ein für Dezember geplanter Besuch in der Schweiz abgesagt worden war. Dabei hätte er mit Bundesrätin Micheline Calmy-Rey zusammentreffen sollen.

Juschtschenko und sein Rivale Janukowitsch streiten derzeit über ein neues Gesetz über die Arbeitsweise der Regierung. Es schränkt die Vollmachten des Staatsoberhauptes stark ein. Vor Tarasjuk waren bereits alle anderen präsidententreuen Minister aus dem Kabinett verdrängt worden.

(sda)