Frankreich - Russland

18. Februar 2011 15:10; Akt: 18.02.2011 15:27 Print

Justiz nimmt Beresowski zwei Jachten ab

Französische Richter haben an der Côte d'Azur in Anwesenheit von Vertretern Russlands zwei Jachten des Milliardärs Boris Beresowski beschlagnahmt. Eine davon ist 49 Meter lang.

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Derzeit die Nummer 1 unter den schwerreichen Russen: Wladimir Lissin, Stahlbaron, verfügt gemäss der «Finans»-Liste über ein Vermögen von 28,3 Milliarden Dollar - fast 10 Milliarden mehr als noch 2009. Michail Prochorow, Onexim-Investmentgruppe, ist 22,7 Mrd. Dollar schwer: Platz 2. Neu auf Platz 3 ist Alisher Usmanow, Chef der Holding Metalloinvest und Mitbesitzer des Londoner Fussballclubs Arsenal. Im letzten Jahr war er mit 12,4 Milliarden noch auf Platz 7 geführt. Oleg Deripaska (Aluminiumwerke, Autofabriken und Baufirmen): 19 Mrd. Dollar und Platz 4 (Vorjahr Platz 6). Prominenter Absteiger vom 3. auf den 5. Rang ist 2011 Roman Abramowitsch, Waisenkind und Schulabbrecher aus der Provinz, stieg während der Jelzin-Zeit zu einem mächtigen Öl- und Metalltycoon auf. Er war zeitweise Gouverneur der fernöstlichen Provinz Tschukotka. Er bringt 17,1 Milliarden Dollar auf die Waage. Der 1966 geborene Fussballfan machte 2003 durch den Kauf des englischen Fussballvereins Chelsea Furore. Sein Vermögen wird auf rund 17 Mrd. Dollar geschätzt: Platz 3. Auf Platz 6 folgt Alexej Mordaschow (Stahlkonzern Severstal): 17,05 Mrd. Dollar. Platz 7 mit 16,9 Mrd. $: Suleiman Kerimov, Beteiligungsfirma Nafta Moskau. Michail Fridman, (Alfa-Gruppe: Banken, Ölproduzenten, Telekom-Firmen) folgt auf Rang 8: 16 Mrd. Dollar. Auf Platz 9 dann Wladimir Potanin. Der Chef der Finanzholding Interros verfügt über 14,3 Mrd. Dollar. Rang 10: Vagit Alekperow (Ölkonzern Lukoil) mit 10,9 Mrd. Dollar. Er musste zwei Plätze abgeben, obwohl er laut «Finans» 200 Millionen Dollar mehr in den Büchern hat. Weitere Oligarchen: Der 1957 in der Ukraine geborene Viktor Vexelberg stieg zu einem mächtigen Öl- und Aluminiummagnaten auf. 1991 gründete er die Renova Holding. Sein Vermögen laut Bilanz (2010): 9-10 Mrd. Franken. Der ehemalige Spitzensportler Andrej Melnitschenko (*1972) kam früh auf die Liste der einflussreichsten russischen Unternehmer. Der Durchbruch gelang seiner MDM-Bank in der Rubelkrise. Vermögen laut der russischen Zeitschrift Finanz (2007): 5,9 Mrd. Dollar. Der ehemalige KGB-Offizier Alexander Lebedew (*1959) kontrolliert mit Aeroflot die grösste Fluglinie Russlands. Der Multimilliardär (Forbes 2008: 3,1 Mrd. Dollar) besitzt auch das Château Gütsch in Luzern. Nicht mehr unter den Reichsten: Michail Chodorkowski (*1963), einer der Hauptprofiteure des Wildwest-Kapitalismus in den 90er-Jahren, wurde im Herbst 2003 verhaftet, sein Yukos-Konzern zerschlagen. Hinter seiner Verurteilung zu 14 Jahren Gefängnis vermutet man politische Gründe — er war Präsident Putin wohl zu pro-westlich. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» schätzte sein Vermögen 2004 auf 15,2 Mrd. Dollar. Boris Beresowski gilt als einer der zwielichtigsten Oligarchen. Er verfügte über gute Kontakte zu Jelzin und stieg schnell zum reichsten Mann Russlands auf. Putin, den er zu Beginn finanziert hatte, zwang ihn ins Exil. Das Vermögen des ehemaligen Medien-Tycoons schmolz laut Forbes von 3 Mrd. Dollar 1997 auf 1 Mrd. Dollar im Jahr 2009. Wladimir Gussinski (*1952) gründete 1989 die Most-Bank und baute ein Medienimperium auf. Als er Putin zu mächtig wurde, ging er ins Exil nach Israel. Vermögen laut Forbes (2004): 310 Mio. Dollar. Juri Luschkow (*1936), hier 1999 bei einer Papst-Audienz, ist seit 1992 der quasi-allmächtige Bürgermeister Moskaus. Er gehörte schon in der Sowjetunion als Generaldirektor eines Chemiekonzerns zur Elite. Anatoli Tschubais war einer der wichtigsten Reformer der Nachsowjetzeit; seine Privatisierungen führten zur Entstehung der Oligarchenkaste — zu der er mittlerweile als Präsident des grössten Stromversorgers ebenfalls zählt. Der 1955 geborene Tschubais stieg 1994 zum Finanzminister auf, doch Ende 1995 entliess ihn Jelzin, da seine Reformen sehr unpopulär waren. Der Oppositionspolitiker führt die liberale Partei «Union der Rechten Kräfte» (SPS). Sergei Bogdantschikow (*1957) gilt als einer der fähigsten Manager Russlands. 1998 wurde der Putin-Vertraute Chef des Rosneft-Konzerns, den er nach der Yukos-Zerschlagung zum drittgrössten russischen Ölkonzern aufbaute.

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Frankreich sei mit der Beschlagnahmung von Beresowskis Jachten einem Rechtshilfegesuch der russischen Justiz nachgekommen, teilte der Staatsanwalt der südfranzösischen Stadt Grasse, Jean-Michel Cailleau, am Freitag mit. Nach seinen Angaben ermittelt die russische Staatsanwaltschaft gegen Beresowski, einen erbitterten Gegner des früheren Präsidenten und heutigen Regierungschefs Wladimir Putin, wegen Betrugs, Geldwäsche, Unterschlagung und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Die beiden Jachten wurden am Donnerstag in Anwesenheit zweier russischer Richter beschlagnahmt. Die russische Staatsanwaltschaft bezifferte den Wert auf 20 Millionen Dollar. Auf den Jachten, von denen eine 49 Meter lang ist, sollen auch Gemälde gewesen sein.

Beresowski sagte der russischen Nachrichtenagentur Interfax, er besitze keine Jacht an der Côte d'Azur. Der französischen Justiz zufolge könnten die Schiffe formell einer der Tarnfirmen des Milliardärs gehören.

Tiefer Sturz des Oligarchen

Der 65 Jahre alte Geschäftsmann Beresowski war in den 1990er Jahren während der umstrittenen Privatisierungen unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin zu seinem Vermögen gekommen. Beresowski galt unter Jelzin als graue Eminenz des Kreml, nach dem Amtsantritt Putins fiel er in Ungnade.

2003 erhielt er in Grossbritannien politisches Asyl. Die russische Justiz hatte mehrfach vergeblich die Auslieferung des Milliardärs beantragt. Sie ermittelt gegen ihn unter anderem wegen Veruntreuung.

Im vergangenen September kündigte die Staatsanwaltschaft in Moskau an, sie wolle im Ausland Güter des Geschäftsmannes im Wert von insgesamt 358 Millionen Euro beschlagnahmen lassen.

(sda)