Jeff Sessions

24. August 2018 03:22; Akt: 24.08.2018 17:36 Print

Justizminister wehrt sich gegen Trumps Vorwürfe

von Thorsten Denkler, New York - Der amerikanische Präsident hat Jeff Sessions heftig kritisiert. Dieser schlägt verbal zurück. Die Folgen könnten gewaltig sein.

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«Ich will die Kontrolle behalten:» Jeff Sessions Antwort auf die Worte des Präsidenten. (17. August 2018) (Bild: Keystone/Charlie Neibergall (AP))

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Das Justizdrama um Donald Trump nimmt immer brisantere Züge an. Mit Jeff Sessions bot am Donnerstag sein eigener Justizminister dem US-Präsidenten Paroli. Trump hatte Sessions in einem Interview kritisiert – der aber wehrte sich. Daneben sah sich der Präsident mit neuen unangenehmen Nachrichten in der Schweigegeld-Affäre konfrontiert.

Die für Trump wohl herausforderndste Phase seiner Präsidentschaft hatte am Dienstag begonnen, als sein langjähriger Anwalt Michael Cohen sich vor einem Gericht schuldig bekannte und aussagte, er habe im Auftrag Trumps Schweigegelder an zwei Frauen gezahlt, die behaupten, eine Affäre mit Trump gehabt zu haben.

Trump: «Das Geld kam von mir»

Der US-Präsident äussert sich zu den Anschuldigungen seines Ex-Anwalts Michael Cohen. (Video: Tamedia)

In einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview erklärte Trump, es habe sich bei dem Geld nicht um Wahlkampfgeld gehandelt. Insofern habe er sich nichts vorzuwerfen. In demselben Interview zeigte Trump sich äusserst wütend über seinen Justizminister Sessions. Er warf ihm vor, sein Ministerium nicht unter Kontrolle zu haben und kritisierte Sessions erneut scharf dafür, dass er sich aus den Russland-Ermittlungen zurückgezogen hatte. Er habe sich gefragt, was für ein Mann so etwas tue, erklärte der Präsident.

Justizminister bietet Paroli

Sessions wehrte sich gegen die Kritik und betonte die Unabhängigkeit seines Hauses. Er habe die Kontrolle über das Ministerium am Tag übernommen, als er vereidigt worden sei, und seither zum «beispiellosen Erfolg» beigetragen, Trumps Agenda durchzusetzen, hiess es am Donnerstag in einer Mitteilung des 71-Jährigen.

Darin deutete er auch an, dass er sich politischem Druck nicht beugen werde. «Solange ich Justizminister bin, wird das Handeln des Justizministeriums nicht unangebracht durch politische Erwägungen beeinflusst werden», erklärte Sessions. «Ich fordere die höchsten Standards, und wo sie nicht erfüllt werden, ergreife ich Massnahmen. Allerdings hat keine Nation eine talentiertere, engagiertere Gruppe von Ermittlern und Staatsanwälten als die Vereinigten Staaten.»

Trumps erster Unterstützer

Sessions war der erste Senator, der Trump im Wahlkampf unterstützt hatte. Der Präsident ist aber seit langem äusserst unzufrieden mit ihm und macht daraus auch öffentlich keinen Hehl. Hintergrund ist, dass der Minister sich wegen Befangenheit aus den Russland-Ermittlungen raushält. Als oberster Chefankläger hat er die Aufsicht über das FBI und wäre damit eigentlich auch für die Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller zuständig, der prüft, ob es bei den mutmasslich russischen Einflussversuchen auf die Wahl 2016 geheime Absprachen zwischen Moskau und Trumps Wahlkampflager gab.

Sessions hatte sich während des Wahlkampfes mit dem damaligen russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, getroffen. In einer Anhörung vor dem Senat verneinte er dies aber, obwohl er unter Eid stand. Deswegen hält er sich aus den Russland-Ermittlungen raus – was Trump massiv missfällt. Anfang des Monats drängte der Präsident den Justizminister in einer Nachricht auf Twitter dazu, die Untersuchung zu beenden.

Immunität für Verleger

Trumps erneuter Angriff auf Sessions zeigt, wie sehr der Präsident wegen der Schweigegeld-Affäre unter Druck steht. Medienberichten zufolge bahnen sich für ihn dabei möglicherweise weitere unangenehme Entwicklungen an. Das «Wall Street Journal» und die «Vanity Fair» berichteten, Ermittler hätten dem Trump wohlgesonnenen Verleger David Pecker Immunität gewährt.

Laut der New Yorker Staatsanwaltschaft soll ein Medienunternehmen bei den Schweigegeldzahlungen Cohens an die Frauen eine Rolle gespielt haben – und nach Lage der Dinge handelt es sich dabei um Peckers Verlagsgruppe American Media Inc. (AMI). Diese soll einer der Frauen – dem ehemaligen Playmate Karen McDougal – 150'000 US-Dollar für die Rechte an ihrer Geschichte gezahlt haben. Das zu dem Verlag gehörende Skandalblatt «National Enquirer» veröffentlichte sie aber nie.

Treffen mit Ermittlern

Das Blatt soll sich die Rechte Berichten zufolge nur gesichert haben, um die angebliche Affäre totzuschweigen. Die Methode ist in den USA als «catch and kill» bekannt (zu Deutsch etwa: «fange und vernichte»).

Das «Wall Street Journal» schrieb, Pecker habe sich mit den Ermittlern getroffen und ihnen Details zu den von Cohen arrangierten Zahlungen dargelegt. Dabei sei es auch um Trumps Wissen über den Deal gegangen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Mit Peckers Aussage hätten die Ermittler nun Erklärungen von mindestens zwei Personen, dass Trump von den Zahlungen gewusst habe, zitierte die Zeitung eine der Quellen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 24.08.2018 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeden Tag eine neue Horror-Meldung!

    Wie lange will/kann sich Amerika Trump noch leisten?Das Verhalten ist eines Präsidenten unwürdig!

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  • Regina am 24.08.2018 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Trump"eltier"

    Der Präsident ist scheinbar der einzige, der sich und seine Arbeit noch sensationell findet. Hoffe, dass das amerikanische Volk spätestens bei der nächsten Wahl die Konsequenzen zieht.

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  • Fool2 am 24.08.2018 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verrückt

    Wie lange noch schädigt der Präsident den Ruf des Landes?!? Unglaublich! Der stellt seine Dramen über das Wohl des Volkes...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lisa am 24.08.2018 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich wie die Anderen

    Dieser Präsident ist kein Deut besser wie viele andere Machthaber. Wenn jemand nicht spurt wie er das möchte, dann wird er einfach entlassen. Alles wird so hingebogen wie er es möchte, er scheint über den ethischen, moralischen und gesetzlichen Grundsätzen zu stehen.

  • mvp am 24.08.2018 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    trump hat nicht Grössenwahn!

    trump hat verstanden, dass die leute immer was an ihm auszusätzen haben. da wundert es mich nicht das er die nerven verliert.

    • Peter Baumann am 25.08.2018 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mvp

      Und wie würden Sie denn dieses selbstgerechte Gehaben, bestehend aus Selbstruhm und permanenten Lügen bezeichnen?

    • Toni Maccaroni am 26.08.2018 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mvp

      'Charaktere' wie Trump Flipper immer aus wenn sie den Spiegel vorgehalten bekommen..

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  • Pascal Alleman. am 24.08.2018 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pascal Allemann

    Glaubt mit der wird nich lange bleiben so lange es der Wirtschaft so gut geht in Amerika wird alles ignoriert Moral ist nicht mehr hoch gewertet in den USA und generell

  • sandro M. am 24.08.2018 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und es wurde noch schlimmer

    Und ich dachte der Bush Junior sei das schlimmste was die USA und die Welt erdulden mussten.. Doch es kam noch schlimmer.. Es kann doch nicht sein das so ein Mensch soviel Macht verliehen bekommt, was nur läuft hier schief?

    • yserfvb am 24.08.2018 23:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Sandro: Selbst Obama war schlimmer.

      Und zwar genau deswegen, weil durch massive Propaganda der MSM Medien, Grosskonzerne, Internet Monopolen, Unterhaltung und Hollywood, die Leute manipuliert wurden. Sodas er das dieselbe Politik ungehindert machen konnte, dafür von den Medien hochgelobt und sogar den Friedensnobel preis erhalten hat. Während unter ihm, nebst den gleichen Konflikten noch die Masseüberwachung, Verfolgung von Whistleblower und Journalisten eine neue Dimensionen erreichte. Leute haben lieber ein Thumps up in Facebook oder hier, als der unangenehmen Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Bei Trump ist es genau umgekehrt.

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  • Alain Pfäffli am 24.08.2018 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Beunruhigend

    Beunruhigend, wie Herr Trump mit allem umgeht. Wenn er geht, oder gehen muss, wird vermutlich ein neuer Herr Trump mit anderem Namen auf der Matte stehen.