Konflikt im Kosovo

28. Juli 2011 09:48; Akt: 28.07.2011 17:54 Print

KFOR übernimmt Grenzübergang

Nach den Ausschreitungen am Grenzübergang Jarinje zwischen Serbien und Kosovo, der von einer gewaltbereiten Meute niedergebrannt worden war, haben dort jetzt KFOR-Truppen die Kontrolle übernommen.

Die Gewalt am Grenzübergang Jarinje am Mittwoch.
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Pristina Soldaten der NATO-Truppe KFOR haben die Kontrolle über den verwüsteten Grenzübergang Jarinje im Norden des Kosovo übernommen. Auch am Grenzübergang Brnjak habe die KFOR «Kommando und Verantwortung» übernommen, teilte die Kosovo- Schutztruppe am Donnerstag mit.

An den beiden Grenzübergängen zu Serbien dürften nur noch kleine Privatfahrzeuge passieren. Diese würden nach versteckten Waffen oder illegalen Waren durchsucht.

Die kosovarische Regierung bestätigte, die KFOR habe die «vollständige» Kontrolle über den Norden des Landes übernommen, einschliesslich der beiden Grenzübergänge. Am Mittwochabend hatten dutzende offenbar serbische Jugendliche den Grenzposten Jarinje mit Molotow-Cocktails in Brand gesetzt.

KFOR beschossen

Nach Angaben der KFOR schossen sie auch auf polnische NATO- Soldaten in der Nähe. Zudem wurde ein kroatischer KFOR-Helikopter beschossen. Die Nacht verlief laut der kosovarischen Regierung bis auf «vereinzelte Spannungen» weitgehend ruhig.

Im Kosovo kommt es zwischen Kosovo-Albanern und der serbischen Minderheit immer wieder zu Auseinandersetzungen, insbesondere im Norden des Landes, wo fast ausschliesslich Serben leben. Auslöser der jüngsten Unruhen ist ein Importverbot für serbische Waren.

Am Montag hatte die Regierung eine Spezialeinheit der Polizei an die beiden Grenzposten geschickt, um das Verbot durchzusetzen. Bislang waren diese von der serbischen Minderheit kontrolliert worden, die das Verbot nicht akzeptiert.

Nach dem Eintreffen der Spezialeinheit kam es zu Zusammenstössen, bei denen ein kosovarischer Polizist getötet wurde. Am Mittwoch wurde die Spezialeinheit wieder abgezogen und amerikanische KFOR- Soldaten griffen ein.

Serbien erkennt die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo vom Februar 2008 nicht an und betrachtet der Kosovo als eigene Provinz. Deshalb hat Serbien bereits damals ein Importverbot für Waren aus dem Kosovo erlassen, weil es den Zollstempel des Kosovo nicht anerkennt.

Thaci: Kein Kompromiss

Der serbische Präsident Boris Tadic appellierte am Donnerstag an seine Landsleute, auf Gewalt zu verzichten. Der Regierungschef des Kosovo, Hashim Thaci, wiederum beschuldigte die Regierung in Serbien, hinter der Gewalt zu stecken. Dagegen sagte ein Sprecher der serbischen Regierung: «Belgrad steckt nicht dahinter.» Verantwortlich sei eine gut organisierte «Gruppe von Extremisten».

Thaci sagte im Parlament in Pristina, dass «Recht und Ordnung im Norden um jeden Preis» durchgesetzt würden. Es werde «keinen Kompromiss» geben. Auf Betreiben Serbiens wiederum wollte sich der UNO-Sicherheitsrat noch am Donnerstag mit der Krise befassen.

KFOR zwischen den Fronten

Zwischen den Streithähnen versucht die KFOR zu vermitteln. Ihr Chef, der deutsche General Erhard Bühler, traf sich in den vergangenen Tagen mit Vertretern beider Seiten.

Am Mittwoch flog ein Super Puma Helikopter des Schweizer KFOR- Kontingents SWISSCOY Bühler zu einem Treffen am Grenzposten Jarinje. Wie SWISSCOY-Sprecher François Furer am Donnerstag sagte, verliefen Hin- und Rückflug ohne Zwischenfälle. Allerdings ging nur wenige Stunden danach der Grenzposten in Flammen auf.

Gemäss Furer befinden sich derzeit 21 der 216 Schweizer Soldaten und Soldatinnen im Norden des Landes. Sie seien dort ständig stationiert. «Keiner der Schweizer Soldaten ist aber in Schiessereien oder andere prekäre Situationen geraten», sagte Furer der Nachrichtenagentur sda.

Der Grossteil der 21 Schweizer Soldaten wird in zwei Teams eingesetzt. Deren Aufgabe sei es, «Auge und Ohr» der KFOR-Führung zu sein, sagte Furer. Die Soldaten sind in Geländefahrzeugen unterwegs und stehen in Kontakt mit Vertretern beider Seiten.


TV-Journalisten müssen vor der gewaltbereiten Menge fliehen:

(Video:Youtube/TelevizijaSrbije)

(jam/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Incredibilis am 28.07.2011 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Nie genug ?

    Haben diese Leute denn dort unten niemals genug von Aggression, Tod und Zerstörung ? Nach einem so schrecklichen Krieg der noch gar nicht so lange her ist, könnte man eigentlich denken dass nun das Mass voll ist.

  • unbekannt am 28.07.2011 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    KOSOVO IST EIN EIGENES LAND !

    Wieso können diese Serben nicht akzeptieren, dass KOSOVO jetzt nun ein eigenes Land ist. Wieso wollen Sie noch mehr Menschen töten?! Lasst diese Leute dort in ruhe und lebt euer eigenes Leben. Kosovo ist unabhängig und wird euch nieeeeeeeeeee gehören!

    einklappen einklappen
  • Milos M. am 28.07.2011 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Vergangenheit und Gegenwart

    2008 sagte die NATO, dass Albaner und Serben nicht gemeinsam in einem Staat leben können und darum müsse der Kosovo unabhängig von Serbien sein. Was ist jetzt anders geworden? -Nichts. Wie können dan Serben im Kosovo gemeinsam mit Albanern leben? Es funktioniert einfach nicht. Es klappt nicht mit einem multiehtnischem Staat. Erst wenn das eingesehen wird, kann man etwas ändern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • trimi am 29.07.2011 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    KOSOVO

    seit 2008 ist kosovo unabhängig und ein eigener staat geworden, seit 2008 hätte die spezialpolizei eingreifen sollen weil bei dem zoll keine kontrolle gab. es wurden illegale waren transportiert die dem staat erheblich geschadet haben. man sieht ja die reaktion der serben durch tötung eines polizeibeamten, zerstörung des grenzpostens und auf den kfor zu schiessen weil sie nicht akzeptieren können das kosovo ein eigener staat geworden ist und gesetze durchführt!.

  • Mathias Vogt am 29.07.2011 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    runder tisch

    polnische nato soldaten werden beschossen, dies kann und darf nicht sein. die erfordert ein klares zeichen der nato / kfor. die kfor hat absolut recht die kontrolle im entsprechenden gebiet zu übernehmen. beide seiten sollten jetzt an den runden tisch sitzen und gemeinsam nach lösungen suchen. gewalt ist und bleibt keine lösung. ebenfall gehe ich davon aus, dass dies nur ein vorüber gehendes geplänkel ist, damit sich die eu gedanken zu der aufnahme von serbien macht. die eulex und kfor halten jetzt mal vorest den kopf hin. es ist und bleibt ein geschichtliches problem, aber es kann gelöst werden.

  • Daniel Steiner am 29.07.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Es begann mit einer Lüge

    Schaut euch die ARD-Dokumentation "Es begann mit einer Lüge" an. Diese Dokumentation berichtet darüber, wie es wirklich war!

  • stefan am 29.07.2011 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    +++1

    Es ist einfach für diese Leute im Norden, die sich diese lukrative Schmuggelroute sicheren wollen, zu randalieren. Mir tun nur diese Serben Leid die in Enkalven oder Ghettos leben, abgeschnitten und täglich terrorisiert von der Albanischen Regierung und einheimischen Albanischen Mehrheit ... Was sollen die tun auswandern?? Nur wo?? Die Häuser zu verlassen mach niemand gerne... Norden hat es einfacher... Die Leute wollen einfach nicht im Kosovo leben, so wie die Albaner nicht Serbien leben wollen... Das kann ich auch verstehen... Aber weshalb versucht man da so stur und unüberlegt mit Gewalt

  • Michael Stalder am 29.07.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nur keinen Krieg...

    Eigentlich ist es mir ja total egal, was die da unten veranstalten. Aber ein erneuter Krieg bedeutet auch wieder Flüchtlinge und zu was das führt, haben wir die letzten 15 Jahre ja gesehen.