Rohstoffe

22. September 2010 17:05; Akt: 22.09.2010 17:11 Print

Kampf um Arktis-Ressourcen geht weiter

Die Eisschmelze in der Arktis macht die Ausbeute wertvoller Rohstoffe leichter. Bei einer Tagung in Moskau machte Russland erneut klar, dass es die «Vorratskammer» Eismeer für sich öffnen will.

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Durch die Eisschmelze wird der Zugang zu den Ressourcen erleichtert. (Bild: Keystone)

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Ziel sei in erster Linie die «friedliche» Erschliessung der Ressourcen auf Grundlage wissenschaftlicher Forschungen und politischer Verhandlungen, sagte der Kreml-Beauftragte für die Arktis, Artur Tschilingarow, am Mittwoch.

Der Direktor des Forschungsinstituts für Ozeangeologie, Waleri Kaminski, warb für die zügige Ausbeutung der Vorräte. Bis 2020 könne Russland in der Arktis rund 100 Millionen Tonnen Erdöl sowie etwa 150 Milliarden Kubikmeter Erdgas fördern, sagte Kaminski.

Machtanspruch Russlands

Auf dem erstmals organisierten Forum wird an diesem Donnerstag auch Regierungschef Wladimir Putin erwartet. Die russische Führung hat immer wieder deutlich gemacht, dass sie ihre Ansprüche auf Teile des Territoriums notfalls auch militärisch durchsetzen wolle.

So hat Russland etwa in einem Dokument über seine Arktis-Politik bis 2020 die Stationierung von Streitkräften in der Region angekündigt.

Ziel sei aber nicht die Militarisierung, sagte der russische Botschafter im zwischenstaatlichen Arktischen Rat, Anton Wassilijew. Bislang sei lediglich geplant, «die materielle Basis, die für die Sicherheit vor allem des Schiffsverkehrs nötig ist, zu festigen». Russland wolle «konfliktfrei» mit den USA und Kanada sowie anderen Anrainern zusammenarbeiten.

Russland habe einen «natürlichen Anspruch» auf das Gebiet, betonte der Kreml-Berater für Klimafragen, Alexander Bedrizki. «Im russischen Arktis-Sektor leben rund 1,5 Prozent der Bevölkerung des ganzen Landes. Das ist im Vergleich mehr als in den Polargebieten anderer Anrainerstaaten.»

Aus der Arktis, in der bis zu 25 Prozent der weltweiten Öl- und Gasreserven liegen, stamme mehr als ein Fünftel aller russischen Exporte, unterstrich Bedrizki.

Forschung im Dienst der Politik

Spätestens 2014 will Russland einen Antrag mit neuen Forschungsergebnissen bei den Vereinten Nationen einreichen und so belegen, dass der Meeresboden eine natürliche Verlängerung des russischen Festlandes sei und Moskau dort Rohstoffe abbauen dürfe.

«Um die wirtschaftliche Sicherheit Russlands auch in Zukunft zu gewährleisten, müssen wir klarstellen, dass der Festlandsockel uns gehört», hatte Tschilingarow vor Beginn des Forums gesagt.

Russland fordert einen 1,2 Millionen Quadratkilometer grossen Teil der Arktis einschliesslich des Nordpols. Vor drei Jahren, am 2. August 2007, hatte das Riesenreich seine Ansprüche durch Aufstellen einer Flagge am Nordpol in mehr als 4000 Metern Meerestiefe zementieren wollen.

Erst vor kurzem waren ein russischer Atomeisbrecher sowie ein Forschungsschiff in die Arktis ausgelaufen. Bei der grössten russischen Expedition dieser Art seit zehn Jahren will Moskau Daten für seinen UNO-Antrag sammeln. Russland intensiviert seinen Kampf um die «Vorratskammer» Arktis zunehmend.

Auf der Moskauer Konferenz diskutieren mehr als 400 Experten aus 15 Ländern auch über die dramatischen Folgen des Klimawandels und die Auswirkungen für die Bewohner.

(sda)