Kindesmissbrauch

21. August 2019 02:53; Akt: 21.08.2019 05:49 Print

Kardinal Pell blitzt mit Berufung ab

Der in Australien wegen Kindesmissbrauchs zu sechs Jahren verurteilte frühere Vatikan-Finanzchef bleibt in Haft.

Bildstrecke im Grossformat »
Es gilt als wahrscheinlich, dass sein Fall vor Australiens oberstem Gericht landet: George Pell auf dem Weg zur Verhandlung. (21. August 2019) Einsprache eingereicht: George Pell wird ins Gericht gebracht. (5. Juni 2019) Ist nicht mehr länger Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans: Kardinal George Pell. (27. Februar 2019) Wurde schuldig gesprochen, in der Kathedrale von Melbourne zwei Sängerknaben sexuell angegriffen zu haben: Der Papst-Vertraute George Pell. (14. Februar 2019) Vorwurf des sexuellen Missbrauchs: Vatikan-Finanzchef George Pell kommt beim Gericht in Melbourne an. (1. Mai 2018) Betritt in Melbourne unter massivem Polizeischutz das Gerichtsgebäude: Kardinal George Pell. (26. Juli 2017) Dem ehemaligen Finanzchef des Papstes wird vorgeworfen, mehrere Jungen sexuell belästigt zu haben. (26. Juli 2017) Das Medieninteresse an dem Gerichtsfall ist in Melbourne riesig. (26. Juli 2017) Die Polizei im australischen Bundesstaat Victoria legt ihm Vergehen gegen Kinder zur Last: Kardinal George Pell. (4. März 2013) Papst Franziskus begrüsst den australischen Kurienkardinal George Pell (links). (20. November 2016) Wurde bereits mehrfach von der australischen Polizei befragt: Kardinal George Pell in Rom. (2. März 2016) George Pell bei der Eröffnung des Weltjugendtages in Sydney. (15. Juli 2008) Der Finanzchef des Vatikans bei einer Messe in Rom. (19. März 2016) Spricht von einer «skandalösen Schmutzkampagne» gegen ihn: Kardinal George Pell. (3. März 2016) Pell räumte Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester ein. (13. November 2012)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der wegen Kindesmissbrauchs verurteilte frühere Vatikan-Finanzchef George Pell muss in Australien im Gefängnis bleiben. Ein Gericht in Melbourne hat die Berufung des 78-jährigen Kurienkardinals am Mittwoch abgelehnt.

Der Oberste Gerichtshof in Melbourne bestätigte eine Verurteilung wegen Missbrauchs von zwei minderjährigen Chorknaben aus erster Instanz. «Er wird seine sechsjährige Haftstrafe weiter absitzen», sagte Richterin Anne Ferguson. Pell kann damit frühestens 2022 entlassen werden. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Fall vor dem High Court, Australiens oberstem Gericht, landet.

Ein Geschworenengericht hatte Pell im Dezember schuldig gesprochen, sich Mitte der 90er Jahre in der Kathedrale von Melbourne an zwei 13-jährigen Chorknaben vergangen zu haben. Der damalige Erzbischof von Melbourne soll sich 1996 in der Sakristei vor den Jungen entblösst, sie unsittlich berührt und einen von ihnen zum Oralsex gezwungen haben.

Nummer drei des Vatikans

Pell war im März als ranghöchster Geistlicher in der Geschichte der katholischen Kirche wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Dagegen hatte der ehemalige Vertraute von Papst Franziskus Berufung eingelegt. Er weist alle Vorwürfe seit jeher zurück. Als Finanzchef war er praktisch die Nummer drei des Vatikans.

Im Berufungsverfahren Anfang Juni argumentierten seine Anwälte, der Geistliche hätte wegen der dünnen Beweislage nicht schuldig gesprochen werden dürfen. Die Verurteilung basierte lediglich auf der Aussage eines der mutmasslichen Missbrauchsopfer. Das zweite mutmassliche Missbrauchsopfer war 2014 an einer Überdosis gestorben und hatte sich nie zu den Vorfällen geäussert.

(chk/sda)