Sexueller Missbrauch

13. November 2019 01:37; Akt: 13.11.2019 05:37 Print

Kardinal Pell kann auf Freispruch hoffen

Das oberste australische Gericht hat einen Einspruch von Kardinal Pell zugelassen. Dieser wurde wegen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt.

Bildstrecke im Grossformat »
Kommt er doch noch um eine mehrjährige Haftstrafe herum? Kardinal George Pell. (Archivbild) Einsprache eingereicht: George Pell wird ins Gericht gebracht. (5. Juni 2019) Ist nicht mehr länger Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans: Kardinal George Pell. (27. Februar 2019) Wurde schuldig gesprochen, in der Kathedrale von Melbourne zwei Sängerknaben sexuell angegriffen zu haben: Der Papst-Vertraute George Pell. (14. Februar 2019) Vorwurf des sexuellen Missbrauchs: Vatikan-Finanzchef George Pell kommt beim Gericht in Melbourne an. (1. Mai 2018) Betritt in Melbourne unter massivem Polizeischutz das Gerichtsgebäude: Kardinal George Pell. (26. Juli 2017) Dem ehemaligen Finanzchef des Papstes wird vorgeworfen, mehrere Jungen sexuell belästigt zu haben. (26. Juli 2017) Das Medieninteresse an dem Gerichtsfall ist in Melbourne riesig. (26. Juli 2017) Die Polizei im australischen Bundesstaat Victoria legt ihm Vergehen gegen Kinder zur Last: Kardinal George Pell. (4. März 2013) Papst Franziskus begrüsst den australischen Kurienkardinal George Pell (links). (20. November 2016) Wurde bereits mehrfach von der australischen Polizei befragt: Kardinal George Pell in Rom. (2. März 2016) George Pell bei der Eröffnung des Weltjugendtages in Sydney. (15. Juli 2008) Der Finanzchef des Vatikans bei einer Messe in Rom. (19. März 2016) Spricht von einer «skandalösen Schmutzkampagne» gegen ihn: Kardinal George Pell. (3. März 2016) Pell räumte Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester ein. (13. November 2012)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach seiner Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger kann der australische Kardinal George Pell weiterhin auf einen Freispruch hoffen. Sein Fall wird erneut vor Gericht gehört, wie das oberste Gericht Australiens am Mittwoch bekannt gab.

Das oberste australische Gericht, der High Court in der Hauptstadt Canberra, entschied, sich mit dem Einspruch des ehemaligen Finanzchefs des Vatikans zu befassen und seinen Antrag nicht schon im Vorfeld abzulehnen. Damit könnte die ehemalige Nummer drei des Vatikans möglicherweise noch um eine mehrjährige Haftstrafe herumkommen.

Mit der eigentlichen Befassung wird jedoch frühestens nach der Sommerpause des Gerichts im Februar gerechnet. Der 78-Jährige hofft darauf, dass seine Verurteilung kassiert wird.

Der Kardinal sitzt seit März in einem Melbourner Gefängnis und nahm nicht an der Anhörung teil. Er war im März wegen des Missbrauchs von zwei Chorknaben zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Der erste Versuch, das Urteil von einem Berufungsgericht aufheben zu lassen, scheiterte im August. Demnach hätte Pell frühestens im Oktober 2022 aus der Haft entlassen werden können.

Vatikan ergriff Massnahmen

Nach der Entscheidung des Berufungsgerichts legten die Anwälte des Geistlichen beim obersten Gericht Einspruch ein. Dieses entschied nun, dass es den Fall anhören wird. Falls Pell am High Court einen Freispruch erreichen sollte, wäre er wieder ein freier Mann.

Der Vatikan hatte Pell untersagt, sein Priesteramt öffentlich auszuüben und Kontakt mit Minderjährigen zu haben. Er gehört nicht mehr zum Beratungsgremium des Papstes, sein Mandat als Finanzchef lief automatisch aus. Nach dem Urteil des Geschworenengerichts im März kündigte der Vatikan an, abwarten zu wollen, bevor er über weitere Konsequenzen entscheidet. Pell könnte womöglich seinen Kardinalstitel verlieren. Er war lange ein enger Vertrauter von Papst Franziskus.

Pell weist alle Vorwürfe zurück

Er selbst weist seit jeher alle Vorwürfe zurück. Die Anwälte des Geistlichen hatten argumentiert, dass die zwei der drei Richter des Berufungsgerichts, die das Urteil im August bestätigten, Fehler gemacht hätten. Aufgrund von Aussagen einiger Zeugen hatten sie zudem angezweifelt, ob Pell überhaupt die Gelegenheit dazu gehabt habe, die Jungen zu missbrauchen. Die Anwälte plädierten daher für einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft bestritt hingegen, dass Fehler unterlaufen seien. Daher gebe es auch keine Grundlage für einen Einspruch.

Der Australier ist der ranghöchste Geistliche in der Geschichte der katholischen Kirche, der jemals wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt wurde. Der Fall reicht in die Jahre 1996/97 zurück, als Pell gerade Erzbischof von Australiens zweitgrösster Stadt Melbourne geworden war. Nach einem Gottesdienst soll er sich an den zwei Chorknaben vergangen haben, die damals 13 Jahre alt waren.

(chk/sda)