Libyen-Einsatz

29. März 2011 22:31; Akt: 30.03.2011 10:34 Print

Katar gibt sich selbstbewusst

von J. Keaten, A. Schreck, AP - Katar half Al Jazeera ins Leben und erhielt den Zuschlag für die Fussball-WM 2022. Mit dem Einsatz in Libyen steht das Land erneut im Rampenlicht.

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Katar arbeitet beim Libyen-Einsatz mit Frankreich zusammen, da die Streitkräfte der beiden Länder durch Verteidigungsabkommen verbunden sind und einander aus gemeinsamen Übungen kennen. (Bild: Keystone/AP)

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Als erstes arabisches Land beteiligt sich Katar an dem internationalen Militäreinsatz zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung vor den Streitkräften Muammar al Gaddafis.

Die Luftangriffe des inzwischen von der NATO geführten Bündnisse haben die Gefechtslage in Libyen in den vergangenen Tagen verändert und die Aufständischen in die Lage versetzt, in Richtung Tripolis vorzustossen. Für den Einsatz vom Fliegerhorst Souda auf Kreta aus hat Katar unter anderem ein Drittel seiner Kampfflugzeuge und rund 200 Mann abgestellt. Sie arbeiten mit den Franzosen zusammen, auch weil die Streitkräfte der beiden Länder durch Verteidigungsabkommen verbunden sind und einander aus gemeinsamen Übungen kennen.

Führung und Verantwortung

«Wir fanden es wichtig, dass ein arabisches Land teilnimmt, und weil andere arabische Länder sich nicht militärisch beteiligten, fanden wir, wir sollten es tun», sagte Luftwaffenchef General Mubarak al Chajanin. «Wir sind ein räumlich kleines Land, aber mit Führung ist Verantwortung verbunden», erklärte er. «Gewisse Länder wie Saudi-Arabien und Ägypten haben in den letzten drei Jahren keine Führungsrolle übernommen. Also wollten wir vortreten und uns erklären und sehen, ob andere uns folgen.»

Die Arabische Liga war eine treibende Kraft bei der Entscheidung des Weltsicherheitsrats für eine Flugverbotszone über Libyen. Doch bei der Durchsetzung mitwirken wollten von den 22 Mitgliedsländern bislang nur Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, die zwölf Kampfflugzeuge zugesagt haben.

Dass das kleine Katar mitmacht, demonstriert grosses Selbstbewusstsein. Seit vergangenen Freitag fliegen seine Mirages Seite an Seite mit französischen Maschinen Patrouille über dem von den Aufständischen kontrollierten Nordosten Libyens.

«Wendepunkt in der Geschichte»

Frankreich streicht gerne die Beteiligung Katar heraus, um deutlich zu machen, dass die Intervention nicht allein eine Angelegenheit des Westens ist. Am Sonntag begleiteten AP-Reporter die französischen und katarischen Luftwaffenchefs sowie andere hohe Militärs bei einem Besuch der gemeinsamen Operation auf dem Luftstützpunkt Souda.

«Das ist wirklich ein ungewöhnlicher Vorgang, ein Wendepunkt in der Geschichte», sagte der Chef der französischen Luftstreitkräfte, General Jean-Paul Palomeros. «Sich an unserer Seite zu melden, zeigt wirklich den Mut Katars.»

Die Beteiligung am Libyen-Bündnis sei für Katar und die Emirate eine Möglichkeit, Pluspunkte beim Westen zu sammeln, meinte Schadi Hamid, Forschungsdirektor des Instituts The Brookings Doha Center in Katar. «Die USA, Grossbritannien und Frankreich werden sich daran erinnern, wer sie bei dieser Operation unterstützt und wer ihnen geholfen hat, eine breitere und robustere Koalition auf die Beine zu stellen», sagte Hadid - und vor allem, wer sich mit eigenen Streitkräften beteiligt hat.

Auch eigener Nutzen

Dass die zwei teilnehmenden arabischen Länder pro Kopf die reichsten der Region sind, schadet auch nichts. «Also ist die Frage: 'Warum geben wir nicht zig Millionen Dollar zur Unterstützung der Operation aus und haben selbst auch etwas davon?' Es ist die naheliegendere Wahl für Länder, die es sich leisten können», sagte Hadid.

Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten zunächst nur humanitäre Hilfe leisten wollen, entschieden sich aber vorige Woche doch dazu, sechs F-16 und sechs Mirage-Kampfflugzeuge zur Durchsetzung des Flugverbots bereitzustellen. Erst kürzlich hatten die Streitkräfte der Emirate bei einem ganz anders gearteten Einsatz mitgemacht: Gemeinsam mit Saudi-Arabien sprangen sie den regimetreuen Truppen in Bahrain gegen die dortige Protestbewegung bei.