Regimekritik

24. März 2011 12:54; Akt: 24.03.2011 13:45 Print

Keine Spur vom Nobelpreisträger

Der inhaftierte chinesische Oppositionelle Liu Xiabao hat im Oktober den Friedensnobelpreis erhalten. Seither weiss das Osloer Komitee nichts mehr über sein Schicksal.

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Bei der Nobelpreisverleihung im Oktober 2010 blieb der Stuhl des chinesischen Regimekritikers Liu Xiaobo (Bild im Hintergrund) leer. (Bild: Keystone/AP/Heiko Junge)

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Das norwegische Nobelkomitee ist beunruhigt über das Schicksal des chinesischen Regimekritikers und Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo. Seit Ende Oktober 2010 habe das Komitee nichts mehr über Lius Aufenthalt in Erfahrung bringen können. «Das ist schon beunruhigend», sagte der Direktor des Osloer Nobelinstitutes, Geir Lundestad, der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag.

Liu Xiabao hatte im letzten Jahr gegen heftige Proteste der chinesischen Führung den Friedensnobelpreis zuerkannt bekommen. Lundestad sagte, dass sich generell die Bedingungen für Oppositionelle in letzter Zeit deutlich verschlechtert hätten.

Auch kein Kontakt zu seiner Frau

Auch mit der Ehefrau des zu elf Jahren Haft verurteilten Menschenrechtlers, Liu Xia, sei eine Kontaktaufnahme seit Ende Oktober nicht mehr möglich.

Sie konnte ihren Mann kurz nach Bekanntgabe der Osloer Auszeichnung einmal im Gefängnis besuchen, wird aber seitdem durch scharf überwachten Hausarrest von Kontakten nach aussen abgeschnitten. «Sie steht massiv unter Druck», sagte Lundestad.

Anwalt hat keine Informationen

Auch der Anwalt des inhaftierten Menschenrechtlers ist von seinem Mandanten vollständig abgeschnitten. «Ich habe keine Informationen über ihn», sagte Shang Baojun der dpa in Peking. Auch zur Familie von Ehefrau Liu Xia, die in Peking unter Hausarrest steht, könne er keinen Kontakt aufnehmen.

«Ich habe versucht, mit Liu Xias Bruder am Telefon zu sprechen, aber er sagte nur, ich solle ihn gegenwärtig nicht anrufen.» Er könne nichts machen. «Wir fühlen uns so hilflos.»

Bei der Nobelpreisverleihung am 10. Dezember blieb der Stuhl des Preisträgers leer, weil weder Liu Xiaobo noch seine Frau eine Ausreisegenehmigung bekamen. Die Dotierung von zehn Millionen schwedischen Kronen (1,45 Mio. Franken) behält das Nobelkomitee so lange ein, bis Liu Xiaobo oder seine Familie darüber verfügen können.

(sda)