Schleierverbot

14. Februar 2019 20:58; Akt: 14.02.2019 20:58 Print

Deutsche Uni verbietet Burkas im Unterricht

An der Kieler Universität ist das Tragen von Gesichtsschleiern in Vorlesungen ab sofort verboten. Der Entscheid folgt nach einem Konflikt mit einer muslimischen Studentin.

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Die Kieler Christian-Albrechts-Universität hat ein Verbot der Vollverschleierung für Lehrveranstaltungen und Prüfungen erlassen. Die Entscheidung des Hochschulpräsidiums fiel Ende Januar als Folge eines Konflikt mit einer Studentin Ende vorigen Jahres, wie die «Kieler Nachrichten» am Mittwoch berichteten.

Die deutsche Studentin der Ernährungswissenschaften, die zuvor zum Islam konvertiert war, besuchte im Nikab eine Botanik-Vorlesung. Der Dozent wollte nicht, dass die junge Frau verschleiert seinen Unterricht besucht und meldete den Vorfall der Hochschulleitung. Diese reagierte mit einem Verbot der Vollverschleierung in sämtlichen Universitätsgebäuden. «Auf dem Campus könnten Studierende aber eine Burka oder einen Nikab, der nur einen Augenschlitz zulässt, tragen», erklärte Uni-Sprecher Boris Pawlowski der Nachrichtenagentur DPA.

Es müssten «die Mindestvoraussetzungen für die zur Erfüllung universitärer Aufgaben erforderliche Kommunikation in Forschung, Lehre und Verwaltung sichergestellt werden», lautet die Begründung der Uni. «Dazu gehört die offene Kommunikation, die auch auf Mimik und Gestik beruht.»

CDU und FDP sind dafür, die Grünen dagegen

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) begrüsste den Beschluss des Präsidiums gegenüber der Zeitung und kündigte an, das Tragen von Gesichtsschleiern in Schulen ihres Bundeslands per Gesetz zu verbieten.

Kritik an der Entscheidung übten die Grünen, die in Schleswig-Holstein mit CDU und FDP eine Dreierkoalition bilden. «Eine freiheitlich demokratische Gesellschaft darf Menschen nicht aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen und Ausdrucksweise von staatlichen Bildungseinrichtungen ausschliessen», erklärte der Hochschulexperte der Grünen im Kieler Landtag, Lasse Petersdotter.

Die FDP lobte den Beschluss dagegen. «Das Tragen von Burka oder Nikab ist kein Ausdruck von Weltoffenheit, sondern ein Zeichen der Unterdrückung von Frauen», teilte deren Experte Christopher Vogt mit.

Bereits Anfang 2017 hatte sich der Deutsche Hochschulverband für ein Verbot von Ganzkörperverschleierungen in Lehrveranstaltungen ausgesprochen. Dieses sei etwa mit Blick auf die Arbeitsabläufe, die Identifizierung von Prüflingen sowie die Bedeutung nonverbaler Kommunikation beim Lehren und Lernen nötig und vertretbar.

(kle/afp)