Nachfolger in Nordkorea

21. Dezember 2011 16:07; Akt: 21.12.2011 17:31 Print

Kim Jong-Un erteilt der Armee bereits Befehle

Der Sohn des verstorbenen Diktators Kim Jong-Il erhebt bereits seinen Machtanspruch. Noch vor Verbreitung der Todesnachricht befahl er der Armee die Rückkehr in die Stützpunkte.

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Ein Leichenwagen mit einem übergrossen Porträt von Kim Jong-Il ist in einer Aufnahme des nordkoreanischen Staatsfernsehens zu sehen. Die Begräbniszeremonie für den toten Diktator des abgeschotteten Landes findet am 28. Dezember 2011 statt. Der Autokorso soll 14 Kilometer lang sein. Bilder gibt es nur vom staatlichen Fernsehen - man weiss nicht, ob es sich um Live-Bilder handelt. Überall prangen Porträts des «Geliebten Führers». Es ist bitterkalt in Pjöngjang. Ein nordkoreanischer Soldat beobachtet derweil die Grenze zum südlichen Nachbarn ... ... wo seine «Kollegen» aus Südkorea dasselbe in umgekehrter Richtung tun. Am 27. Dezember strömen Nordkoreanerinnen in den Kumsusan Memorial-Palast. Der Sohn von Kim Jong-Il und dessen designierter Nachfolger an der Spitze Nordkoreas, Kim Jong-Un, steht am 26. Dezember am gläsernen Sarg seines Vaters. Der «Grosse Nachfolger» lässt seinen Tränen freien Lauf. Das nordkoreanische Fernsehen zeigt am 20. Dezember Bilder des Leichnams des ehemaligen Machthabers Kim Jong-Il. Streng bewacht werden die sterblichen Überreste in einem gläsernen Sarg aufgebahrt. Der «Geliebte Führer» soll seine letzte Ruhestätte wie sein Vater im Kumusan Mausoleum in Pjöngjang bekommen. Kim Jong-Un, der Nachfolger und zukünftige starke Mann des Landes, besucht das Grab seines Vaters. Umgeben von roten und weissen Blumen wird der Leichnam Kim Jong-Ils aufbewahrt. Ranghohe Beamte erweisen dem ehemaligen Führer die letzte Ehre. Auch im benachbarten China gedenken die Menschen Kim Jong-Il. Beim Grenzübergang Dandong legen sie Kränze nieder. In Peking bringen Arbeiter Blumenkränze mit Kondolenzwünschen zur nordkoreanischen Botschaft.

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Jung, unerfahren und doch machtbewusst: Nach dem Tod von Nordkoreas Diktator Kim Jong-il bekräftigt der zum Nachfolger ausgerufene Sohn Kim Jong-Un seinen Machtanspruch.

Noch vor der Verbreitung der offiziellen Todesnachricht habe Kim Jong-Un seinen ersten Befehl an die mächtigen Streitkräfte des atomar gerüsteten Landes erteilt. Das berichteten südkoreanische Medien am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise in Seoul.

Rückkehr der Armee in die Stützpunkte angeordnet

Nach Berichten aus Seoul hat der noch vom Vater zum Vier-Sterne-General ernannte Kim Jong-Un angeordnet, dass alle militärischen Einheiten die laufenden Wintermanöver verlassen und in die Stützpunkte zurückkehren.

Der Befehl Kim Jong Uns sei ein konkretes Beispiel dafür, dass er die Kontrolle über die Volksarmee ausübe, zitierte die nationale Nachrichtenagentur Yonhap einen Informanten in Seoul. Bisher sei der Geheimdienst davon ausgegangen, dass der keine 30 Jahre alte Kim noch nicht die volle Kontrolle über das Militär habe. Kim Jong-il war auch Oberbefehlshaber der 1,2 Millionen Mann starken Armee.

Erstmals Machtteilung?

In den Medien wird allerdings auch spekuliert, dass Kim Jong Uns Tante Kim Kyong Hui, die jüngere Schwester des Verstorbenen, und ihr Mann Jang Song Thaek innerhalb der Partei an Einfluss gewinnen.

Der politisch unerfahrener Kim Jong-Un werde nicht als Autokrat, sondern gemeinsam mit seinem Onkel und dem Militär herrschen, sagte am Mittwoch eine Person mit engen Verbindungen zu den Regierungen Nordkoreas und Chinas der Nachrichtenagentur Reuters.

Formell allerdings werde der von seinem Vater als Nachfolger aufgebaute junge Kim an der Spitze der Führungsriege stehen. Die Generäle hätten ihm die Treue geschworen. Ein Putsch sei damit sehr unwahrscheinlich.

Etablierte neue Führung

Vermutlich sei die Führungsriege bereits vor Kims Tod etabliert worden, sagte der Korea-Experte Koh Yu Hwan. Dies zeige die relative Ruhe der vergangenen Tage. Gäbe es Probleme, hätte das Land vielleicht länger versucht, Kims Jong Ils Ableben zu verheimlichen.

Er rechne damit, dass der junge Kim sich der Machtkonstellation zumindest vorerst beugen werde, sagte der Kenner, der die Koreanische Vereinigung für Nordkorea-Studien in Seoul leitet.

Seoul erlaubt private Beileidsbekundungen

Bei der organisierten Massentrauer in Pjöngjang pilgerten weiter Millionen von Nordkoreanern zu Plätzen, auf denen Traueraltäre und Porträts mit dem Samstag gestorbenen Kim Jong-il aufgestellt worden waren. Das Staatsbegräbnis für Kim soll am 28. Dezember sein. Südkorea will keine eigene Beileidsdelegation entsenden.

Südkoreas Regierung erlaubte ihren Bürgern aber, private Beileidsbekundungen an das abgeschottete Nachbarland zu schicken. Nach südkoreanischem Gesetz müssen alle Kontakte mit dem Nachbarstaat genehmigt werden.

Seit ihrem Bruderkrieg von 1950 bis 1953 befinden sich beide Staaten völkerrechtlich weiter im Kriegszustand, da immer noch kein Friedensvertrag geschlossen wurde.

Kim Jong-il war nach offiziellen Angaben am Samstag im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Die Nachricht wurde aber erst am Montag veröffentlicht.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • F. Feuz am 21.12.2011 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Alles gute

    Ich wünsche Kim alles Gute

  • Holger Nielsen am 21.12.2011 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nordkorea - immer die Bösen

    Ich war 2005 in Nordkorea. Es ist vieles anders als bei uns, wie auch in China. Müssen die Schweizer Zeitungen wirklich die Ansichten der USA übernehmen ohne eigene Meinung. Natürlich ist nicht alles ideal, ist es dies in den USA ?

  • monica bye am 21.12.2011 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Sorgen!

    Oh Gott! Schaut euch diesen Nachfolger an. Ich mache mir ernsthaft Sorgen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • F. Feuz am 21.12.2011 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Alles gute

    Ich wünsche Kim alles Gute

  • Holger Nielsen am 21.12.2011 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nordkorea - immer die Bösen

    Ich war 2005 in Nordkorea. Es ist vieles anders als bei uns, wie auch in China. Müssen die Schweizer Zeitungen wirklich die Ansichten der USA übernehmen ohne eigene Meinung. Natürlich ist nicht alles ideal, ist es dies in den USA ?

  • edi am 21.12.2011 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super

    toll ein kind als befehlshaber einer atommacht.

  • monica bye am 21.12.2011 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Sorgen!

    Oh Gott! Schaut euch diesen Nachfolger an. Ich mache mir ernsthaft Sorgen!