Grossbritannien

06. Juli 2014 17:25; Akt: 06.07.2014 17:25 Print

Kinderschänder-Skandal – Akten verschwunden

Der Skandal um einen Kinderschänder-Ring im britischen Parlament zieht weitere Kreise. Ein Teil der Beweise ist unauffindbar. Premierminister Cameron hat eine Untersuchung angeordnet.

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Der frühere konservative Innenminister Leon Brittan soll 1967 einen Teenager vergewaltigt haben. (Archivbild) (Bild: Keystone/AP/Mike Fiala)

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Akten zerstört: Am Sonntag wurde bekannt, dass massenhaft Unterlagen zu den Kinderschänder-Vorwürfen im Innenministerium nicht mehr auffindbar sind. Sie gehören zu den Beweisen gegen zahlreiche politische Schwergewichte, welche beschuldigt werden in den 1980er Jahren selbst Kinder missbraucht zu haben oder Missbrauchsfälle vertuscht zu haben.

Nach Eingeständnis des Ministeriums sind 114 von 527 Akten mit Bezug zu den Vorwürfen verschwunden. Sie wurden vernichtet oder kamen anderweitig abhanden. Das teilte das Ministerium in einem Schreiben an den Labour-Abgeordneten Keith Vaz mit.

Unter den Teppich gekehrt

Vaz, Vorsitzender des Innenausschusses des Unterhauses, sprach von einem «Aktenverlust von industriellem Ausmass». Die Sonntagszeitung «Observer» meint, das Establishment habe die Vorgänge, die mehr als 30 Jahre zurückliegen, unter den Teppich gekehrt.

Auch der frühere konservative Innenminister Leon Brittan geriet in die Schlagzeilen – nach Informationen der «Mail on Sunday» wurde er im vergangenen Monat wegen des Vorwurfs einer Vergewaltigung eines Teenagers im Jahr 1967 verhört.

Ein Sprecher sagte am Sonntag, der heute 74-Jährige Lord Brittan werde sich zu den Vorwürfen nicht äussern. Nach Presseberichten bestreitet er die Anschuldigungen vehement. Brittan war von 1983-1985 Innenminister in der Regierung von Margaret Thatcher und ging später als EU-Kommissar nach Brüssel.

Zehn Politiker unter Verdacht

Nach einem Bericht des «Daily Telegraph» vom Samstag stehen mehr als zehn ehemalige oder noch amtierende Politiker unter dem Verdacht des Kindesmissbrauchs. Die Polizei ermittelt in vier Fällen. Weitere 20 Politiker aus beiden Häusern des britischen Parlaments sollen von dem Missbrauch gewusst und die Vorgänge verschwiegen haben, berichtete die Zeitung.

Premierminister David Cameron hat eine neue Untersuchung darüber angeordnet, warum ein wichtiges Dossier über die Vorwürfe aus den 1980er Jahren nicht mehr auffindbar ist. Der Bericht war 1983 dem damaligen Innenminister Brittan übergeben worden.

Eine öffentliche Anhörung zu den Anschuldigungen hat Cameron trotz wachsenden Drucks aus den Reihen der Opposition bisher strikt abgelehnt.

(sda)