Hollande bei Merkel

15. Mai 2012 20:24; Akt: 15.05.2012 22:09 Print

Klassischer Handschlag statt warme Küsschen

Das fängt ja gut an: Zuerst wurde das Flugzeug des neuen französischen Präsidenten Francois Hollande auf dem Weg nach Berlin vom Blitz getroffen. A propos «coup de foudre»: Das wars zwischen Merkel und Hollande wohl nicht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sein Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte nach der Ernennung sechs Stunden gebraucht, um sich Bundeskanzlerin Angela Merkel vorzustellen. François Hollande benötigte am Dienstagabend etwa drei Stunden mehr, um von Paris nach Berlin ins Kanzleramt zu eilen - zu seinem Antrittsbesuch und zu seinem ersten Auslandsbesuch als französischer Präsident überhaupt.

Hollande brauchte zwar länger als sein Vorgänger, dafür reiste er aber auch ungleich spektakulärer an. Auf dem Weg nach Berlin wurde sein Flugzeug vom Blitz getroffen. Das Schöne an der Geschichte: Blitzschlag heisst auf Französisch «Coup de foudre». Und das wiederum steht auch für «Liebe auf den ersten Blick».

Es war vor diesem Treffen viel über die deutsch-französischen Beziehungen im Allgemeinen und das Verhältnis zwischen Merkel und Hollande im Speziellen gemutmasst worden. Wie sich beide im Spannungsfeld der Eurokrise vertragen, wird nur die Zukunft zeigen können; der erste harte Belastungstest steht in einer Woche beim EU-Sondergipfel in Brüssel an.

Empfang mit militärischen Ehren

Gegen 20.00 Uhr empfing Merkel ihren französischen Gast im Ehrenhof des Kanzleramtes. Mit militärischen Ehren, also einer Polizei-Eskorte und vor allem einer Ehrenkompanie der Bundeswehr, das ist in solchen Fällen so üblich. Obwohl sich alle Beteiligten dabei immer viel Mühe geben, so richtig feierlich ist die Betonkulisse nicht, schon gar nicht im Vergleich zum Elysée-Palast, wo der knirschende Kies im Vorhof irgendwie mehr gefühltes Sexappeal hat als der nüchterne Asphalt im Kanzleramt.

Apropos Gefühl: Die grosse Frage, die Beobachter vor dem Besuch eigentlich umtrieb, war: Küssen sie, oder küssen sie nicht? Die Frage war sowohl unter politischen, mindestens aber unter boulevardesken Gesichtspunkten berechtigt. Mit Sarkozy gab es stets, vom Antrittsbesuch an Küsschen auf die Wange. Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac hatte Merkel immer mit Handkuss begrüsst.

Hollande begnügte sich mit einem Handschlag. Formvollendet, aber reichlich unsexy. Ein Unterschied irgendwie, so wie zwischen Kanzleramt und Elysée-Palast. Zumal die Kanzlerin vorher noch versprochen hatte, Hollande werde von ihr «mit offenen Armen in Deutschland empfangen».

Zahlreiche Zaungäste honorierten die Annäherung gleichwohl mit Beifall, damit hatte es sich dann aber auch mit der deutsch-französischen Freundschaft in der Öffentlichkeit. Merkel und Hollande entschwanden zum gemeinsamen Abendessen ins graue Kanzleramt. Serviert werden sollte unter anderem Spargel, was nicht einer gewissen Symbolik entbehrte. Dem Gemüse wird schliesslich eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt.

Bekenntnis zu Griechenland

Beide äusserten die Erwartung, dass Griechenland trotz seiner innenpolitischen Krise in der Euro-Zone verbleibt. Sie bekräftigten zugleich ihren Führungsanspruch in der EU.

Zum Thema Fiskalpakt machte Hollande die Türen für Verhandlungen weit auf. Der Sozialist forderte zwar erneut Nachverhandlungen in Richtung auf einen Wachstumspakt. Er erklärte aber auch, dass dafür zunächst alle Dinge beim EU-Sondergipfel am 23. Mai sowie beim regulären Gipfel Ende Juni in Brüssel auf den Tisch gelegt werden müssten. Diese gelte es zu prüfen, und erst dann könne man sagen, was rechtlich überhaupt umgesetzt werden könne.

Merkel und Hollande betonten mehrfach ihren Willen zu einer guten Zusammenarbeit. Mit Blick auf die anderen 25 Mitgliedstaaten erklärte die CDU-Vorsitzende Merkel, sie und Hollande wüssten «um unsere Verantwortung, die wir haben für eine gute Entwicklung Europas». Von diesem Geiste getragen werde man die Lösung für die europäischen Probleme finden. Hollande sagte, beider Wunsch sei es «zum Wohle Europas zusammenzuarbeiten und alle anderen Länder auf diesem Weg mitzunehmen».

Merkel lud Hollande zu den Feierlichkeiten anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages am 22. Januar 2013 nach Berlin ein. Unter anderem feiert der Bundestag dann zusammen mit der Assemblée Nationale, der französischen Nationalversammlung. Die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag hatten in Paris stattgefunden.


(ap)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • müller am 15.05.2012 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kann passieren ist nicht schlimm

    naja so modern müssen die flugzeuge nicht sein damit man geschützt ist und der blitzschlag muss sehr heftig gewessen sein damit ein pilot wiedet umkehrt. es gibt täglich flugzeuge die vom blitz getroffen werden

  • F.C. am 15.05.2012 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :)

    Vielleicht ist das ein Zeichen. Zorn der Steuerzahler...

    einklappen einklappen
  • Thomas Hinz am 15.05.2012 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz okay!

    Ich mag diese überdrehte, künstliche und total übertriebene sich in die Arme fallen der Leute heutzutage ohnehin überhaupt nicht. Ich bevorzuge es ebenfalls, einmal eine neue Bekanntschaft ein Bisschen kennen zu lernen und dann bei Sympathie diese dann auch herzlich zu umarmen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mona am 16.05.2012 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Na geht doch!

    Endlich fertig mit dieser Kuschelpolitik. ;-)

  • Koch am 15.05.2012 22:31 Report Diesen Beitrag melden

    Spargel...

    ...wohl mit Sauce "Hollande-aise"..:-)

  • Pate am 15.05.2012 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso eilen die Präsidenten zum Nachbar?

    War bei Obama - Canada so und mit Zarkozy - Deutschland - Cameron - Deutschland und jetzt wieder.. wozu? Ist man denn so nah dass man gleich am ersten Tag dort hin rennen muss? Ich finds ehrlich gesagt etwas schleimerisch.

    • Micca am 16.05.2012 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      Etikette und so

      Das Treffen Deutschland und Frankreich hat Tradition. Ich dachte, sowas bringt man uns in der Schule bei ;). Deutschland und Frankreich legen sehr viel Wert auf gegenseitige Freundlichkeit. Es soll symbolisch Zeigen, dass eine Anfeindung, wie damals 1932-45, nie mehr möglich sein soll. Die selbe "Geste der Versöhnung" wenden auch andere Länder an.

    einklappen einklappen
  • Peter Silie am 15.05.2012 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vom Blitzkrieg

    zum Blitzbesuch...

  • Thomas Hinz am 15.05.2012 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz okay!

    Ich mag diese überdrehte, künstliche und total übertriebene sich in die Arme fallen der Leute heutzutage ohnehin überhaupt nicht. Ich bevorzuge es ebenfalls, einmal eine neue Bekanntschaft ein Bisschen kennen zu lernen und dann bei Sympathie diese dann auch herzlich zu umarmen!