«Heiliger Berg»

06. Oktober 2019 14:21; Akt: 07.10.2019 00:41 Print

Australiens Uluru wird vor Kletterverbot überrannt

An Australiens «Heiligem Berg» ist in diesen Tagen die Hölle los. Nach fast 150 Jahren darf der Uluru bald nicht mehr bestiegen werden.

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Die T-Shirts sind schon alle weg. Bis vor einer Weile konnte man sich an Australiens bekanntestem Felsblock, mitten in der roten Wüste gelegen, noch Souvenirs kaufen mit dem Aufdruck: «I climbed the Uluru» («Ich bin den Uluru hochgeklettert»). Vor ein paar Jahren hiess es sogar noch: «I climbed the Ayers Rock» – die bis dahin übliche englische Bezeichnung.

420 Franken Strafe

Irgendwann Anfang der Nuller-Jahre bürgerte es sich ein, den «Heiligen Berg» von Australiens Ureinwohnern nur noch so zu nennen wie die Aborigines selbst: Uluru. Dann wurde es verpönt, den 348 Meter hohen Brocken zu besteigen.

In ein paar Tagen wird die übrigens ziemlich anstrengende Tour verboten sein. Strafe: 630 australische Dollar (gut 420 Franken). Es kann noch teurer werden, bis hin zu einer Gefängnisstrafe.

Bitte um Respekt

Dass das Verbot kommt, steht seit Herbst 2017 fest. Es wurde von der Verwaltung des Nationalparks beschlossen, in dem der Berg liegt. Seither laufen die Vorbereitungen. Die letzten Jahre baten die Anangu, die hier schon seit Ewigkeiten zuhause sind, alle Besucher darum, freiwillig unten zu bleiben. Viele hielten sich daran.

Zehntausende machten sich trotzdem in praller Sonne auf den anderthalb Kilometer langen Weg nach oben, wenn auch oft mit etwas schlechtem Gewissen. Der 360-Grad-Rundumblick ins Outback war dann aber grandios.

Parkchef Sammy Wilson, selbst ein Anangu, begründet das Verbot so: «Der Uluru ist für uns ein extrem wichtiger Ort. Kein Spielplatz und auch kein Freizeitpark wie Disneyland.» Wenn es das nur wäre: Trotz aller Schilder und Broschüren lassen Touristen, wie auf anderen Bergen, haufenweise ihren Abfall liegen. Mangels Toiletten verrichten manche auf dem Unesco-Weltkulturerbe auch ihre Notdurft. Solche Zustände gehören nun bald der Vergangenheit an.

Verbot ist umstritten

Noch allerdings darf man hinauf. Es ist, wenn es dauerhaft bei dem Verbot bleiben sollte, die letzte Chance. So ist am Uluru in diesen Tagen so viel los wie wahrscheinlich nie zuvor in seiner Existenz. Alles in allem werden dieses Jahr mehr als 400'000 Besucher erwartet. Für einen Ort mitten in der Wildnis ist die Zahl enorm.

Das Verbot ist umstritten. Viele finden es richtig, endlich den Bitten der Aborigines zu entsprechen. 700'000 Ureinwohner gibt es heute noch, die im Vergleich zu den restlichen 24 Millionen Australiern immer noch vielfach benachteiligt werden.

Andere halten die Klettertour auf den Ayers Rock – wie sie dann erst recht sagen – für so etwas wie ein Grundrecht für alle Bewohner des fünften Kontinents.

37 Menschen kamen ums Leben

Auch unter den Aborigines sind nicht alle einer Meinung. Wenn man mit Jüngeren spricht, lautet die Antwort häufig: «Ist mir egal.» Der Aborigine-Künstler Billy Cooley, Jahrgang 1952, sagt: «Ich hätte kein Problem damit, wenn der Berg offen bleibt. Die Leute kommen dazu aus aller Welt. Wenn sie heimlich klettern, dann gibt es noch mehr Unfälle.»

Tatsächlich ist der Uluru trotz seiner bescheidenen Höhe gefährlich. Der Fels ist nicht nur steil, sondern auch extrem glatt. Mindestens 37 Menschen kamen schon ums Leben.

Der letzte Tag, an dem man klettern darf, ist der 25. Oktober, bis 16 Uhr. Ausser, es wird Regen erwartet, viel Wind oder mehr als 35 Grad Hitze. Dann wird der Berg heute schon gesperrt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. Erson am 06.10.2019 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Anstand

    Auf unserer Hochzeitreise im Dezember 2016 waren wir dort und unser Plan war auch, dass wir Uluru besteigen würden. Beim Uluru wurden wir von einem Ranger aufgeklärt, dass das Besteigen von den Aborigines nicht erwünscht wäre. Stattdessen wurde uns eine Tour um den Uluru angeboten, welche sehr informativ war. Für uns war es klar, den Wunsch der Aborigines zu respektieren und nicht rauf zu klettern...gehört irgendwie zum Anstand. Wir hätten es auch nicht gerne, wenn uns was heilig ist, dass dies als Attraktion missbraucht wird.

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  • Tourist am 06.10.2019 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Vor kurzem da und nicht geklettert

    War vor 2 Monaten da und bin nicht hochgeklettert. Gleich zu Beginn des Kletter-Tracks gibt es ein Schild mit der Bitte, man solle doch bitte nicht hochklettern, da es sich um einen heiligen Ort der Aborigines handelt. Trotzdem war der Ansturm riesig und es waren bei weitem nicht nur Touristen, sondern auch australische Familien.

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  • P.H. am 06.10.2019 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    War auch dort und es ist wunderschön, aber es gibt überhaupt keinen Grund da hoch zu gehen. Der Weg rundherum ist fantastisch und auch da ist es nicht schwierig an den heiligen Orten keine Fotos zu machen. Einfach Respekt gegenüber einer anderen Kultur zeigen halt..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rente Hjnkelrr am 07.10.2019 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Respektlos !

    Leider wird daß Heiligtum der Aboritschinee nicht Respektiert sogar die Australische Regierung macht mit bei der totalen Zerstörung des Wahrzeichens Australien mit und lässt zu daß Tausende Turisten den Eingeborenen ihr Heiligtum kaputt machen !

  • frosch könig am 07.10.2019 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Bereits 1994 war ich dort und bin aus Respekt nicht hochgeklettert. Ausschlaggebend war auch, dass ich erfuhr, dass bis zehn Jahre zuvor die Ureinwohner kein Anrecht auf Strom hatten.

  • Bianca am 07.10.2019 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aussi Freund

    Wir wahren 2 mal beim Uluru Und es währe uns nie in den Sinn gekommen da rauf zu Klettern , aus Respekt den Ureinwohnern gegenüber. Und alle die denken es ist Ihr recht der hat nicht verstanden

  • Silberdistel am 07.10.2019 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Heilig

    Der Berg ist auch aus der Ferne sehr beeindruckend und wir haben uns mit Anschauen begnügt. Der Uluri ist den Einheimischen heilig, das muss man respektieren. Wir wollen ja auch nicht, dass Touristen auf dem Münster umher klettern.

  • Jaraba am 07.10.2019 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uluru, Kata Tyuta Nationalpark

    Uluru ist kein Berg. Es ist ein Monolit.