Rassismusvorwurf

02. Januar 2017 06:13; Akt: 02.01.2017 12:54 Print

Kölner Polizei entschuldigt sich für Begriff «Nafris»

Nach dem Grosseinsatz in der Silvesternacht steht die Kölner Polizei in der Kritik. In einem Tweet hatte sie Nordafrikaner «Nafris» genannt.

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Strenge Sicherheitsvorkehrungen an Silvester: Ein Polizeifahrzeug steht in der Kölner Fussgängerzone. (31. Dezember 2016) Polizisten umringen am 31. Dezember 2016 vor dem Kölner Hauptbahnhof eine Gruppe von Männern. Die Bundespolizei habe zuvor gemeldet, dass «hochaggressive» Gruppen nach Köln unterwegs seien. Die Polizei habe dann verstärkt Kontrollen durchgeführt. Ein Leser-Reporter schrieb dazu um 21.30 Uhr: «Schon kurz vor 17 Uhr standen 16 Busse der Polizei beim einen Eingang des Hauptbahnhofs in Köln. Inzwischen sind es 20 und mindestens zwei Polizeihelikopter kreisen am Himmel.» In der Silvesternacht 2015 hatten am Kölner Hauptbahnhof überwiegend aus dem nordafrikanischen Raum stammende Täter massive Übergriffe auf Frauen und Diebstahldelikte verübt. (31. Dezember 2015). Zwei Männer wurden für ihre Taten schuldig gesprochen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ein Iraker am Kölner Dom eine junge Frau gegen ihren Willen geküsst und ihr Gesicht abgeleckt hatte. Die Behörden sollen laut Medienberichten versucht haben, den Begriff «Vergewaltigung» aus einer Polizeimeldung streichen zu lassen: Einsatzwagen vor dem Kölner Hauptbahnhof. (5.1.2015) Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (l.) hatte die Vorwürfe zurückgewiesen, wonach versucht worden sei, die Vorfälle der Silvesternacht in Köln zu verharmlosen. 153 Tatverdächtige der Vorfälle in Köln waren bekannt geworden. (31. Dezember 2015) Zusätzlich zu den Attacken waren in der Menschenmenge auch Feuerwerkskörper gezündet worden. (31. Dezember 2015) Am Tag nach den massenhaften sexuellen Übergriffen und Diebstählen legten Menschen Protestbriefe und Blumen auf Stufen beim Kölner Hauptbahnhof nieder. (1. Januar 2016)

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In diesem Jahr ist es in der Silvesternacht in Köln nicht verbreitet zu sexuellen Übergriffen gekommen. Doch nun werfen einige Politiker der Polizei vor, Menschen allein aufgrund ihres Aussehens kontrolliert zu haben. Ausserdem ist ein Tweet der Polizei in der Kritik.

Der Polizeieinsatz in der Silvesternacht löste eine Diskussion über den Begriff «Nafris» und über das gezielte Kontrollieren von Nordafrikanern aus. Polizeipräsident Jürgen Mathies bedauerte am Montag die Verwendung der Bezeichnung «Nafris» für Nordafrikaner in einem Tweet der Polizei.

Die Kölner Polizei hatte am Silvesterabend via Twitter mitgeteilt: «Am HBF werden derzeit mehrere hundert Nafris überprüft. Infos folgen.» Dazu sagte Mathies am Montag im WDR: «Den Begriff finde ich sehr unglücklich verwendet hier in der Situation. (...) Das bedauere ich ausserordentlich.» Die Bezeichnung werde als «Arbeitsbegriff» innerhalb der Polizei verwendet. Er sei in Teilen ja auch von Medien übernommen worden, sagte er.

Kontrollen verteidigt

Nach Überzeugung der Bundespolizei benutzen die Beamten den Begriff «Nafri» wie in der Kölner Silvesternacht keineswegs, um Menschen aus Nordafrika pauschal abzuwerten. «Das ist lediglich eine Abkürzung für nordafrikanische Intensivtäter und ist keinesfalls rassistisch oder als Schimpfwort gemeint», sagte Ernst Walter, der Vorsitzende der Deutschen Bundespolizeigewerkschaft (DPolG), am Montag.

Die umfangreichen Kontrollen am Kölner Hauptbahnhof verteidigte Behördenchef Mathies. Die Bundespolizei habe zuvor schon aus den Zügen gemeldet, dass «hochaggressive» Gruppen nach Köln unterwegs seien. Die Polizei habe dann das Gruppenverhalten und auch das Verhalten einzelner Personen beobachtet und davon ausgehend kontrolliert.

«keine grauhaarigen älteren Männer»

«Es ist nun mal so, dass gerade auch aus den Erfahrungen der vergangenen Silvesternacht, aus Erfahrungen, die wir durch Razzien insgesamt auch gewonnen haben, hier ein klarer Eindruck entstanden ist, welche Personen zu überprüfen sind», sagte Mathies. «Es waren keine grauhaarigen älteren Männer oder blondhaarigen jungen Frauen.» In einer solchen Situation, in der Tausende Menschen gleichzeitig am Hauptbahnhof ankämen, müsse die Polizei zwingend sofort Entscheidungen treffen.

In der Silvesternacht vor einem Jahr war es am Kölner Hauptbahnhof zu zahlreichen sexuellen Übergriffen gekommen. Die Verdächtigen und Verurteilten waren überwiegend Nordafrikaner. Diesmal kam es nicht verbreitet zu solchen Taten.

Ein Jahr nach der Silvestergewalt

Behördenchef Jürgen Mathies verwehrte sich gegen Rassismusvorwürfe im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz. Er reagierte damit auch auf Kritik von Grünen-Chefin Simone Peter. Sie hatte in der «Rheinischen Post» «Verhältnis- und Rechtmässigkeit» des Einsatzes in Frage gestellt, bei dem «insgesamt knapp tausend Personen allein aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden». Als «völlig inakzeptabel» bezeichnete die Grünen-Vorsitzende den Gebrauch von «herabwürdigenden Gruppenbezeichnungen wie 'Nafris'». Gleichzeitig lobte sie die Kölner Polizei dafür, dass sie Gewalt und Übergriffe in der Silvesternacht begrenzt hat.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Canoli am 02.01.2017 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klare Zielgruppe

    Das passt wieder einmal zu den Grünen. Loben dass die Übergriffe und die Gewalt verhindert wurde und gleichzeitig kritisieren, wenn gezielt - die eindeutige Zielgruppe - einer Personenkontrolle unterzogen wird!

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  • SRG am 02.01.2017 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hää

    Wieso ist das heranwürdigend?? nur eine Abkürzung. Wird ja immer schlimmer.

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  • greenlife-ch am 02.01.2017 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist es dieser Frau langweilig??

    Sofort aufhören mit diesem weiblichen links/grünen Moral-Imperialismus!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jaques am 02.01.2017 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rassismus?

    wieso den das? wir sagen hierzulande den jugoslaven auch jugos. den italiener italos. und jetzt?

  • Mr. White am 02.01.2017 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rassistisch?

    Dann darf man also auch den Amerikanern nicht mehr Amis sagen ohne ein Rassist zu sein? Lächerlich! Von einen Extrem (früher) ins andere (heute). Heute werden vielfach die Täter zum Opfer und das passt mir auch überhaupt nicht so!

  • Céline Strahm am 02.01.2017 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke für ihre Aussage Frau Peter!

    Ihr habt somit wieder eine Stimme weniger (meine).

  • Schwab am 02.01.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Überhaupt nicht herabwürdigend

    So herabwürdigend ist der Begriff "Nafris" gar nicht. Er sagt nur, woher diese Leute kommen. Es würde ja auch keinen Aufschrei geben, wenn man in Afrika Nordeuropäer "Neuros" nennte!

  • Ch. Bürger am 02.01.2017 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört doch auf

    Danke an die Polizei hätte es wieder Übergriffe gegeben so wäre die Poizei als Versager hingestellt worden.