Historischer Staatsbesuch

17. Mai 2011 15:03; Akt: 17.05.2011 16:09 Print

Königliche Visite birgt viel Sprengkraft

Der Besuch der Queen in Irland ist der erste eines britischen Monarchen seit 100 Jahren. Dabei wird es die nächsten vier Tage zwangsläufig merkwürdige Momente geben.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

1911 besuchte der Grossvater von Queen Elizabeth, George V., Irland. Das war der letzte britische königliche Staatsbesuch im Land. Damals gehörte die gesamte irische Insel noch zum Vereinigten Königreich. Beim heutigen Besuch ist das anders. Die Iren sind keine Untertanen mehr und erwarten von der britischen Königin ein Sorry für die kolonialen Bluttaten.

Es mutet bizarr an, dass die Queen auf ihrer viertägigen Reise genau die Orte besuchen wird, die in der Geschichte der beiden Staaten zu den blutigen Auseinandersetzungen führten.

Als erster Schauplatz ist die Gedenkstätte für den Osteraufstand von 1916 vorgesehen. Irische Nationalisten widersetzten sich damals der britischen Krone. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. Hier wird nun die Queen einen Kranz niederlegen. Auch das Stadion Croke Park wird mit der Anwesenheit der königllichen Majestät geehrt – oder befleckt. 1920 schossen britische Polizisten während eines Fussballspiels in die Menge und töteten 14 Menschen. Es war der erste von vielen irischen «Bloody Sundays».

Queen nicht überall willkommen

Die Sinn Fein Partei hat die Besuche dieser symbolträchtigen, für die irische Geschichte wichtigen Orte aufs Schärfste kritisiert. Chef Gerry Adams nannte die Geste der britischen Monarchin als «verfrüht». Terrordrohungen der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) wurden im Vorfeld publik. Eine scharfe Bombe wurde wenige Stunden vor dem Besuch in einem Vorort von Dublin entschäft. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm: 8500 Polizisten und Soldaten stehen bereit, gepanzerte Fahrzeuge und Luftabwehrraketen sollen die Queen und der mitreisende britische Premier schützen.

Trotzdem: Laut einem Bericht auf Spiegel Online befürworten 80 Prozent der Iren den Besuch der Queen. Sie warten wohl auf eine Entschuldigung für ihre jahrelange Unterdrückung. Es sollte eine Geste der Versöhnung werden. Im vergangenen Jahr machte es der britische Premier David Cameron der Queen vor: Er entschuldigte sich für das Massaker von Derry, einem weiteren «Bloody Sunday».

Besonders eine Gruppierung erwartet viel von der Visite der Monarchin: Überlebende der tödlichen Bombenschläge 1974 in Dublin und Monaghan sowie die Familien der Opfer forderten die Veröffentlichung geheimer britischer Dokumente zu den Attentaten, schreibt die Nachrichtenagentur SDA. Der 37. Jahrestag der beiden Anschläge vom 17. Mai mit 34 Toten biete Gelegenheit zu einer «bedeutsamen Geste der Versöhnung», hiess es am Montag in einem Brief der Opferorganisation «Gerechtigkeit für die Vergessenen» an die Monarchin. Sie solle auf die Regierung in London einwirken, damit unter Verschluss gehaltene Unterlagen veröffentlicht würden. Die Veröffentlichung von Ermittlungsakten zu den Bombenattentaten ist zwischen Irland und Grossbritannien ein dauerhafter Streitpunkt. Angehörige der Opfer und Vertreter der katholischen Partei Sinn Fein werfen London vor, protestantische Terroristen aus Nordirland bei der Vorbereitung der Anschläge geheimdienstlich unterstützt zu haben.

Ein Abendessen mit Symbolkraft

Möglich wurde die königliche Reise erst durch die weitgehende Befriedung des Nordirlandkonflikts. Die irische und britische Regierungen wollen die Botschaft aussenden, dass alles normal ist, dass die einstigen Erzfeinde Freunde geworden sind. Und sie wollen vielleicht auch ein wenig von der Eurokrise ablenken, die wie ein Damoklesschwert über Irland hängt.

Ein Hauch von Geschichte wird mitschwingen, wenn die Queen, David Cameron und irische Regierungsvertreter am Mittwoch im Dublin Castle beim Staatsbankett speisen. Von diesem Schloss aus regierten einst die Briten über ihre irischen Untertanen.

Videos: Vorberichte zum Queen-Besuch (YouTube)

(kub)