22. April 2005 08:13; Akt: 22.04.2005 09:38 Print

Koizumi entschuldigt sich für Japan

Regierungschef Junichiro Koizumi hat sich beim Asien-Afrika-Gipfel in Indonesien mit Nachdruck für die Kriegsvergangenheit seines Landes entschuldigt.

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«Durch seine Kolonialherrschaft und -angriffe hat Japan in der Vergangenheit gewaltigen Schaden und Leid über die Bevölkerung vieler Staaten gebracht, besonders über die Bevölkerung asiatischer Länder», sagte Koizumi am Freitag beim Gipfeltreffen in der indonesischen Hauptstadt Jakarta.

Japan erkenne diese «Tatsachen der Geschichte» demütig an und fühle «tiefes Bedauern». Es biete eine von Herzen kommende Entschuldigung an, betonte Koizumi. Er verwies darauf, dass sein Land seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges beständig daran festgehalten habe, «nie wieder eine Militärmacht zu werden, sondern eine Wirtschaftsmacht».

China unerwähnt

Der japanische Ministerpräsident liess China bei seiner Entschuldigung unerwähnt. Die Beziehungen der beiden Staaten hatten sich in den vergangenen Wochen drastisch verschlechtert, nachdem in Japan ein Schulbuch zugelassen worden war, das die Kriegsverbrechen des Landes verharmlost.

Dies hatte zu Massenprotesten in China geführt. Japan hatte sich bereits in der Vergangenheit allgemein für seine Kriegsverbrechen entschuldigt.

Ranghohe Mitarbeiter der chinesischen Regierung hatten im Vorfeld des Gipfeltreffens gesagt, dass Chinas Präsident Hu Jintao möglicherweise bereit sei, Koizumi während der Tagung zu treffen, wenn dieser sich entschuldige - zunächst vermieden der Regierungs- und der Staatschef aber jeden Kontakt.

Nach japanischen Informationen findet es nicht am Freitag statt. Wie die Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf Regierungsquellen in Tokio berichtete, gebe es terminliche Probleme. Beide Seiten versuchten jedoch weiterhin, ein Treffen für Samstag oder später zu arrangieren.

Hu Jintao betonte auf dem Treffen in Jakarta die Entschlossenheit seines Landes zur friedlichen Beilegung von Konflikten. «Die Absicht der chinesischen Aussenpolitik ist es, den Weltfrieden zu wahren und die gemeinsame Entwicklung voranzutreiben», sagte er. Auch er nannte Japan nicht.

Erinnern an Bandung

Die Gespräche von Vertretern aus fast 100 Staaten in Indonesien, darunter knapp 50 Staats- und Regierungschefs, knüpft an die Konferenz von Bandung 1955 an, die als Geburtsstunde der Blockfreien-Bewegung gilt. Am Ende des zweitätigen Treffens in Jakarta soll eine Erklärung über die künftige Stärkung der Beziehungen zwischen Afrika und Asien stehen.

(sda)