Rubygate

27. Januar 2011 12:23; Akt: 27.01.2011 13:33 Print

Kokain und noch eine Minderjährige

Neuer Ärger für Silvio Berlusconi. Die ergänzenden Dokumente der Mailänder Staatsanwaltschaft bringen brisante Details gegen den italienischen Premier an den Tag.

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Karima el-Mahroug, besser bekannt unter dem Künstlernamen ist die Schlüsselzeugin im Sex-Prozess gegen Silvio Berlusconi. 2010 soll es bei Feiern in Berlusconis Villa zu Orgien mit minderjährigen Prostituierten gekommen sein. Die «Ruby-Affäre» war Anlass für den jahrelangen Prozess gegen den Ex-Ministerpräsidenten wegen möglichem Amtsmissbrauch und Förderung der Prostitution mit Minderjährigen. Berlusconi sagt vor Gericht, es habe keine Sexparties mit «Bunga Bunga» gegeben, sondern lediglich Abendessen, bei denen er sich mittels Singen sowie Gesprächen über Sport, Politik und Klatsch in den Mittelpunkt gesetzt habe. Er sei von Ruby belogen worden. Berlusconi erklärt vor Gericht, er habe zwar 45'000 Euro an die minderjährige Prostituierte gezahlt, jedoch nur, damit sie davon einen Schönheitssalon mit Haarentfernungslaser eröffnen könne und nicht etwa für sexuelle Dienstleistungen. «Ruby» ist nicht im Gerichtssaal. Ruby Rubacuori hat am Wiener Opernball 2011 teilgenommen, der schliesslich ohne Skandale über die Bühne ging. Neben Berlusconis Gespielin Ruby kamen auch Stars wie Bob Geldof und Anna Netrebko nach Wien. Küss die Hand schöne Frau...Ruby hat Richard Lugners Einladung zum Wiener Opernball angenommen. Überraschend gab die junge Frau einen Tag vor dem Opernball ihre Heiratspläne bekannt. Der Glückliche soll ein 41-jähriger Disco-Besitzer sein. Ruby Rubacuori fühlt sich von den Medien ungerecht behandelt. In einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP erklärte sie, sie habe nichts falsch gemacht. «Ich will Schadensersatz, weil ich so verletzt worden bin, und alles Gold der Welt würde dafür nicht ausreichen.» Sie sei von der italienischen und ausländischen Presse wie eine Prostituierte behandelt worden, schrieb sie. Die mittlerweile 18-Jährige verlangte von der AP 15'000 Euro für ein TV-Interview. «Ich tue nichts für nichts», erklärte sie. Die italienische Tageszeitung «La Repubblica» veröffentlicht die bislang geheime Einvernahme von Ruby am 3. August 2010. Die junge Marokkanerin behauptet, Silvio Berlusconi habe sehr wohl gewusst, dass sie zum Zeitpunkt der Partys in Villa Arcore minderjährig war. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi wurde wegen der Affäre um die junge Marokkanerin «Ruby» wegen der Begünstigung der Prostitution Minderjähriger der Prozess gemacht. Das Eilverfahren begann am beginnen. Im selben Prozess muss sich Berlusconi zudem wegen Amtsmissbrauchs vor Gericht verantworten. Er wird beschuldigt, später seinen Einfluss geltend gemacht zu haben, um die Affäre zu vertuschen. Das mittlerweile 18 Jahre alte Escortmädchen Ruby Rubacuori verteidigte Berlusconi bei der Aufzeichnung der Sendung «Kalispera». Berlusconi habe ihr zwar geholfen, aber nichts als Gegenleistung verlangt. Weinend fügte sie hinzu, sie habe sich niemals prostituiert. Sei sei im Alter von neun Jahren von zwei Onkeln vergewaltigt worden. Karima El Marough, wie Ruby mit richtigem Namen heisst, steht seit November 2010 im Mittelpunkt der Ermittlungen gegen Italiens Premierminister Silvio Berlusconi. Damals hiess es, der Cavaliere habe die noch 17-Jährige für Sex bezahlt. In Italien ist es strafbar, gegen Bezahlung Sex mit Prostituierten unter 18 Jahren zu haben. Ruby selbst behauptet, wiederholt an Partys des italienischen Premiers teilgenommen zu haben. Nach eigenen Angaben hat sie sogar 7000 Euro erhalten. Sie will aber keinen Sex mit Berlusconi gehabt haben. Ruby war Ende Oktober 2010 gross in den Medien geraten, nachdem bekannt geworden war, dass Silvio Berlusconi sich persönlich für die junge Frau eingesetzt hatte und sie mit einem Anruf vor dem Gefängnis bewahrt hatte. Die Polizei hatte Ruby am Abend des 27. Mai 2009 festgenommen. Sie war von einer Freundin bezichtigt worden, Geld gestohlen zu haben. Ruby rief aus dem Polizeiposten direkt ins Büro des Premiers an, um Hilfe zu bitten. Berlusconi soll danach zum Hörer gegriffen und gesagt haben, die 17-Jährige sei eine Verwandte des ägyptischen Präsidenten Muhammad Husni Mubarak. Ruby kam sofort frei. Die TV-Moderatorin Nicole Minetti sollte sich um das junge Mädchen kümmern. Die 25-Jährige holte Ruby um 2 Uhr morgens beim Polizeiposten ab und übergab sie einer Brasilianerin. Berlusconi dementierte das ungewöhnliche Vorgehen allerdings nicht: «Es hat einen Anruf gegeben, aber nur um einen Vormund zu finden für eine Person, die uns allen sehr leidgetan hatte, weil sie uns eine dramatische Geschichte erzählt hat, die wir ihr geglaubt haben. Das ist alles.» «Ich bin ein Mensch mit einem guten Herzen und immer bereit, jemandem in Not zu helfen», sagte er im November. Karima El Marough ist in Messina aufgewachsen und mit 14 von zu Hause ausgerissen.

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227 zusätzlichen Seiten, die Berlusconi belasten, hat die Mailänder Staatsanwaltschaft gestern Nachmittag der italienischen Abgeordnetenkammer übergeben. 227 Seiten, die das bisherige Dossier ergänzen und mit welchen die Staatsanwälte um eine Hausdurchsuchung bei Silvio Berlusconis Treuhänder Giuseppe Spinelli bitten. Spinelli soll Dutzende Mädchen im Auftrag Berlusconis für ihre Nächte beim Ministerpräsidenten bezahlt haben.

Aus dem Dokument geht beispielsweise hervor, dass – nach Noemi und Ruby – mindestens eine weitere Minderjährige regelmässig bei Berlusconi zu Besuch war. Bei der Frau soll es sich um eine brasilianische Prostituierte handeln. Zudem gibt es zwei weitere Bezeugungen zu dem, was nach einem Abendessen in der Villa San Martino im sogenannten «Bunga-Bunga-Saal» im Untergeschoss mit jungen und sehr jungen Frauen passiert sein soll.

Offenbar sollen sämtliche Frauen, die für Berlusconi getanzt oder mit ihm die Nacht verbracht haben, bezahlt worden sein. Am Tag, nach dem der Skandal publik gemacht wurde, bot Berlusconi laut Dokument sämtliche «Bunga-Bunga-Mädchen» auf. Zusammen mit seinen Anwälten soll er in Arcore den Mädchen eine neue Version dessen, was passiert sein soll, eingebläut haben.

«Von Silvio Berlusconi 4 Millionen»

Für Aufsehen sorgte ein Blatt, dass bei der Hausdurchsuchung von Rubys Wohnung am vergangenen 17. Januar entdeckt wurde. Auf diesem notierte die mittlerweile 18-Jährige ihre Buchhaltung. Darauf aufgeführt sind auch mehrere Zahlungen, die sie von Berlusconis Treuhänder erhielt – insgesamt 17 000 Euro. Ein bisschen mehr, als Spinelli während eines Verhörs zugab. Wirklich interessant ist jedoch das, was Ruby ganz am Schluss notierte: «In zwei Monaten, von Silvio Berlusconi 4 Millionen und 500 Tausend Euro». Entsprechende Abklärungen zu diesem Sachverhalt sind am Laufen.

Weiter wurde bekannt, dass die Finanzpolizei im vergangenen August eine beträchtliche Menge Kokain bei einem gewissen Ramirez beschlagnahmte. Der Mann ist der Freund einer Frau, aus Berlusconis Begleiterinnen-Kreis. Als er hochgenommen wurde, war er mit dem grünen Mini Cooper der 25-jährigen Regionalrätin Nicole Minetti unterwegs. Neben Berlusconi, gegen den wegen Amtsmissbrauch und Beihilfe zur Prostitution ermittelt wird, hat die Mailänder Staatsanwaltschaft auch Minetti auf dem Radar. Sie soll die Prostitution junger Frauen mit Berlusconi gefördert haben.

(rn)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Angelo am 28.01.2011 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Überall laute "Berlusconis"!

    Die Welt ist leider voll "Berlusconis"! Auch wenn nicht alle Ministerpräsidenten sind. Und wer glaubt, dass dies nur in der Politik passiere, glaubt noch am "Storch". Sehr viele Marketing verantwortlichen sind "Berlusconis". Auch in der Schweiz! Kaos und Unruhen sind schon vorprogrammiert. Die Bomben ticken!

  • Fritz am 27.01.2011 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Glaubwürdigkeit Berlusconis

    Mich würden Umfrageergebnisse über Berlusconis Glaubwürdigkeit interessieren.

  • Gregor Bachmann am 27.01.2011 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    E geile Siech!

    Wir bewundern Berlusconi immer mehr. Mit seinen 72 Jahren hat er noch was drauf. Diejenigen, die nun aufheulen: Das ist nur der Neid der Besitzlosen. Und: Glauben Sie, in der Schweiz sei es besser. Der Unterschied: Berlusconi steht zu seinen Eskapaden, die Schweizer vertuschen alles.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Angelo am 28.01.2011 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Überall laute "Berlusconis"!

    Die Welt ist leider voll "Berlusconis"! Auch wenn nicht alle Ministerpräsidenten sind. Und wer glaubt, dass dies nur in der Politik passiere, glaubt noch am "Storch". Sehr viele Marketing verantwortlichen sind "Berlusconis". Auch in der Schweiz! Kaos und Unruhen sind schon vorprogrammiert. Die Bomben ticken!

  • Fritz am 27.01.2011 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Glaubwürdigkeit Berlusconis

    Mich würden Umfrageergebnisse über Berlusconis Glaubwürdigkeit interessieren.

  • Sandra am 27.01.2011 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Der hat völlig Recht

    Ich bin selbst Halbitalienerin und mich hat Berlusconis Verhalten früher gestört. Nur jetzt sehe ich es jetzt in einem anderen Licht. Berlusconi hat niemanden foltern oder umbringen lassen. Er ist nur darauf bedacht, möglich viel Spass zu haben und sich das auch was kosten zu lassen. Wenn er als Staatschef von Italien noch dazu beliebt und in seinem Amt auch gut wäre, könnte ich ihn nur noch bewundern. Wäre ich ihn, ich würde es genau so tun. Man lebt nur einmal. Und wenn man in diesem einen Leben noch alles in den Arsch gestopft bekommt, dann sollte man das auch ausnützen. Carpe die

  • Luigi am 27.01.2011 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Fass ohne Boden

    Als Italiener kann man sich heutzutage nur noch schämen.

    • mosim am 27.01.2011 17:26 Report Diesen Beitrag melden

      Silvio

      Nein müssen wir nicht! Alleine Silvio muss sich schämen und die Ihm noch die Stange halten!

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  • Reto Schweizer am 27.01.2011 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Schaden

    Zumindest hat er niemanden persönlichen Schaden zugefügt!