Iran-USA-Konflikt

06. Januar 2020 13:39; Akt: 06.01.2020 13:39 Print

Trifft Trump am WEF auf Irans Aussenminister?

Der iranische Aussenminister Mohammed Javad Sarif soll ans WEF kommen – sowie der irakische Präsident Barham Salih. Kommt nun auch noch Trump, könnte es heikel werden.

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief am Mittwoch in Brüssel zu Gesprächen auf. In der Nacht auf Mittwoch hat der Iran US-Truppen im Irak mit Raketen angegriffen. Beim Begräbnis des iranischen Generals Qassim Soeimani kam es laut Medienberichten zu einer Massenpanik. Die iranische Nachrichtenagentur Isna spricht unter Berufung auf einen Behördenvertreter von 50 Getöteten. Hunderttausende Iraner hatten sich am Dienstag vor der Beisetzung zu einer Trauerfeier in des Generals Heimatstadt Kerman versammelt. Der iranische General Qassim Soleimani wurde bei einem US-Angriff getötet. Die USA hätten das Recht, sich selbst zu verteidigen, sagt der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nach der tödlichen Attacke. Soleimani und Abu Mahdi al-Muhandis, der stellvertretende Leiter der irakischen Volksmobilisierungskräfte, seien in einem Fahrzeug gefahren, als dieses von zwei aufeinanderfolgenden Lenkraketen getroffen worden sei, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Dem jüngsten Angriff waren Proteste vor der US-Botschaft in Bagdad vorausgegangen. Am Dienstag griffen mehrere Tausend Demonstranten die US-Botschaft in Bagdad an. Sie hatten sich Zugang zur hochgesicherten «grünen Zone» verschafft. Die US-Regierung verlegt wegen der jüngsten Spannungen im Irak per sofort 750 zusätzliche Soldaten in die Region. Demonstranten zünden in Bagdad amerikanische Flaggen an. Hintergrund ist die Wut vieler Iraker über die US-Luftangriffe vom Wochenende. Bei den Angriffen wurden mehr als zwei Dutzend paramilitärische Kämpfer getötet. Die schiitischen Milizen werden laut Washington vom Iran unterstützt. US-Präsident Donald Trump machte daher den Iran für die jüngsten Ausschreitungen verantwortlich und drohte mit Vergeltung. Im Iran ist eine Maschine der Ukraine International Airlines abgestürzt. Vom Flugzeug ist nicht mehr viel übrig. 176 Menschen sind ums Leben gekommen sein. Beim Flugzeug handelte es sich um eine Boeing 737. Wie der Chef der Rettungskräfte sagte, sei die Boeing in Brand geraten. Die US-Regierung geht davon aus, dass das Flugzeug abgeschossen wurde. Die Absturzstelle ist in der Nähe des Teheraner Imam-Chomeini-Flughafens. Die um kurz nach 05.00 Uhr Ortszeit gestartete Maschine mit der Flugnummer PS752 stürzte in ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand. Das Flugzeug hätte gegen 08.00 Uhr Ortszeit in der ukrainischen Hauptstadt Kiew landen sollen.

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Die Spannungen im Irak und Iran sind wegen des tödlichen US-Drohnenangriffs auf den iranischen General Qassim Soleimani dramatisch eskaliert. Soleimani war in der Nacht zu Freitag nahe dem Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet worden. Er war Kommandeur der Al-Quds-Brigaden, die zu den iranischen Revolutionsgarden gehören und für Auslandseinsätze zuständig sind.

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Wird Trump am WEF in Davos teilnehmen?

Teheran drohte den USA mit Vergeltung, woraufhin US-Präsident Donald Trump seinerseits ankündigte, die USA würden «schwere Vergeltung» üben, wenn es zu iranischen Vergeltungsaktionen für die Tötung Soleimanis komme.

Teilnahme offiziell bestätigt

Wie CH-Media nun berichtet, soll der iranische Aussenminister Mohammed Javad Sarif ans Weltwirtschaftsforum (WEF), das in zwei Wochen in Davos stattfindet, eingeladen worden sein – und das bereits vor der Tötung Soleimanis. Die Verantwortlichen des WEF haben diese Information gegenüber der CH-Media-Redaktion bestätigt. Sarif habe bereits zugesagt und sei angemeldet. Brisant ist dies, weil dieser nach der Tötung Soleimanis Rache angekündigt haben soll. In seinen Augen würden die USA «Staatsterrorismus» betreiben. Eine hochkarätige Delegation aus den USA werde zudem ebenfalls am WEF präsent sein.

Am Montag, 6. Januar, wurde zudem bekannt, dass der irakische Präsident Barham Salih ebenfalls in Davos zu Gast sein wird. Das bestätigte WEF-Medienchef Yann Zopf auf Anfrage von CH-Media. Das WEF scheint offenbar zum Krisengipfel zu mutieren.


(Barham Salih)

Die pro-iranischen Hisbollah-Brigaden im Irak haben die irakischen Truppen und Sicherheitskräfte vor kurzem aufgefordert, sich von US-Soldaten auf Stützpunkten im Irak zu entfernen. «Wir fordern die Sicherheitskräfte im Land auf, sich ab Sonntag um 17.00 Uhr (15.00 Uhr MEZ) mindestens 1000 Meter von US-Stützpunkten zu entfernen», teilte die Gruppe am Samstag mit. Die äusserst anti-amerikanisch eingestellten Hisbollah-Brigaden sind im Irak Teil der vom Iran unterstützten Hasched-al-Schaabi-Milizen.

Kommt Trump oder nicht?

Ob Trump in Davos ebenfalls zu den Gästen zählen wird, ist noch offen. Er war bereits im Januar 2018 am WEF gewesen. Auch 2019 war eine Teilnahme geplant, die er jedoch wegen des damaligen Shutdowns der US-Regierung absagen musste.

In Davos soll sich Sarif, der als WEF-Stammgast gilt, stets als Vertreter eines offenen Iran präsentiert haben. Nach den jüngsten Vorfällen um Soleimani scheint der Wind aber nun gedreht zu haben: Erst vor kurzem nannte er US-Aussenminister Mike Pompeo einen «arroganten Clown».

Die WEF-Verantwortlichen scheinen jedoch gewappnet zu sein, wie sie gegenüber CH-Media versichern: «Wir sind für alle Szenarien vorbereitet», sagt Marcus Caduff, Präsident des WEF-Ausschusses der Bündner Regierung.

(rab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Silver Back am 06.01.2020 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Chance

    Wenn Irgendwem etwas an Frieden gelegen ist, sollte er diese Chance packen. Die meisten Konflikte, auch in einer Zweierbeziehung, rühren daher, dass man nicht miteinander redet.

  • DidiWeidmann am 06.01.2020 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ich freu mich da schon auf Trumps Tweets

    Da freue ich mich dann schon auf den Unterhaltungswert von Trumps Tweets nach diesem Treffen: "Ich habe einen neuen Freund gewonnen und wir hatten eine wunderbare Unterhaltung in einer guten Atmosphäre, wir konnten einen Super-Deal vereinbaren!" [und selbstverständlich werden die amerikanischen, chinesischen, europäischen und russischen Waffenschmieden von diesem Deal profitieren...]

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  • Atahualpa am 06.01.2020 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plane spotter

    Der einzige wirkliche Vorteil vom ganzen Affen Zirkus an der WEF sind die speziellen Flugzeuge, welche in der Schweiz landen und starten werden... Gibt bestimmt erneut spannende Fotos...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Aldointernationale am 06.01.2020 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    WEF als Arena?

    wäre wohl eine schlechte Idee zwei Kampfhähne aufeinander loszulassen. Diplomatie ist nicht die Stärke dieser beiden, auch kommt aus Trumps Mund nichts verbindliches. Der Konflikt ist nur auf diplomatischer Ebene unter Beibezug neutraler Vermittler zu lösen. Trump sollte bis dahin auf irgendeine Insel verbannt werden.

  • Runser Caroline am 06.01.2020 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trifft Trump am WEF auf Irans Aussenminister

    Hört doch auf mit dem WEF . Grosmächte die sich dort treffen . Und das ganze Theater kostet ein heiden Geld . Und was bringts . NICHTS . Ausser eine grössere Gefahr auch für die Schweiz . Und alle Hotels die sich noch bereichern an den hohen Grossmächten Leuten mit Ihrem Utobischen Hotelpreisen . Und wo ist der Turist der dort in ruhe Ferien machen möchte . Gestört von dem Theather WEF .

  • G.Telli am 06.01.2020 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker vs Politiker

    Ich fände es toll! Sollen sich die Politiker aufs Maul geben, statt die Soldaten das über 10 Jahre austragen müssen.

  • Belly am 06.01.2020 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Berichterstattung.

    Ich kenne eure Möglichkeiten nicht und grade geht es Schlag auf Schlag. Aber genau deshalb sinkt euer Ticker mMn viel zu schnell. mE fehlen viele Informationen zb über die anderen involvierten Parteien (Türkei, Russland und China haben alle schon agiert). Oder daüber, dass der Irak von Amerika gebeten wurde, mit Soleimani Deeskalationsgespräche zu führen, und dass Amerika genau da zugeschlagen hat, oder dass US-Streitkräfte gegenwärtig ISIS-Mitglieder befreien. Wenn jemand interessiert ist, empfehle ich den Twitteraccount ww3updates, der postet sehr viele Informationen und ist mE neutral.

  • Sicherheits ausreichend oder nicht am 06.01.2020 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Was,wenn sich eine der Parteien

    dazu hinreisen lässt eine geziehlte Tötung am Wef zu vollziehen !? So ganz nebenbei hat der Iran zudem 80 Mio auf Donalds Kopf ausgesetzt.