Trauer in Ägypten

17. März 2012 22:23; Akt: 18.03.2012 22:06 Print

Koptischer Papst Schenuda III. ist tot

Mehr als vier Jahrzehnte stand Schenuda III. an der Spitze der koptisch-orthodoxen Kirche in Ägypten. Jetzt starb er im Alter von 88 Jahren.

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Nach dem Tod des koptischen Papstes Schenuda III. ist die Trauer in Ägypten gross. (Bild: Keystone)

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Nach mehr als 40 Jahren an der Spitze der koptisch-orthodoxen Kirche ist der ägyptische Papst Schenuda III. im Alter von 88 Jahren gestorben. Er erlitt am Samstag einen Herzanfall, wie die amtliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena berichtete.

Der Patriarch war litt seit Jahren an Gesundheitsproblemen. Er war in den vergangenen Jahren mehrfach zu medizinischer Behandlung ins Ausland gereist. Vergangene Woche hatte Schenuda seine wöchentliche Predigt absagen müssen.

Nach der Nachricht vom Tod Schenudas erklangen die Glocken der Sankt-Markus-Kathedrale in Kairo. Die koptisch-orthodoxe Kirche läutete damit eine Trauerzeit für den Patriarchen ein. Am Sonntag übernahm der koptische Bischof Pachomius für zwei Monate die päpstlichen Aufgaben, bis ein Nachfolger für Schenuda bestimmt ist.

Pachomius leitete auch den Trauergottesdienst am Samstagabend in der Kathedrale der Hauptstadt Kairo, zu dem sich Tausende von Gläubigen versammelten. Die Beerdigung wurde für Dienstag angesetzt.

Obama kondoliert

Ägyptens Grossmufti Ali Gomaa beschrieb Schenudas Tod als «Tragödie und grosses Leid für Ägypten und sein Volk». Auch die Partei Freiheit und Gerechtigkeit der Muslimbruderschaft trauerte um das Oberhaupt der Kopten und würdigte Schenudas «bedeutende Beiträge» zur Innen- und Aussenpolitik des Landes.

Die römische-katholische Kirche übermittelte den ägyptischen Kopten am Samstag ihr Beileid zum Tod des Patriarchen. Papst Benedikt XVI. schliesse ihn in seine Gebete ein, teilte Vatikan- Sprecher Federico Lombardi in Rom mit.

Auch US-Präsident Barack Obama kondolierte. In einer Erklärung würdigte er die von Schenuda III. geleisteten «Beiträge zur Unterstützung des Friedens und der Zusammenarbeit». Der Patriarch sei ein «Anwalt für Eintracht und Versöhnung» gewesen.

Konservativer Patriarch

Schenuda war Ende 1971 zum Papst von Alexandria und zum Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche gewählt worden. Er galt als in jeder Hinsicht konservativer Kirchenführer, der sich Forderungen nach liberalen Reformen widersetzte.

Unter dem einstigen Präsidenten Anwar al-Sadat wurde er wegen seiner Kritik an Sadats Annäherung an die Islamisten unter Hausarrest gestellt. Schenude unterstützte dagegen die Regierung des vor rund einem Jahr gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak.

Experten zufolge schätzte er Mubarak als Bollwerk gegen den Islamismus. Im Austausch für die Unterstützung gewährte die Regierung der koptischen Kirche weitreichende gesetzgeberische Befugnisse innerhalb der christlichen Religionsgemeinschaft.

Wiederholte Gewaltausbrüche

Die Kopten sind die grösste christliche Gemeinde im Nahen Osten und machen in Ägypten knapp zehn Prozent der Bevölkerung aus. Weltweit gehören fast zehn Millionen Menschen der koptischen Kirche an.

Die Kopten fühlen sich in Ägypten von der muslimischen Bevölkerungsmehrheit unterdrückt und diskriminiert. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen.

Anfang vergangenen Jahres waren vor einer Kirche in Alexandria mehr als 20 Menschen bei einem Bombenanschlag getötet worden. Im Oktober kam es in Kairo im Anschluss an eine zunächst friedliche Demonstration koptischer Christen gegen einen Brandanschlag auf eine Kirche zu schweren Zusammenstössen zwischen Kopten, Muslimen und den Sicherheitskräften. Dabei starben 25 Menschen, die meisten davon Christen.

(ap)