Tödlicher Warnschuss

07. Dezember 2008 16:52; Akt: 07.12.2008 16:52 Print

Krawallnacht in Griechenland: Polizisten verhaftet

Die tödlichen Schüsse eines Polizisten auf einen 15-Jährigen haben in mehreren griechischen Städten schwere Krawalle ausgelöst. Nach Polizeiangaben randalierten Hunderte junge Menschen in der Hauptstadt Athen.

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In Athen lieferten sich am Sonntag den zweiten Tag in Folge Hunderte Demonstranten Strassenschlachten mit der Polizei. Sie warfen Steine und schlugen auf ihrem Weg durch die Innenstadt Schaufensterscheiben ein. Die Polizei antwortete mit Tränengas.

In Thessaloniki brach nach einem Marsch von über 1000 Demonstranten ebenfalls erneut Gewalt aus. Fernsehbilder zeigten Protestler, die Brandsätze auf Polizisten warfen.

Regierung rief vergeblich zur Ruhe auf

Zuvor hatte die Mitte-Rechts-Regierung unter Ministerpräsident Costas Karamanlis nach den schwersten Ausschreitungen seit Jahren zur Ruhe aufgerufen. Innenminister Prokopis Pavlopoulos bot seinen Rücktritt an, den Regierungschef Karamanlis aber ablehnte.

Nach Angaben der Feuerwehr gingen bei den Unruhen bis Sonntagmorgen allein in Athen 16 Banken, rund 20 Geschäfte und über ein Dutzend Autos in Flammen auf. Die Polizei wollte sich nicht dazu äussern, wie viele Personen verhaftet oder verletzt wurden.

Toter aus Problembezirk Athens

Die Unruhen waren ausgebrochen, nachdem am Samstag ein 15- Jähriger von einem Polizisten erschossen worden war. Der Jugendliche gehörte nach Polizeiangaben zu einer Gruppe von 30 Personen, die im Athener Problembezirk Exarchia ein Polizeiauto mit Steinen beworfen hatte.

Als die Beamten die Jugendlichen festnehmen wollten, seien sie erneut angegriffen worden. Dabei gab einer der Polizisten einem Sprecher zufolge drei Warnschüsse ab und habe dabei den Jugendlichen getötet. Augenzeugen sagten einem griechischem TV- Sender, der Polizist habe gezielt auf den 15-Jährigen geschossen.

Schon einmal Zusammenstösse

Den Polizeiangaben zufolge starb erstmals seit 1985 in Griechenland wieder ein Minderjähriger durch Handlungen eines Polizisten. Damals waren dem Vorfall monatelange Zusammenstösse zwischen Polizisten und Demonstranten gefolgt.

Kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls zogen nach Angaben der Behörden Hunderte Jugendliche durch die Strassen der griechischen Hauptstadt, zündeten Geschäfte und Autos an und warfen Brandsätze auf Polizisten.

Die Unruhen griffen in der Nacht zum Sonntag auch auf die zweitgrösste Stadt des Landes, Thessaloniki, andere Städte im Norden des Landes sowie auf die Ferieninseln Kreta und Korfu über.

Polizisten festgenommen

Nach Polizeiangaben wurden zwei Polizisten am Sonntag verhaftet. Gegen den 37-jährigen Schützen leitete die Staatsanwaltschaft demnach ein Strafverfahren wegen Totschlags ein.

Der zweite Polizist soll den Angaben zufolge wegen Mittäterschaft belangt werden. Griechischen Medienberichten zufolge wurde ausser den beiden Beamten auch der Chef der Wache in Exarchia vom Dienst suspendiert.

Innenminister Pavlopoulos erklärte, er drücke für die Regierung und den Ministerpräsidenten sein tiefes Bedauern über den Vorfall aus. Die konservative Regierung von Karamanlis, die im Parlament nur über eine Ein-Stimmen-Mehrheit verfügt, ist nach einer Serie von Skandalen angeschlagen. Zudem sind viele Bürger mit der Wirtschaftspolitik der Regierung nicht zufrieden.

In Umfragen führen inzwischen die oppositionellen Sozialisten. Beobachter schliessen nicht aus, dass Karamanlis dazu gezwungen sein könnte, 2009 vorgezogene Neuwahlen auszurufen.

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Video: Reuters

(sda)