Russland

08. Juni 2015 20:10; Akt: 09.06.2015 09:23 Print

Kreml-Wunderheilerin Dschuna ist tot

Dschuna behandelte mit ihren Wunderkräften in den 80er Jahren hohe russische Politiker. Nun ist sie im Alter von 65 Jahren in Moskau verstorben.

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«Weiblicher Rasputin»: Wunderheilerin Dschuna mit Boris Jelzin. Bild: Twitter / Historical Times (8. Juni 2015)

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Die legendäre Wunderheilerin des Kreml, Dschuna, ist tot. Die Astrologin starb am Morgen in Moskau im Alter von 65 Jahren, wie ihr enger Vertrauter Andrej Malachow, ein Star-Moderator des russischen Fernsehens, der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die Heilerin, die mit bürgerlichem Namen Jewgenia Dawitaschwili hiess, stand in den 80er Jahren in den Diensten des Kreml und behandelte dabei unter anderem den 1982 verstorbenen Staatschef Leonid Breschnew sowie den ehemaligen sowjetischen Aussenminister Eduard Schewardnadse.

Dschuna war «die geheime Heilerin des Kreml, eine Art weiblicher Rasputin», sagte der Musical-Produzent Igor Matwijenko, der Ende der 80er Jahre «für einen Monat» mit ihr verheiratet war. Ständig seien damals die Limousinen der Staatsführung vor Dschunas Wohnung vorgefahren, erinnerte sich Matwijenko. Kreml-Führer und Künstler seien in ihrem Apartment zusammengekommen, sagte er. Sie hätten vor allem Dschunas Diskretion geschätzt.

Knieverletzung durch Handauflegen geheilt

Bei ihrer Hochzeit im Zentrum der russischen Hauptstadt sei seinerzeit «fast das gesamte Politbüro», das höchste Gremium der Kommunistischen Partei der UdSSR, dabei gewesen, sagte Matwijenko. Dschuna, die auch als Dichterin und Malerin tätig war, habe bei ihm selbst einmal eine Knieverletzung durch einfaches Handauflegen geheilt.

Die Tochter eines Iraners und einer Kosakin aus dem südrussischen Krasnodar kokettierte mit ihren orientalischen Wurzeln und nannte sich selbst «assyrische Prinzessin». Nach einer Ausbildung zur Krankenschwester kam sie nach Moskau und arbeitete zunächst bei einer Planungsbehörde, bevor sie sich unter Prominenten wie dem Musiker Wladimir Wisozki schnell einen Ruf als Heilerin machte.

Der Tod der erst nach dem Ende der Sowjetunion öffentlich auftretenden Dschuna war in Russlands Medien das Thema des Tages. «Manche nannten sie Scharlatan, manche Retterin», schrieb die staatliche Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gründete sie 1990 eine Akademie für Alternative Wissenschaften und zeigte sich häufig im Fernsehen. In einer Zeit, die von vielen Russen als chaotisch wahrgenommen wurde, erlangte sie rasch öffentlichem Ruhm, zog sich jedoch nach dem Unfalltod ihres Sohnes im Jahr 2001 weitgehend zurück.

(woz/afp)