Referendum

01. Dezember 2013 20:13; Akt: 02.12.2013 12:56 Print

Kroaten stimmen gegen die Homo-Ehe

Mann und Frau, und nicht anders: Die Kroaten haben sich mehrheitlich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen.

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Mima Simic und ihre Freundin Marta Sisak an der Urne – wohl klar, wie sie stimmen werden. (Bild: Reuters)

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Das katholische Lager in Kroatien hat sich gegen die linke Regierung durchgesetzt: Die Bürger im EU-Land Kroatien haben mit grosser Mehrheit entschieden, das christliche Ehemodell in der Verfassung festzuschreiben.

Wie die Wahlkommission in Zagreb am Sonntagabend nach der Auszählung fast aller Stimmen bekanntgab, stimmten fast 66 Prozent der Wähler für eine Verfassungsänderung. Demnach kann eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau eingegangen werden kann. Knapp 34 Prozent waren dagegen.

Das Referendum war von der konservativen Bürgerinitiative «Im Namen der Familie» angestrengt worden, die dafür 700'000 Unterschriften gesammelt hatte. Die katholische Kirche, der fast 90 Prozent der 4,2 Millionen Kroaten angehören, hatte dazu aufgerufen, für die Verfassungsänderung zu stimmen.

«Trauriges und sinnloses Referendum»

Die Mitte-links-Regierung lehnte die Initiative dagegen als diskriminierend ab. Sie will eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare einführen und hat bereits einen Gesetzesentwurf angekündigt.

Das Referendum sei «traurig und sinnlos», sagte Regierungschef Zoran Milanovic nach seiner Stimmabgabe. «Ich hoffe, dies ist das letzte Referendum über Themen, die den persönlichen Bereich der Familien betreffen, in den niemand eindringen sollte.»

Tomislav Karamarko von der konservativen Oppositionspartei HDZ stimmte dagegen für die Verfassungsänderung, um «die traditionellen Werte zu schützen». Leider sei es dafür nötig, «etwas Natürliches» in der Verfassung festzuschreiben.

«Schutz der Ehe»

Die Vorsitzende von «Im Namen der Familie», Zeljka Markic, verglich den Sieg ihrer Initiative mit dem Kampf zwischen David und Goliath, und kündigte weitere Projekte an. Dieses Mal sei es um «den Schutz der Ehe» gegangen, «nächstes Mal geht es um etwas anderes von genauso grosser Wichtigkeit», rief sie am Sonntagabend ihren jubelnden Anhängern zu.

Kroatiens Homosexuelle haben in den vergangenen Jahren einige Fortschritte erzielt. Die Teilnehmer der ersten Gay Pride im Jahr 2002 waren noch von Extremisten verprügelt worden. Mittlerweile finden regelmässig Schwulen- und Lesbenparaden in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik statt.

Demo in Zagreb gegen die Abstimmung

2003 wurden homosexuellen Paaren die gleichen Rechte gewährt wie Heterosexuellen, die unverheiratet zusammenleben. Auch in den Medien wird Homosexualität nicht mehr so stark tabuisiert. Am Samstag hatten in Zagreb etwa tausend Menschen gegen die Abstimmung demonstriert.

Allerdings bekennen sich laut einer Umfrage nur 37 Prozent der kroatischen Schwulen und Lesben zu ihrer sexuellen Orientierung. 74 Prozent der Homosexuellen sind demnach Opfer von Diskriminierungen, 17 Prozent erlebten auch körperliche Angriffe.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich bin auch eine Kroatin und in diesem Fall werde ich sicher nicht zustimmen. Ich finde dass alle die Recht haben ihres Leben selbst einzustimmen und Leben mit wem und wie sie wollen. Wir leben in einem modernen Welt und was andere Leute machen und wen sie lieben ist mir egal! Aber auf Ex- Jugoslawien bin ich überhaupt nicht stolz. Das war eine Katastrophe ( vielleicht nicht auf den ersten Blick! ). Jetzt ist Situation auch nicht rosig,aber sicher besser als vorher! – Kroatin

Hand auf's Herz. In wie vielen Ländern würde bei einer Abstimmung für die Schwulen abgestimmt werden? Den Daumen nach zu urteilen nicht mal in der Schweiz... :( – Schwuler

Mir ein Rätsel, warum eine gleichgeschlechtliche Ehe/Heirat angestrebt wird, nachdem diese ja bei den Heteros auch bald mehrheitlich nicht funktioniert...;-) Warum reicht eigentlich eine möglichst weitgehende rechtliche Gleichstellung mit eingetragener Partnerschaft nicht aus? Und Diskriminierungen und körperliche Angriffe sind natürlich ein absolutes No-Go - kommt aber leider nicht nur in Kroatien vor! – Sandokan

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Myke am 02.12.2013 00:39 Report Diesen Beitrag melden

    Religion

    Für all jene die sich hier auf Gott und die Religion berufen: demnach könnten wir die Todesstrafe einführen für Frauen die nicht jungfräulich in die Ehe gegangen sind? Fünftes Buch Mose (Dtn 22,1327). Man sollte das Buch schon gelesen haben wenn man seine Argumentation darauf stützen will. Wären wir wirklich so religiös, viele hier müssten wohl um ihr Leben fürchten (ich schliess mich da als Atheist nicht aus). Und genau deshalb hat religion nichts in der Politik und der Rechtssprechung verloren.

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  • Schwuler am 01.12.2013 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Einzelfall Kroatien?

    Hand auf's Herz. In wie vielen Ländern würde bei einer Abstimmung für die Schwulen abgestimmt werden? Den Daumen nach zu urteilen nicht mal in der Schweiz... :(

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  • trollface am 02.12.2013 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    Bin selber homosexuell aber finde das jetzt absolut nicht tragisch.. Die Ehe ansich sollte was zwischen Mann und Frau bleiben.. Für uns reicht doch eine eingetragene Partnerschaft vollkommen..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pascal am 02.12.2013 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Beispiel

    Ehe hin oder her. Hier geht es um die gleichen Rechte. Leider kenne ich einen tragischen Fall aus dem Freundeskreis. Die Männer waren 25 Jahre in einer Partnerschaft. Durch einen schweren Unfall ist einer der Männer kurz danach im Krankenhaus gestorben. Weil sein Partner rechtlich nicht als Familienmitglied anerkannt ist, konnte er sich nicht mehr von ihm verabschieden und ihn sehen. So etwas wünsche ich niemandem. Darum: Gleiche Rechte für Alle

  • Paul Meister am 02.12.2013 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Was regen

    wir uns auf. Weder in der Schweiz noch in Deutschland oder Österreich gibt es die Homoehe, sondern die eingetragene Partnerschaft. In Italien und vielen anderen europäischen Staaten gibt es nicht mal die eingetragene Partnerschaft. Also regt euch ab und wenn schon regt euch über eure eigenen Länder auf.

  • Nina.B am 02.12.2013 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Aus Zagreb

    Gut so! Ich war selber am Sonntag in Zürich wählen. Die Auswertung wundert mich nicht! Leute, seit nicht so Egoistisch! ..Eine Beziehung zwischen Mann & Mann / Frau & Frau ist völlig aktzeptabel - interessiert mich auch nicht! Jedoch, die Ehe ist was anderes! Denkt mal an die Kinder die mit 2 Vätern aufwachsen müssen! Denkt Ihr wirklich das 2 Männer eine Tochter aufziehen können.. ein Kind braucht Mutter und Vater - nichts anderes! Wir leben zwar im 21.Jahrhundert aber strebt bitte nicht gegen die Natur an!

  • Marco am 02.12.2013 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz der Ehe

    Weil es ja unheimlich respektierlich ist, sich für 20 Millionen zu verheiraten und nach zwei Monaten wieder scheiden zu lassen. DAS ist das letzte Argument, das wir Heteros bringen sollten. Ich persönlich bin für die Abschaffung der Ehe. Welchen Nutzen hat sie denn? Man bezahlt mehr Steuern, man wird bei der AHV benachteiligt und als Mann wirst du bei der Scheidung nach Strich und Faden benachteiligt. Und ja, ich bin verheiratet. Im Nachhinein gesehen hätten wir das aber effizienter lösen sollen und wenn das mit der AHV nicht ändert, werden wir uns vorher scheiden lassen.

  • radikk am 02.12.2013 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Dann Nennen wir es einfach anders dann ist es halt einfach keine Ehe. Ich würde meine Frau auch nur Heiraten, wenn ich davon Vorteile hätte. In der Schweiz bezahlt man nur mehr Steuern.