Sexueller Missbrauch

17. März 2010 19:03; Akt: 17.03.2010 19:25 Print

Küng fordert Entschuldigung des Papstes

Der Vatikan hat die Stimmen, die dem Papst Mitwissen bei den sexuellen Übergriffen auf Minderjährige unterstellen, als Verschwörung abgetan. Duch nun fordert auch der Schweizer Theologe Hans Küng mit detailierter Begründung ein päpstliches mea culpa.

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Benedikt XVI. trage als Papst und als langjähriger Präfekt der Glaubenskongregation die Verantwortung dafür, dass die Kirche solche Missbrauchsfälle geheim gehalten habe - zum Schutz ihrer Priester und zum Leidwesen der betroffenen Kinder, schrieb Hans Küng in einem Gastbeitrag für die «Süddeutsche Zeitung» vom Mittwoch. «Die Wahrhaftigkeit würde es verlangen, dass der Mann, der seit Jahrzehnten die Hauptverantwortung für die weltweite Vertuschung hatte, eben Joseph Ratzinger, sein eigenes «mea culpa» (meine Schuld) spricht», schrieb der katholische Tübinger Theologe weiter. «Bei keinem Menschen in der Kirche gingen so viele Missbrauchsfälle über den Schreibtisch wie gerade bei ihm», heisst es dort weiter.

Von den Missbrauchsfällen bei den Regensburger Domspatzen habe Ratzinger ohne Zweifel gewusst, heisst es in dem Beitrag. Schliesslich sei er acht Jahre lang Professor in Regensburg gewesen und habe eine sehr enge Verbindung zu seinem Bruder Georg gehabt, der damals Domkapellmeister war.

Ratzinger für Vergehen von Pädophilem verantwortlich gemacht

Als Erzbischof von München und Freising habe er die Verantwortung dafür getragen, dass ein wegen sexuellen Missbrauchs versetzter Priester in der Gemeindearbeit in Oberbayern eingesetzt wurde, wo er sich erneut an Jugendlichen verging. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe Ratzinger 2001 dafür gesorgt, dass alle Missbrauchsfälle unter päpstliche Geheimhaltung gestellt wurden.

Rigoristisch-verklemmte Sexualmoral

Küng rief die Bischöfe auf, stärker nach den Ursachen des Missbrauchsskandals in der katholische Kirche zu fragen: «Es besteht ein Unterschied zwischen den individuellen Missbrauchsfällen in Schulen ausserhalb der katholischen Kirche und den systematischen und deshalb oft gehäuften Fällen in einer Institution, in der noch immer eine rigoristisch-verklemmte Sexualmoral herrscht, die im Zölibatsgesetz gipfelt.»

Küng fordert seit längerem, das Gebot der Ehelosigkeit für katholische Priester aufzuheben. Weil er das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen bezweifelte, wurde ihm 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.

Bis zu seiner Emeritierung 1996 blieb Küng Direktor des Instituts für Ökumenische Forschung Professor an der Universität im süddeutschen Tübingen. Küng ist ausserdem Initiator und Präsident der Stiftung Weltethos.

(sda)