Wahlen in Grossbritannien

11. Dezember 2019 04:34; Akt: 11.12.2019 07:38 Print

Labour holt im Endspurt noch auf

Die Parlamentswahl in Grossbritannien könnte möglicherweise doch spannender werden als gedacht, wie eine letzte Umfrage zeigt.

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Der Vorsprung der Konservativen auf die Labour-Partei schrumpft: Boris Johnson (links) und Jeremy Corbyn. (Archivbild) (Bild: Keystone/Jonathan Hordle/ITV)

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Der Vorsprung der Konservativen von Premierminister Boris Johnson in den Parlamentswahlen in Grossbritannien ist gemäss einer letzten gross angelegten Umfrage vor der Wahl am Donnerstag geschmolzen.

Der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge, die am Dienstagabend veröffentlicht wurde, ist der Vorsprung der Konservativen von Premierminister Boris Johnson auf die oppositionelle Labour-Partei in den vergangenen zwei Wochen erheblich geschrumpft.

Ende November hatte eine ähnliche Erhebung noch eine Mehrheit von 68 Abgeordneten für die Konservativen ergeben, nun gehen die Wahlforscher nur noch von einem Vorsprung von 28 Mandaten für die Tories vor den anderen Parteien aus. Die Konservativen kämen demnach auf 339 von 650 Sitzen. Labour hingegen verbesserte sich um 20 Sitze auf 231 Mandate.

Die Briten wählen am Donnerstag ein neues Parlament. Regierungschef Boris Johnson hofft auf eine satte Mehrheit, um sein Brexit-Abkommen durchs Parlament zu bringen und sein Land zum 31. Januar aus der Europäischen Union führen zu können.

Hängepartie möglich

Doch selbst ein «hung parliament» – eine Sitzverteilung, die keiner der beiden grossen Parteien eine Regierungsbildung aus eigener Kraft ermöglicht, kann der Umfrage zufolge nicht ausgeschlossen werden. Für die Erhebung im Auftrag der Tageszeitung «The Times» wurden mehr als 100'000 Menschen über einen Zeitraum von sieben Tagen einschliesslich Dienstag befragt. Die Ergebnisse wurden anschliessend für alle Wahlkreise in Grossbritannien mit Ausnahme Nordirlands entsprechend lokaler Besonderheiten in der Bevölkerungsstruktur hochgerechnet.

Johnsons Konservative führten in landesweiten Umfragen bislang konstant mit zehn Prozentpunkten vor Labour. Beide grosse Parteien legten in den vergangenen Wochen noch einmal erheblich zu Lasten der kleineren Parteien zu, der Abstand zwischen ihnen blieb aber gleich. Das scheint sich nun in erster Linie in den vergangenen Tagen zugunsten von Labour verändert zu haben. Grund dafür dürften vor allem Leihstimmen von Wählern der Liberaldemokraten sein. Sollte sich diese Entwicklung bis Donnerstag verstärken, wäre eine Mehrheit für Johnson möglicherweise in Gefahr.

Das britische Mehrheitswahlrecht kennt nur Direktmandate. Ins Parlament ziehen die Kandidaten mit den jeweils meisten Stimmen in einem der 650 Wahlkreise ein, egal wie knapp ihr Sieg war. Die Stimmen für unterlegene Kandidaten verfallen. Das macht es sehr schwer, aus landesweiten Umfrageergebnissen auf die mögliche Sitzverteilung im Parlament zu schliessen. Zudem ist das Rennen zwischen Kandidaten der Labour-Partei und den Konservativen in Dutzenden Wahlkreisen denkbar eng.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy Honegger am 11.12.2019 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme Briten

    Die Briten haben ein veraltetes, höchst undemokratisches Wahlsystem. Pro Wahlkreis gibt es einen Sitz, und für den muss die gewählte Person nicht mal das absolute Mehr haben. Rechenbeispiel: in nur 326 Wahlkreisen (alle kleinen) tritt Partei X an. In diesen Wahlkreisen treten 10 KandidatInnen mit ähnlichen Chancen an, somit bekommt Partei X mit 15% Wähleranteil den Sitz, 85% der WählerInnen sind nicht vertreten. Partei X hat in London aber das absolute Mehr und regiert das ganze Land, obwohl sie auf's Land umgerechnet nur 7% Wähleranteil hat. (Un-)Demokratischer Irrsinn.

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  • Armin am 11.12.2019 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    nichts gelernt ....

    .... für mich tönt dieser wenig objektive Beitrag nach Meinungsmache und möchte-gern-es-bleibt-spannend. Diese Polls haben zum Glück immer weniger Einfluss oder sind schlichtweg falsch und somit nutzlos (gute Beispiele sind die MEI, der Brexit selber, das Abschneiden der AfD, die Wahl Trumps). Eigentlich erfreulich, dass die Medialen Einflüsse immer mehr an Glaubwürdigkeit verlieren: für diejenigen Menschen welche selber denken ein Segen und für die Anderen - naja auf die wartet sowieso niemand.

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  • TSCH am 11.12.2019 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ängste

    Zukunft ohne EU und mit unbestimmt was danach ist ein Risiko das viele Briten und Nordiren doch nicht eingehen wollen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 12.12.2019 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlen

    B. Johnson dürfte die Wahl gewinnen. J. Corbyn ist lediglich ein Rumtaktierer, der kein grosses Vertrauen geniesst. Zumal die Briten viel zu stolz sind, eine einmal getroffene Entscheidung zu revidieren bzw. durch offensichtliche Stimmungsmache revidieren zu lassen. Die Welt wird nach einem Brexit nicht untergehen, vermutlich stehen die Briten dann sogar besser da.

  • Gruss aus Bern am 12.12.2019 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ja, und meine Tante

    wäre mein Onkel, wenn sie keine Frau, sondern ein Mann wäre ...

  • Erwin B am 11.12.2019 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Hatte eigentlich immer eine gute Meinung zu den Engländern - nun sind sie mit ihrer Begeisterung für den Clown Johnson nicht intelligenter als die USA.

  • Markus S. am 11.12.2019 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vote for D.Trump

    Ich würde meine Stimme Donald Trump geben. Er wäre die prädestinierte Abrissbirne und würde das Königreich GB noch mehr in den Schlamassel ziehen als Little Trump. In GB wird es bald zappenduster werden und die Kapitalflucht in Richtung Schweiz wird anziehen - der Franken steigt.

  • Armin am 11.12.2019 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    nichts gelernt ....

    .... für mich tönt dieser wenig objektive Beitrag nach Meinungsmache und möchte-gern-es-bleibt-spannend. Diese Polls haben zum Glück immer weniger Einfluss oder sind schlichtweg falsch und somit nutzlos (gute Beispiele sind die MEI, der Brexit selber, das Abschneiden der AfD, die Wahl Trumps). Eigentlich erfreulich, dass die Medialen Einflüsse immer mehr an Glaubwürdigkeit verlieren: für diejenigen Menschen welche selber denken ein Segen und für die Anderen - naja auf die wartet sowieso niemand.

    • Bernd am 12.12.2019 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Armin

      Wie wollen Sie sich eigentlich eine objektive Meinung bilden wenn es keine Medien mehr geben würde? Kein TV, kein Radio, keine Zeitung und erst recht kein Internet.

    • Andromeda am 12.12.2019 23:05 Report Diesen Beitrag melden

      Mangel an ausgewogener Berichterstattung

      Dies war kein Ruf nach einer Abschaffung der Medien, sondern einer nach ausgewogener Berichterstattung. Und dass man sich von dieser immer mehr entfernt, sollte uns allen Anlass zu Sorge geben.

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