Düsseldorf

09. Dezember 2008 10:02; Akt: 09.12.2008 16:44 Print

Lebenslänglich für Kofferbomber

Für die missglückten Kofferbomben-Anschläge auf zwei Kölner Regionalzüge muss der 24-jährige Libanese Youssef El Hajdib lebenslang hinter Gitter.

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Kofferbomber Youssef E. H.

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Wegen vielfachen versuchten Mordes verhängte das Oberlandesgericht Düsseldorf am Dienstag nach fast einem Jahr Prozessdauer die Höchststrafe gegen den Angeklagten. Der 24-Jährige habe mit den im Juli 2006 deponierten Sprengsätzen ein «erhebliches Blutbad von ungeheurem Ausmass» ausrichten wollen. Das geplante Attentat sei eine «zutiefst terroristische Tat» gewesen. Die Verteidigung will das Urteil vor dem Bundesgerichtshof anfechten.

Dass es bei dem versuchten Anschlag nicht zu einer Vielzahl von Toten gekommen sei, «ist nur dem Umstand zu verdanken, dass der Angeklagte und sein Mittäter Jihad Hamad einem Irrtum beim Bau der Sprengsätze unterlegen sind», sagte der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling in seiner Urteilsbegründung. Die Bomben waren wegen eines fehlerhaften Gasgemisches nicht explodiert.

Mit der Verhängung der Höchststrafe entsprachen die Richter dem Antrag der Bundesanwaltschaft. Die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch plädiert. El Hajdib, der den Fotografen mit wutverzerrtem Gesicht seine beiden Mittelfinger in die Kamera hielt, hatte in dem Prozess jede Mordabsicht bestritten. Der Angeklagte betonte immer wieder, es habe sich bei den Bomben lediglich um Attrappen gehandelt, um der Öffentlichkeit nach den in zahlreichen Medien publizierten Mohammed-Karikaturen einen Denkzettel zu verpassen.

Geständnis Hamads entscheidend

Dies nahm der Staatsschutzsenat dem 24-Jährigen allerdings nicht ab. Der radikal-islamische El Hajdib habe es vielmehr als seine unbedingte Pflicht gesehen, gerade auch in Deutschland gewaltsam Vergeltung für die Karikaturen zu üben, erklärte Breidling. Als entscheidend wertete das Gericht das Geständnis des bereits im Libanon zu zwölf Jahren Haft verurteilten Hamad. Die immer wieder von der Verteidigung vorgetragene Erklärung, Hamads Aussage sei nur unter Folter zustande gekommen, wies das Gericht zurück.

Als Zeugen vor Ort anwesende BKA-Beamte hätten übereinstimmend geschildert, dass es für eine mögliche Folter Hamads keine Anzeichen gegeben habe, sagte Breidling. Er kritisierte die Verteidigung zugleich dafür, den Prozess durch zahlreiche Beweisanträge in die Länge gezogen zu haben. Eine gesetzlich geregelte Fristsetzung zur Stellung von Beweisanträgen sollte ernsthaft in Erwägung gezogen werden, forderte Breidling.

Islamistischem Anschlag nie näher gestanden

Den Angeklagten beschrieb der Vorsitzende Richter nach 60 Verhandlungstagen als einen jungen Mann mit «radikal-islamischer Grundeinstellung», der zu seinen Vorbildern die Terroristenführer Osama Bin Laden und Abu Mussab al Sarkawi zähle. Als treibende Kraft habe er auch seinen Komplizen Hamad einer Gehirnwäsche unterzogen. Deutschland habe einem islamistischen Anschlag nie näher gestanden als im vorliegenden Fall, betonte er.

Die Bilder einer Überwachungskamera, die zeigen, wie die beiden jungen Männer am 31. Juli ihre mit Sprengstoff gefüllten Koffer zu den Zügen bringen, gingen 2006 um die Welt.

Mit Feuerbällen von bis zu 15 Metern Durchmesser wäre laut Breidling aufgrund des Benzingemisches zu rechnen gewesen, hätte nicht ein entscheidendes Detail zur Zündung gefehlt: Sauerstoff. So hätten die Kofferbomben aufgrund der mangelnden Chemiekenntnisse El Hajdibs bei der auf 14.30 eingestellten Zündung versagt, erklärte der Richter.

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(ap)