Terror-Prozess

16. Dezember 2011 06:20; Akt: 16.12.2011 10:49 Print

Lebenslänglich für den «Schakal»

Ein Pariser Gericht hat den Top-Terroristen Carlos zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Venezolaner wird für vier Anschläge in Frankreich verantwortlich gemacht. Dabei starben elf Menschen.

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Carlos auf einem Archivbild aus dem Jahr 2001. (Bild: AFP)

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Der ehemalige Top-Terrorist Carlos ist zum zweiten Mal zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Pariser Geschworenengericht befand den gebürtigen Venezolaner am Donnerstag für schuldig, für vier Anschläge in Frankreich verantwortlich zu sein.

In dem Terrorprozess ging es um Bombenanschläge auf den Zug Paris- Toulouse am 29. März 1982, auf den Pariser Sitz des arabischen Magazins «Al Watan Al Arabi» am 22. April 1982 sowie einen Doppelanschlag am 31. Dezember 1983 auf den Hochgeschwindigkeitszug Marseille-Paris und den Bahnhof in Marseille.

Dabei waren insgesamt 11 Menschen getötet und rund 150 verletzt worden. Laut Anklage hatte Carlos die Anschläge in Auftrag gegeben, um die Freilassung zweier Komplizen zu erzwingen. Carlos, der auch unter dem Namen «Der Schakal» bekannt ist, hatte jede Beteiligung abgestritten.

Keine Reue

Carlos war im Jahr 1994 im Sudan festgenommen worden. Bereits drei Jahre später wurde er in Paris zu lebenslanger Haft wegen der Ermordung zweier Geheimdienstagenten und eines V-Mannes verurteilt. Nun lautete die Anklage erstmals auf Terrorismus.

In einem fünfstündigen Abschlusswort hatte sich Carlos erneut als revolutionärer Märtyrer darzustellen versucht. «Es lebe die Revolution», rief er in den Gerichtssaal. Die Staatsanwaltschaft zeichnete zum Ende des sechswöchigen Verfahrens dagegen das Bild eines gewaltbesessenen Mannes ohne Reue oder Mitgefühl für die Opfer.

Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und schloss eine vorzeitige Entlassung des 62-Jährigen, der mit richtigem Namen Ilich Ramírez Sánchez heisst, für die kommenden 18 Jahre aus. Seine Anwältin Isabelle Coutant-Peyre kündigte Berufung gegen das Urteil an. Carlos sei Opfer eines politisch motivierten Prozesses, sagte sie.

Weitere Urteile

Mitangeklagt war der ehemalige Komplize des Venezolaners, Johannes Weinrich. Der heute 64-Jährige sitzt in Berlin wegen des Anschlags auf das französische Kulturinstitut Maison de France im Jahr 1983 lebenslang in Haft.

Ein Berliner Gericht lehnte Ende 2009 eine Auslieferung nach Frankreich ab, weil Weinrich in Deutschland bereits zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt sei. Weinrich wurde in Paris in Abwesenheit ebenfalls zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Die im Zusammenhang mit einem der Attentate ebenfalls angeklagte Deutsche Christa Fröhlich wurde freigesprochen. Der vierte Angeklagte, der Palästinenser Ali Kamal al Issawi, ist auf der Flucht. Auch er wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • maria am 07.11.2011 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    versteh ich nicht

    warum machen meschen solche sachen. ich versteh das nicht, man hat doch nur dieses leben, und will man das wirklich im gefängniss leben?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • maria am 07.11.2011 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    versteh ich nicht

    warum machen meschen solche sachen. ich versteh das nicht, man hat doch nur dieses leben, und will man das wirklich im gefängniss leben?

    • G.U. am 07.11.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

      @Toni R. Sie sprechen mir aus der Seele.

    • dbo.20111216 am 16.12.2011 07:19 Report Diesen Beitrag melden

      Abartige Rechtfertigung von Terrorismus

      Und das rechtfertigt also Terrorismus? Ich kann nur hoffen, dass solches Gedankengut wie es Carlos, Toni R. und G.U. hier vertreten die absolute Minderheit darstellt.

    • Scot la. Yard am 16.12.2011 07:32 Report Diesen Beitrag melden

      ....ach so..

      Und dieses angebliche Robin Hood Verhalten, weil das Geld ist ja wohl kaum den Armen zugute gekommen, rechtfertigt die Auslöschung von unbeteiligten? Carlos ist und bleibt ein terrorist und gehört hinter Gitter. Ende der Geschichte..

    • nuur am 16.12.2011 07:35 Report Diesen Beitrag melden

      indem unschuldige Menschen

      getötet werden? Es gibt andere Methoden! Teorismus ist da sicher die falsche! Ich habe keinen Respekt von gewalttätigen Personen, ich verachte sie zu tiefst. Wer Lösungen bringt ohne Gewallt, das sind die Heros für mich! Leider gibt es kaum solche Menschen...

    • Berner Bär am 16.12.2011 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      Schande für die Unterstützung

      @Toni R. und G.U.: Das rechtfertigt noch lange nicht, dass man wahllos Unschuldige umbringt. Es ist eine Schande, dass solche Leute noch immer Leute finden, die solche Taten gut finden und zu rechtfertigen wissen. Oder wie denkten sie wohl, wenn eine ihnen nahestehende Person bei einem meuchlerischen Attentat als völlig unbeteiligte Person getötet oder verstümmelt würde? Hegten sie immer noch Sympathie?

    • manu am 16.12.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

      @toni: recht hast du,

      dafür auf direktem weg ins gefängnis...

    • Andy M am 16.12.2011 10:09 Report Diesen Beitrag melden

      Stop der Ausbeutung in Fremden Staaten!

      Bravo Ton & G.U. mir geht es genau so ich denke er wollte ein Zeichen setzen das endlich dieses Raubrittertum, plünderung in fremden Staaten endlich einmal auf hoert. Immer gibt es Umweltverschmutzung, Zerstoereung des einheimischen Lebensbereich der Urvoelker und diese sind dann die grossen Verlierer, siehe Australien, Canada, USA, Südamerika, Afrika etc.. Wenn alles geplündert ist ziehen sie weiter ins nächste Land. NB: Sicher war es nicht korrekt das unschuldige sterben mussten, aber wo sind die Anwälte wenn in den Abbaugebieten auch Menschen sterben an vergiftungen aus Luft, Wasser.

    • nurmalso am 16.12.2011 10:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Toni R.

      Faszinierend, mit welcher Begründung Sie das Töten von rein zufälligen Opfern rechtfertigen. Selbst wenn ich ihre Prämisse nicht anzweifeln würde verstehe ich trotzdem nicht wie das verüben eines Bombenanschlags auf einen Zug die Welt auf irgendeine Weise zu einem gerechteren Ort machen soll. Carlos hat für Geld Menschen getötet, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

    • Robroy am 16.12.2011 11:04 Report Diesen Beitrag melden

      Danke Carlos

      @ Toni R.: Genau, Carlos ist ein Revolutionär der für eine bessere und gerechtere Welt kämpft! Dafür sprengt er wahllos Frauen und Kinder in die Luft, zerstört Familien, sät Leid, Tot und Blut. Vielen Dank Carlos für Deinen heldenhaften Kampt. Ich hoffe Du kommst nie wieder in Freiheit, denn ich kann darauf verzichten, auf diese Weise vom Kapitalismus befreit zu werden!

    • Stefan Keller am 16.12.2011 12:39 Report Diesen Beitrag melden

      weder noch

      Bin auch nicht damit einverstanden! Jedoch bin ich auch nicht damit einverstanden, wenn deswegen Menschen getötet werden!!

    • Marc N am 16.12.2011 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Maria

      Geld, oder glauben Sie wirklich er hätte das aus reinster "Nächstenliebe" gemacht? Geld verdirbt den Charakter....

    • Bojo am 16.12.2011 13:36 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Robin Hood, sondern feiger Mörder.

      Macht das denn das wahllose Morden von elf Unschuldigen, wie es von 'Carlos' durchgeführt wurde, für Dich entschuldbar, Toni? Nur weil man sich mit der Gesellschaft nicht einverstanden erklärt, gibt das einem noch längst kein Recht, andere Menschen zu töten.

    • Julian am 16.12.2011 14:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Toni R.

      Bravo! Sie haben mit 2 Sätzen alles gesagt, was zu sagen ist.

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