Urteil in New York

17. Juli 2019 16:24; Akt: 17.07.2019 16:55 Print

Lebenslange Haft für Drogenbaron «El Chapo»

Der mexikanische Drogenboss Joaquín Guzmán muss lebenslang ins Gefängnis. Das Strafmass wurde am Mittwoch in New York verkündet.

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Am 17. Juli 2019 wurde in New York das Strafmass gegen Joaquín «El Chapo» Guzmán verkündet: Der Drogenboss muss lebenslang ins Gefängnis. In einem der grössten Prozesse zu Drogenkriminalität in der Geschichte der USA hatte eine Jury «El Chapo» im Februar 2019 in allen zehn Anklagepunkten für schuldig befunden. Er wurde wegen Beteiligung an einer Verbrecherorganisation, Herstellung und internationaler Verbreitung der Drogen Kokain, Heroin, Methamphetamin und Marihuana sowie wegen Geldwäsche und Gebrauchs von Schusswaffen verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte sich 30. Januar 2019 für eine lebenslange Haftstrafe ausgesprochen. Laut Anklage hat das mexikanische Sinaloa-Kartell unter der Führung von Guzmán von 1989 bis 2014 unter anderem insgesamt 154'626 Kilogramm Kokain in die USA geschmuggelt. «Lassen Sie ihn nicht vor seiner Verantwortung entkommen», appellierte Staatsanwältin Andrea Goldbarg an die Geschworenen. Der mexikanische Schauspieler Alejandro Edda tauchte am 28. Januar 2019 überraschend zum Prozess gegen Drogenbaron Joaquín Guzmán auf. Als der nur wenige Meter entfernt sitzende Drogenboss vom Besuch erfuhr, lächelte er seinen Landsmann an. Edda bezeichnete die Begegnung als «einschüchternd». Am 23. Januar sagte im Prozess Chapos ehemaliger Miratrbeiter Dámaso López Núñez aus. Er schilderte der Jury, dass die Söhne des Drogenbarons den bekannten Journalisten Javier Valdez (im Bild) ermordet hatten, weil dieser auf der Veröffentlichung eines brisanten Interviews bestanden habe. Vor Gericht wurde am 25. Januar 2019 ein Foto des mit Diamanten besetzten Revolvers des Drogenbarons gezeigt. Im Prozess gegen Drogenbaron Joaquín Guzmán (links) sagte am 8. Januar 2019 FBI-Agent Stephen Marston aus. Er schilderte, wie die US-Behörde mit Hilfe von Guzmáns IT-Techniker Cristian Rodriguez die verschlüsselten Telefongespräche des Drogenbosses knackte. Insgesamt hat das FBI 1500 Telefonate abgehört, die Mitglieder des Sinaloa-Kartells zwischen April 2011 und Januar 2012 geführt hatten. Rund 200 Telefonate führte der Boss (links im Bild) selbst. Ein Zeuge sagte vor Gericht aus, er habe Kokain in gefälschte Jalapeño-Dosen der Marke La Comadre einpacken lassen und bis zu 3000 Dosen pro Fahrt mit LKWs nach Los Angeles gebracht. Seinen Schätzungen zufolge kamen pro Jahr ungefähr 25 bis 30 Tonnen Kokain im Wert von bis zu 500 Millionen Dollar über die Grenze. Weiter berichteten Zeugen von Drogenschmuggel via Tunnel, die von der Stadt Tijuana in Mexiko nach Kalifornien führten. «El Chapo» habe seine drei Privatjets einmal im Monat nach Tijuana fliegen lassen, um den Ertrag aus dem Drogenverkauf abholen zu lassen. Jede Maschine habe rund zehn Millionen Dollar nach Sinaloa gebracht. Kronzeuge Juan Carlos Ramírez Abadia alias «Chupeta» schilderte am 29. November 2018, wie «El Chapo» die Behörden in Mexiko und den USA schmierte, «damit sie nicht ihre Arbeit machten». Im Lauf der Jahre soll der Kolumbianer über 400 Tonnen der Droge mit Hilfe von «El Chapo» nach Mexiko geschmuggelt haben. Ein weiterer Zeuge, Jesús Zambada García, sagte, «El Chapo» habe hin und wieder auch selber seine diamantbesetzte Pistole mit seinen Initialen «JGL» in die Hand genommen, um Feinde zu töten. Bei den Verhandlungen wurde auch berichtet, dass das Sinaloa-Kartell zehn bis zwölf Millionen Dollar pro Monat an Bestechungsgeldern für Polizisten, Politikern, Bankiers und Geschäftsleute bezahlt habe. Zeuge Jesús Zambada erzählte, wie Guzmán ihm einmal auftrug, einen mexikanischen General mit 100'000 Dollar und einem freundlichen Schulterklopfen zu grüssen. Eine Woche vor Prozessbeginn wurde ein Kandidat für die Jury von der Liste gestrichen – der Mann wollte ein Autogramm von «El Chapo». Die Ehefrau von Drogenbaron Joaquín Guzmán äusserte sich am 17. April 2018 zum Gesundheitszustand ihres Mannes. «Seit 15 Monaten darf ich ihn nicht sehen. Ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit, weil ich weiss, dass er psychisch angeschlagen ist», sagte die ehemalige Schönheitskönigin in New York. Joaquín Guzmán leide an Gedächtnisschwund und Depressionen, sagt auch sein Anwalt. Dies aufgrund seiner Isolationshaft in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017). Daher forderte er eine psychologische Untersuchung seines Mandanten. Die Staatsanwaltschaft lehnte aber einen persönlichen Arztbesuch aus Sicherheitsgründen ab. (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017) Er war der mächtigste Drogenboss der Welt: «El Chapo» wird in Mexiko-Stadt von mexikanischen Soldaten eskortiert. (8. Januar 2016) In diesem Flugzeug der mexikanischen Luftwaffe wurde Guzmán in die USA geflogen. (19. Januar 2017) Soldaten überwachten den Transfer am Flughafen von Ciudad Juárez. Chapo Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis von Ciudad Juárez. Bei Guzmáns Verhaftung stürmt ein Kommando der mexikanischen Armee eine Wohnung in der Stadt Los Mochis, Sinaloa. (AP) Wieder hinter Gittern: Chapo Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis Altiplano. (AP) Vor seiner Verhaftung hatte sich der Drogenboss auf eine Liebelei mit der in den USA lebenden mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo eingelassen. Die Nachrichten, die er mit ihr austauschte, sollen die Ermittler auf seine Spur gebracht haben. (AP/ Matt Sayles) Chapo Guzmáns Heimatort: Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa. (AP/Fernando Brito) Für einen Teil der mexikanischen Bevölkerung ist Chapo Guzmán ein Held – und allemal besser als die korrupte Kaste der Politiker. (AP/Rebecca Blackwell) Blick in den Fluchttunnel, durch den «El Chapo» 2015 aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez González (2. v. r.) schaute sich am Tag nach der Flucht den Eingang zum Fluchttunnel an.

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Der mexikanische Drogenbaron Joaquín «El Chapo» Guzmán muss bis an sein Lebensende im Gefängnis bleiben. Ein New Yorker Gericht verkündete am Mittwoch, das Strafmass gegen den 62-Jährigen laute lebenslang plus symbolische weitere 30 Jahre Haft.

Ausserdem muss Guzmán 12,6 Milliarden Dollar für seine aufwändige Strafverfolgung erstatten. Dies sei eine «konservative Schätzung» der Summe, die Guzmán aus der Drogenkriminalität eingenommen habe, hatte die Staatsanwaltschaft zuvor mitgeteilt.

Damit folgte das Gericht der Forderung der Anklage. Sie hatte vergangene Woche argumentiert, Guzmán sei ein «erbarmungsloser und blutrünstiger Anführer des Sinaloa-Kartells» gewesen.

Schuldig in allen zehn Anklagepunkten

Die Staatsanwaltschaft hatte «El Chapo» in dem New Yorker Mammutprozess für den Schmuggel oder versuchten Schmuggel von 1200 Tonnen Kokain, mehr als 49 Tonnen Marihuana, mehr als 200 Kilogramm Heroin und grossen Mengen Methamphetamin in die USA verantwortlich gemacht.

Bereits im Februar wurde der langjährige Chef des berüchtigten Sinaloa-Kartells in sämtlichen Anklagepunkten schuldig gesprochen - unter anderem wegen Beteiligung an einer Verbrecherorganisation, Herstellung und internationaler Verbreitung der Drogen Kokain, Heroin, Methamphetamin und Marihuana sowie wegen Geldwäsche und Gebrauchs von Schusswaffen.

Guzmán galt als der mächtigste Drogenbaron seit dem Kolumbianer Pablo Escobar. Für Schlagzeilen sorgte er auch durch zwei spektakuläre Gefängnisausbrüche. Ein halbes Jahr nach seinem letzten Ausbruch im Juli 2015 wurde er in seinem Heimat-Bundesstaat Sinaloa festgenommen und ein Jahr später an die USA ausgeliefert. Dort begann im November sein Prozess.

(kle/afp)