Historischer Moment

18. Dezember 2011 05:59; Akt: 18.12.2011 10:13 Print

Letzte US-Truppen raus aus dem Irak

In den frühen Morgenstunden des Sonntags haben die letzten Truppen der US-Armee den Irak in Richtung Kuwait verlassen - nach über acht Jahren. Der Krieg dauerte offiziell keine sechs Wochen.

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Am 20. März 2003 begann der Irak-Krieg mit Luftangriffen auf Bagdad. Offiziell dauerte er nicht einmal sechs Wochen, doch aus dem vermeintlich schnellen Sieg entwickelte sich ein Bürgerkrieg, der die USA und den Irak traumatisierte. US-Präsident George W. Bush und die «Koalition der Willigen» begründen den Angriff damit, dass sich der Westen vor den Massenvernichtungswaffen des irakischen Machthabers Saddam Hussein schützen müsse und dass dieser in die Anschläge vom 11. September 2001 involviert gewesen sei. Beide Behauptungen haben sich als falsch erwiesen. Der Angriff der USA und ihrer Verbündeten auf den Irak ist vom Uno-Sicherheitsrat nicht autorisiert. Bereits vor dem Krieg demonstrieren weltweit rund 9 Millionen Menschen gegen den Irakkrieg. Am 20. März 2003 beginnen die USA und ihre Verbündeten mit der Bombardierung Bagdads. Gleichzeitig mit den Bombardierungen Bagdads beginnt die Bodenoffensive vom Süden, Westen und Norden her. Der Krieg und die Terroranschläge in den darauf folgenden Jahren fordern unzählige zivile Opfer. Laut einer Studie von zwei US-Wissenschaftlern wurden mindestens 116'000 Zivilisten getötet. Die irakische Hauptstadt Bagdad wird am 4. April 2003 eingenommen. Ein offizielles Ziel des Kriegs ist der Sturz von Saddam Hussein. Die Kurden im Irak hatten in besonderem Mass unter dem Terror-Regime Saddam Husseins zu leiden. Offiziell dauert der Krieg nur knapp sechs Wochen: Am 1. Mai 2003 erklärt ihn US-Präsident George W. Bush für beendet. Zahlreiche Kulturgüter werden nach dem Einmarsch der Koalition zersört oder gestohlen. Bis zum Abzug des US-Truppen im Dezember 2011 kamen mehr als 4500 Soldaten ums Leben. Der Vorwurf, bei dem Angriff auf den Irak sei es den Westmächten nur um das Öl gegangen wird immer lauter. Der Krieg mag zwar seit dem 1. Mai 2003 beendet sein, doch seither überziehen Terroranschläge das Land. Die in den ersten Tagen als Befreier gefeierten Truppen werden zunehmend angefeindet. Das ehemals von Saddam Hussein benutzte Gefängnis Abu Ghraib wird zum Inbegriff für die Übergriffe der Koalitionstruppen an der Bevölkerung. Handyvideos bringen unsägliche Misshandlungen der Gefangenen zutage. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Land erhöhen die Alarmbereitschaft der Koalitionstruppen. Für die Soldaten ist jeder Zivilist - ob Mann, Frau oder Kind - ein potenzieller Selbstmordattentäter. Ein wichtiges offizielles Kriegsziel ist die Einführung der Demokratie. Saddam Hussein wird am 13. Dezember 2003 gefasst. Ihm werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Am 5. November 2006 wird er durch ein irakisches Sondertribunal zum Tod durch den Strang verurteilt. Saddam Hussein wird am 30. Dezember 2006 hingerichtet. Mit jedem Zivilisten, der durch die Hand der ausländischen Truppen stirbt, wächst die Wut der Iraker auf die Besetzer. Ende 2011 zog US-Präsident Barack Obama seine Truppen aus dem Irak zurück. Der US-Soldat sieht seinen 9 Monate alten Sohn zum ersten Mal, er ist soeben von einem einjährigen Irak-Aufenthalt nach St. Cloud, Minnesota, zurückgekehrt. Viele Veteranen werden noch lange nach ihrem Einsatz an den Traumata des Kriegs leiden. Ein US-Militärpolizist tröstet seinen Kollegen in der Militärbasis in Balad. Der unglückliche Mann hat soeben erfahren, dass sich die Armeeärzte weigern, drei irakische Kinder zu behandeln, die sich beim Spielen mit Sprengkörpern schwer verletzt haben.

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Jetzt ist es also so weit: Oft schon war das Ende des Krieges im Irak angekündigt, doch erst am frühen Morgen des 18. Dezembers sind die letzten Truppen der US-Armee aus dem Land zwischen Euphrat und Tigris abgezogen. Sie haben den Irak in Richtung Kuwait verlassen. Damit hat der blutigste Krieg der USA seit dem Vietnamkrieg neun Jahre nach dem Beginn offiziell ein Ende - ohne eine Entscheidungsschlacht oder Unterzeichnung eines Friedensabkommens.

800 Milliarden Dollar hat der Krieg die USA gekostet, rechnet «ABC News» vor, 4500 Amerikaner mussten ihr Leben lassen - und geschätzte 100 000 Iraker.

Wie ein US-Offizier an der Grenze zwischen dem Irak und Kuwait bestätigte, wurde damit der US-Einsatz nach acht Jahren und rund neun Monaten abgeschlossen.

Das Grenztor ist zu

Auf Live-Bildern war zu sehen, wie schweren gepanzerte Fahrzeuge und Tieflader mit Panzern die Grenzstation passierten. Anschliessend wurde das Grenztor geschlossen.

US-Präsident Barack Obama hatte im Oktober angekündigt, dass bis zum Jahresende die letzten US-Soldaten aus dem Irak abgezogen würden. Die USA würden dem Land aber weiter partnerschaftlich zu Seite stehen.

Am vergangenen Mittwoch hatte Obama dann einen symbolischen Schlussstrich unter den Irakkrieg gezogen und den US-Truppen für ihren Einsatz gedankt.

Am 20. März 2003 waren die US-Truppen in den Irak eingedrungen, um den damaligen Machthaber Saddam Hussein zu stürzen. In Spitzenzeiten standen bis zu 170 000 US-Soldaten in dem Land am Golf. In den vergangenen Monaten wurden 505 Stützpunkte geräumt.


«Der Krieg ist zu Ende»
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(Video: ABC News)

(jam/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans am 18.12.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Von einem Land ins nächte...

    Aus dem Irak abgezogen, bereit für Syrien...

  • Zizi am 18.12.2011 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig 

    Die amerikaner werden nie den irak verlassen,genau so wenig wie sie deutschland verlassen haben.die USA ist ein besetzerstaat nicht ein befreier!

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  • hardy am 18.12.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    wers glaubt...

    wird seelig. Schaut mal nur die zahl neuer angeheuerte killer (Söldner ) durch die Amis. Der irak ist weder stabil noch ist der Krieg zu ende

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nobel am 19.12.2011 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Opfer

    Und wann kommt der Kriegsverbrecher G. Bush Junior vor Gericht?

    • manu am 19.12.2011 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      wieso nur bush

      jeder präsident inkl verteidigungsminister seit dem 2 wk, oder gabs mal einen der nicht im krieg war um die "freie" welt zu beschützen?

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  • Daniel Weber am 18.12.2011 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freedom

    Danke amerika das du die welt einbischen sicherer gemacht hasst. Die tyranei hat wieder an boden verloren und die freiheit gewonnen. Wann ist der Kriminelle Iran dran?

    • manu am 19.12.2011 13:50 Report Diesen Beitrag melden

      bald, sehr bald;

      ich habe mein geld auf den frühling 2012 gesetzt.

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  • hardy am 18.12.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    wers glaubt...

    wird seelig. Schaut mal nur die zahl neuer angeheuerte killer (Söldner ) durch die Amis. Der irak ist weder stabil noch ist der Krieg zu ende

  • Zizi am 18.12.2011 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig 

    Die amerikaner werden nie den irak verlassen,genau so wenig wie sie deutschland verlassen haben.die USA ist ein besetzerstaat nicht ein befreier!

    • Pascal am 18.12.2011 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Aha

      Und sobald irgendwo gewalt eskaliert schreien alle nach einem einsatz der us-streitkräfte......!!

    • P.Maurer am 19.12.2011 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      aha

      und wer hat die Amis und "Verbündeten" gebeten die halbe Welt einzunehmen und so viele Menschen zu töten? Wir sind alle abgestumpft und können nicht mal erahnen was Krieg wirklich bedeutet

    • Marc S. am 19.12.2011 09:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Pascal

      Wer schreit nach einem Einsatz der USA? Der Irakkrieg war illegal, keine einzige Anschuldigung an die damalige irakigsche Regierung konnte bewiesen werden. Es sind tausende unschuldige Zivilisten gestorben. Und ich glaube Millionen haben ein Trauma davongetragen. Klare staatliche Strukturen fehlen in diesem Land. Das Wort "Demokratie" ist immer nur so weit verständlich in welchem Kontext und vo wem es gebraucht wird.

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  • David Stettler am 18.12.2011 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Mission completed

    Und ich sagt es trotzdem, öffentlich und ernst gemeint : Danke Amerika ! ( die Antworten lese ich nicht, interessieren mich auch nicht ) ....

    • debütant am 19.12.2011 09:40 Report Diesen Beitrag melden

      nur eine frage..

      Danke für was?

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