Keine Spitalbehandlung

30. Dezember 2011 11:12; Akt: 30.12.2011 18:26 Print

Libyen kritisiert die Bürokratie der Schweiz

Eigentlich hätten 100 schwerverletzte Libyer in Schweizer Spitälern behandelt werden sollen. Gescheitert ist dies an bürokratischen Hürden. Libyen ist enttäuscht, denn andere Länder hätten rascher gehandelt.

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In der Schweiz sind bislang erst zehn libysche Kriegsopfer aufgenommen worden. (Bild: Keystone)

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Die libysche Botschaft in der Schweiz bedauert, dass bisher nur zehn Kriegsopfer aus Libyen in Schweizer Spitälern aufgenommen wurden. Eigentlich hätten rund 100 Schwerverletzte in der Schweiz behandelt werden sollen, sagte ein Sprecher. Davon weiss man beim EDA jedoch nichts.

Fachleute der Humanitären Hilfe des Bundes hätten vor Ort 31 Personen für eine Behandlung in der Schweiz ausgewählt, schreibt das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in einer Stellungnahme vom Freitag. Deren Dossiers seien an verschiedene Universitätsspitäler in der Schweiz weitergeleitet worden. Diese könnten in eigener Kompetenz über eine allfällige Aufnahme libyscher Patienten entscheiden.

Verhandlungen mit den fünf Spitälern seien im Gang, sagte Abdullah Besher von der libyschen Botschaft in der Sendung «Heute Morgen» von Schweizer Radio DRS. Nach seinen Angaben geht es dabei um 15 Verwundete und um eine weitere Gruppe von rund 50 Personen aus Libyen, darunter Frauen und Kinder.

Visa rasch ausgestellt

Besher machte bürokratische Hürden dafür verantwortlich, dass diese Verletzten noch nicht in der Schweiz seien. Dies bestreitet das EDA: Von den 31 Personen hätten alle, die bei der Schweizer Botschaft in Libyen einen Antrag stellten, ein Visum erhalten, sagte EDA-Sprecher Stefan von Below auf Anfrage der SDA. Aus humanitären Gründen habe man das Verfahren sogar angepasst, um die Visa schneller als üblich erteilen zu können.

Besher jedoch kritisierte, andere Länder hätten die Visa für Kriegsopfer noch am selben Tag ausgestellt. Verletzte aus Libyen waren unter anderem nach Deutschland, Griechenland, Frankreich, Grossbritannien und Italien ausgeflogen worden. In Deutschland etwa werden sie in Militärspitälern behandelt, weshalb gar kein Visum nötig ist.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon Bianchi am 30.12.2011 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    helfen

    eine Demokratie zeichnet sich dadurch aus, dass es den Ärmsten im Land ausgeglichen gut geht und Hilfe unbürokratisch da angeboten wird, wo Hilfe von Nöten ist. Also, Hintern aus dem Sessel erheben und helfen!

  • carlito am 30.12.2011 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    bürokratische unmenschlichkeit

    Ich möchte jetzt nicht "typsich Schweiz" meckern, aber es fällt schon auf, dass die Finanzierung (resp. ein Verteilschlüssel) in diesem Fall über Menschenleben gestellt wird. Hier sollte die Schweiz endlich mal "Herz" zeigen und die Behandlungen ehrenamtlich vorfinanzieren, und nicht jedem Fünfräppler nachjagen.

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  • Abraham Loth am 30.12.2011 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Wären die Menschen nach der Behandlung überhaupt wieder heimgeflogen? Ich schätze nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Orbit am 31.12.2011 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Verständliche Reaktion!

    Besser wäre die Schweiz hätte oder würde ein Topmodernes mobiles Spital betreiben mit welchem es Vorort helfen könnte. Ein Spital das innert 48h irgendwo auf der Welt einsetzbar wäre.

  • beat wenger am 30.12.2011 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Schezkekse

    Ausgerechnet Libyen wirft einem westlichen Land die Bürokratie vor? Wenn das keine Scherzkekse sind.

  • E. H. am 30.12.2011 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Bürokratie

    Wieso überrascht mich dieser Bericht nicht! Typische Schweizer "Bünzli"- Bürokratie. So verpassen wir gar den Weltuntergang!

    • Christian Burkhardt am 31.12.2011 04:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Verpasster Weltuntergang

      Ist doch toll, dann sind wir die einzigen Überlebenden, heil dir Helvetia

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  • H. Hammer am 30.12.2011 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Zum helfen sind wir gut genug !

    Klar, wir werden immer kritisiert, wir Ungläubigen. Zum helfen sind wir immer gut genug und wenn wir mal nicht sofort reagieren dann gibts Vorwürfe. Sind wir Schuld, dass jetzt nach Gaddafi es überhaupt nicht besser wird? Alles im Westen wird von diesen Ländern allgemein schlecht gemacht, aber wenn sie Spitalhilfe, Geld oder Militär etc. brauchen, dann sind wir gut genug.

    • anna mild am 01.01.2012 15:30 Report Diesen Beitrag melden

      libyen

      libyen hat genug geld. die hospitaliesierung in der schweiz ist aber auch nicht um sonst. wo liegt das problem'

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  • Anne M., Nurse am 30.12.2011 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Spitäler im Welschland

    Die Privatspitäler zwischen Genf und Lausanne profitierten jahrzehntelang von libyschen Patienten. Die libysche Air Ambulance flog regelmässig zwischen Tripolis und Genf hin und her. Die Spitalrechnungen wurden vom libyschen Staat bezahlt. Die Angehörigen konnten ebenfalls auf Kosten des libyschen Staats gratis mitreisen und in den Genfer Hotels wohnen. Also sollten genau diese Privatspitäler die viel Geld einkassierten nun "Nächstenliebe" zeigen.