Türkei

04. Mai 2009 15:38; Akt: 04.05.2009 15:47 Print

Lieber tot als ohne Schulbildung

Aus Verzweiflung über mehrmalige Versuche ihrer Eltern, sie aus der Schule zu nehmen, hat eine 13-Jährige in der Türkei einen Selbstmordversuch begangen.

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Das Mädchen werde im Universitätsspital der südostanatolischen Stadt Diyarbakir behandelt, berichtete die Zeitung «Radikal» am Montag. In einem Brief an seine Lehrerin hatte das Mädchen kurz zuvor seine verzweifelte Lage geschildert.

Das Mädchen ist Schülerin an einem Internat in Cermik bei Diyarbakir. Ihre Mutter hatte sich vor neun Jahren von ihrem Mann getrennt und einen Mann geheiratet, der aus anderen Ehen bereits 15 Kinder hatte.

Kinderarbeit

Die Eltern nahmen das Mädchen mehrmals aus der Grundschule, um sie auf dem Feld arbeiten zu lassen. Lehrer und andere Behördenvertreter setzten immer wieder durch, dass es zur Schule zurückkehren konnte.

Als die Mutter am vergangenen Freitag ins Internat kam, um ihre Tochter erneut abzuholen, weigerte sich das Mädchen und schluckte eine Überdosis Schmerztabletten.

Schulbildung als Luxus

Trotz Schulpflicht werden zehntausende Mädchen in der Türkei von ihren Eltern nicht zur Schule geschickt. Insbesondere im ländlichen Raum gilt bei vielen armen Familien eine Schulbildung für Mädchen als Luxus, weil sie als Arbeitskräfte eingesetzt und sehr früh verheiratet werden.

Initiativen des Staates, der Uno und von regierungsunabhängigen Organisationen hatten in den vergangenen Jahren tausenden von Mädchen eine Schulbildung gesichert.

(sda)