Friedensgespräche

21. März 2012 18:53; Akt: 11.06.2012 10:56 Print

Liebesgrüsse aus Tel Aviv und Teheran

Während Politiker den Krieg herbeireden, setzt die Bürgergesellschaft in Israel und Iran auf Entspannung. In einer Online-Kampagne rufen beide Seiten zum Gewaltverzicht auf.

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Pazifistisch eingestellte Israelis und Iraner bringen mit selbstgemachten Postern ihre Ablehnung gegen einen Krieg zum Ausdruck.

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Seit Jahren droht der Steit um das iranische Atomprogramm den Nahen Osten in einen neuen Krieg zu stürzen. Die jüngsten Verlautbarungen aus Teheran, Jerusalem und Washington lassen gar befürchten, die Katastrophe sei nur noch eine Frage der Zeit. Zwei Israelis haben beschlossen, diesem Mythos der Unausweichlichkeit etwas entgegenzusetzen.

Ronny Edry (41) und seine Frau Michal Tamir (36) aus Tel Aviv haben eine klare Botschaft an die Iraner: «Wir werden euer Land niemals bombardieren, wir lieben euch.» Vergangene Woche stellten sie Poster mit diesen Worten und Bildern von sich auf Facebook. Die Reaktionen in Israel fielen wie erwartet aus: Linke Kreise applaudierten, rechte zeigten sich empört. Unklar war hingegen, wie die Iraner selbst auf die Liebesbekundungen reagieren würden.

«Niemals hätte ich mir vorgestellt, dass ich innerhalb von 48 Stunden mit der Gegenseite reden würde», sagte Edry gegenüber der israelischen Zeitung «Haaretz». Zwar seien die Iraner aus Angst vor Verfolgung zurückhaltend mit Bildern von sich selbst, doch anonym hätten ihm viele für seine Aktion gedankt. Am vergangenen Wochenende kamen schliesslich die ersten Reaktionen auf Facebook. «Wir lieben euch auch, eure Worte erreichen uns trotz der Zensur», schreibt ein User aus Iran. Die Menschen dort hätten nichts gegen irgendein Land, schon gar nicht gegen Israel.

«Kein Iraner hat mir jemals etwas zuleide getan»

«Wenn du ständig von Säbelrasseln umgeben bist, ziehst du dich irgendwann aus Angst in ein Schneckenhaus zurück und bist froh, dass du Bomben hast», sagte Edry. Alternativ könnte man auch «die Generäle umgehen» und herausfinden, ob einen «die Gegenseite tatsächlich hasst». Denn er selbst tut dies nicht: «Damit es zum Krieg zwischen uns kommt, müssen wir zuerst Angst voreinander haben und einander hassen. Ich habe keine Angst vor euch, ich hasse euch nicht, ich kenne euch nicht einmal. Kein Iraner hat mir jemals etwas zuleide getan», schreibt Edry auf Facebook. Bloss einmal habe er einen in einem Museum in Paris getroffen. Der sei ein «netter Kerl» gewesen.

Ronny Edry über seine Aktion (Video: Youtube/israel iran)

(kri)