Gewalt in England

09. August 2011 17:41; Akt: 09.08.2011 18:05 Print

London hält nichts von Wasserwerfern

Während die Krawalle auf weitere Gebiete übergreifen, werden die Rufe lauter, Wasserwerfer, Gummischrot oder Tränengas einzusetzen. Laut Innenministerium passt das aber nicht zu Grossbritannien.

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Die Gewalt hat sich in der Nacht zum ausgeweitet. Das Zentrum ist jetzt Manchester. Mehrere Gebäude wurden in Brand gesetzt. Hunderte maskierte Jugendliche liefen durch das Stadtzentrum von Manchester. Sie zerstörten Scheiben und plünderten Geschäfte. In Birmingham gingen die Aufstände weiter. Mit Hunden versucht die Polizei für Ordnung zu sorgen. In London, wo die Aufstände begonnen haben, blieb es in der vierten Nacht der Krawalle in England verhältnismässig ruhig. Im Stadtteil Croydon war die Feuerwehr mit Löscharbeiten beschäftigt. Wie nach einem Bombenangriff sehen Teile Londons nach der dritten Krawallnacht in Folge aus. Die Ausschreitungen haben in der Nacht auf Dienstag ihr erstes Todesopfer gefordert. Premierminister David Cameron eilte am Dienstag aus den Ferien zurück. Er beorderte 10 000 zusätzliche Polizisten in die englische Hauptstadt. In England sind die Krawalle, die am Samstag (6. August) begonnen haben, eskaliert. In mehreren Stadtteilen Londons werden in der Nacht auf den Autos angezündet. In Londons Stadtteilen Brixton, Hackney,Camden, Endfield und auch am Oxford Circus, mitten in der Londoner Innenstadt, wird randaliert und geplündert. Filialen des Elektronikhändlers Currys gehören zu den bevorzugten Zielen plündernder Jugendlicher. Zu Gewalt und Plünderungen kommt es auch in Städten wie Birmingham (Bild), Liverpool und Bristol. Die Polizei ist zunehmend überfordert. In drei Tagen hat die Polizei über 300 Personen festgenommen. 35 Polizisten sind verletzt worden, auch Fotografen (im Bild). Ganze Strassenzüge stehen in Flammen. Bereits am Abend des weiten sich die Krawalle auf den Londoner Stadtteil Hackney aus. Auch in Hackney werden Autos in Brand gesetzt. In der Nacht auf den ist es im Londoner Stadtteil Tottenham zu schweren Ausschreitungen gekommen. Eine zunächst friedliche artete in Unruhen aus. Die Demonstranten protestierten gegen die durch die Polizei am 4. August. Zu den Ausschreitungen kam es, als sich bis zu 500 wütende Menschen vor dem Polizeirevier versammelten und es zu stürmen versuchten. Manche der Randalierer kamen von weither nach London gereist. Etwas mehr als zehn Kilometer von der Londoner Innenstadt entfernt, zählt Tottenham zu den ärmsten Gegenden Grossbritanniens. Fast die Hälfte aller Kinder in Tottenham wächst in Armut auf. Neben Gebäuden wurden auch Autos angezündet. Mehrere Streifenwagen ... ... und ein Doppeldeckerbus wurden in Brand gesteckt. Schaufensterscheiben wurden eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Es sah aus wie im Krieg Bei den schweren Krawallen im Londoner Stadtteil Tottenham sind nach Polizeiangaben worden.

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In Ländern wie Frankreich, Griechenland oder der Schweiz ist klar: Kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen, Krawallen und Zerstörung, setzt die Polizei relativ rasch Wasserwerfer, Gummischrot oder Tränengas ein. Nicht so in Grossbritannien. Am dritten Tag in Folge greifen die Ausschreitungen auf mehrere Stadtteile Londons über. Häuser und Autos brennen, Schaufenster werden eingeschlagen und Einwohner dürfen ihre Häuser nicht mehr verlassen. Tausende Polizisten sind im Einsatz – einzig und allein mit Schild, Schlagstock und Schutzhelm ausgerüstet. Viel mehr haben sie dem wütenden Mob nicht entgegenzusetzen, denn nach Wasserwerfern, Gummischrot und Tränengas sucht man auf der britischen Insel vergeblich.

Dass der Polizei wenig Mittel zur Verfügung stehen, um den Randalierern beizukommen, zeigt sich bei den jüngsten Ausschreitungen deutlich. Für britische Medien ist klar: Die Polizei verliert die Kontrolle über Londons Strassen. Dies ist betroffenen Anwohnern und mehreren Parlamentsmitgliedern Grund genug, lautstark zu verlangen, dass die Polizei härtere Waffen einsetzen dürfe.

Ruf nach Wasserwerfern wird lauter

Ken Livingstone, der ehemalige Bürgermeister Londons, setzte sich besonders für Wasserwerfer ein, um die Krawallmacher zu vertreiben. «Wenn man das Ausmass der Zerstörung und Brandstiftung sieht, wäre das Thema Wasserwerfer sicherlich eine Hilfe», zitiert ihn die britische Zeitung «The Guardian».

Die britische Polizei hatte dieses Mittel bislang aber noch nie auf dem Festland eingesetzt. Wasserwerfer waren immer nur in Nordirland angewandt worden, um den dortigen Mob unter Kontrolle zu bringen. Patrick Mercer, ein Parlamentsmitglied der Torys wundert sich darüber: «Es ist merkwürdig, dass wir diese Mittel gegen Iren einsetzen, aber wenn Engländer ausscheren und sich scheusslich benehmen, dann verhätscheln wir sie. Wenn die Polizei Wasserwerfer will, sollten sie diese auch einsetzen dürfen.» Auch auf Twitter wird das Thema Wasserwerfer diskutiert. Aaron Peters ist zum Beispiel überzeugt, dass die Polizei bei derartigen Ausschreitungen ohne Wasserwerfer geradezu chancenlos sei.

Keine Wasserwerfer auf britischen Strassen

Dass in England alle Mittel verpönt sind, die andernorts zur normalen Polizeiausstattung gehören, hat seine Gründe. Grossbritannien soll nämlich schlicht und einfach kein Land sein, in welchem es zu Strassenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten kommt. Wasserwerfer haben daher bei der britischen Regierung einen schweren Stand. Vergangenen Herbst hatte das Innenministerium bereits angesichts der Studentenproteste angekündigt, alle Optionen für die Polizei in Betracht zu ziehen.

Nur 24 Stunden später krebste Innenministerin Theresa May zurück und sagte: «Ich denke nicht, dass irgendjemand Wasserwerfer auf britischen Strassen sehen will, denn wir haben hier eine andere Haltung zur Art des Überwachens. Es hängt vom Vertrauen zwischen Polizei und Öffentlichkeit ab.»

Innenministerium bleibt hart

Sicher ist, dass Wasserwerfer auch weiterhin nicht eingesetzt werden sollen. Innenministerin Theresa May hat am Dienstagmorgen auf Sky News dieses Mittel trotz wachsendem Druck abgelehnt. «In Grossbritannien arbeitet die Polizei in Übereinstimmung mit den Gemeinschaften», zitiert «The Telegraph». Vielmehr hofft May darauf, dass die Randalierer sich bald der Konsequenzen ihrer Taten bewusst würden.

Doch selbst wenn Wasserwerfer vom Innenministerium noch bewilligt werden sollten, stünden den Behörden in Grossbritannien gar keine zur Verfügung, schreibt «The Telegraph». Diese müssten nämlich erst aus Nordirland aufs Festland gebracht werden. Premierminister David Cameron setzt stattdessen auf Manneskraft – 16 000 Polizisten sollen jetzt in Londons Strassen für Ruhe sorgen.

(ske)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mara Brucker am 10.08.2011 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ansichten einer Politikerin

    "Grossbritannien soll nämlich schlicht und einfach kein Land sein, in welchem es zu Strassenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten kommt"... Was wohl all die Bürger dazu meinen, deren Geschäfter geplündert und Häuser abgefackelt wurden?! Unglaublich...

  • philipp meier am 09.08.2011 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    eine stimme «der anderen seite»

  • Daniel am 09.08.2011 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Warum Wasser und Gummi?

    Wenn ich die Bilder der Ausschreitungen, der blanken voller Hass und Wut erfüllten sinnlosen Zerstörungen und Körperverletzungen gegen Polizisten, Ladenbesitzer u.a. so sehe, dann frage ich mich warum von Wasserwerfern und Gummischrot die Rede ist...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mara Brucker am 10.08.2011 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ansichten einer Politikerin

    "Grossbritannien soll nämlich schlicht und einfach kein Land sein, in welchem es zu Strassenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten kommt"... Was wohl all die Bürger dazu meinen, deren Geschäfter geplündert und Häuser abgefackelt wurden?! Unglaublich...

  • ProCop am 10.08.2011 03:42 Report Diesen Beitrag melden

    Feuer und Wasser

    es sieht aus wie im Krieg, und es ist auch ein Krieg, zwar einer ohne Sinn und Zweck, aber das bringen Kriege eben mit sich. was ich nicht verstehe, ist warum nicht mit härteren Mitteln oder dem Militär gearbeitet wird. Ok klar passen Wasserwerfer nicht nach GB, die haben genug Wasser das immer vom Himmel kommt und rund herum auch. Mit Flammenwerfern hätte man bessere Changen. Warum wird allgemein so zurückhaltend reagiert wenn die Polizei Opfer ist??

  • Alice am 10.08.2011 01:24 Report Diesen Beitrag melden

    Noch mehr Kontrolle

    Natürlich halten die nichts von Wasserwerfern. Das soll noch so lange hinhalten, bis alle anderen nach noch mehr Sicherheit rufen und schwups ist der da, der Kontrollstaat! Die anderen Bürger haben es ja so gewollt. Die Regierung hat ja nur für die Bürger gehandelt.. Bin gespannt welche bezaubernde freiheitseinschränkende Massnahmen für alle das nach sich ziehen wird.

  • philipp meier am 09.08.2011 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    eine stimme «der anderen seite»

  • ristretto am 09.08.2011 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    arme Polizisten

    Die britische Regierung arbeitet nach dem "Prinzip Hoffnung"...gegen Krawallbrüder nützt das leider nichts, auch in England, sorry, GB!))arme Polizisten..