May in Strassburg

11. März 2019 23:57; Akt: 12.03.2019 08:01 Print

London meldet Durchbruch bei Brexit-Verhandlungen

Die britische Premierministerin Theresa May konnte sich mit EU-Vertretern einigen. Sie war in letzter Minute nach Strassburg gereist.

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Die britische Premierministerin Theresa May hat Brüssel in letzter Sekunde noch Zugeständnisse beim Brexit-Vertrag abgerungen. Ob das reicht, um die Abstimmung im Parlament in London an diesem Dienstag zu gewinnen, bleibt abzuwarten.

Nach ihren erfolgreichen Last-Minute-Verhandlungen in Strassburg hofft die britische Premierministerin Theresa May auf einen Durchbruch für ihr Brexit-Abkommen im Parlament in London. Am Dienstagabend voraussichtlich ab 20 Uhr Schweizer Zeit sollen die Abgeordneten im Unterhaus ein zweites Mal über das mit Brüssel ausgehandelte Vertragspaket zum EU-Austritt des Landes abstimmen.

Bei der ersten Abstimmung war May krachend gescheitert. Auch dieses Mal wurden ihr kaum Chancen ausgerechnet. Nun hofft sie, dass die in letzter Minute gewonnenen Zugeständnisse der Europäischen Union bei der umstrittenen irischen Grenzfrage das Blatt noch einmal wenden.

Entscheidend für einen Erfolg bei der Abstimmung dürfte sein, ob der britische Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox in einem Rechtsgutachten seine ursprüngliche Bewertung des Abkommens nun ändert. Cox hatte im Dezember befunden, dass Grossbritannien durch die sogenannte Backstop-Regelung dauerhaft gegen seinen Willen an die EU gebunden bleiben könnte.

Irland-Frage im Zentrum

Der Backstop soll verhindern, dass zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland wieder Grenzkontrollen eingeführt werden müssen. Ansonsten wird ein Wiederaufflammen der Gewalt in der ehemaligen Bürgerkriegsregion befürchtet. Die Regelung sieht vor, dass Grossbritannien so lange in einer Zollunion mit der EU bleibt, bis die Frage anderweitig gelöst ist.

Sollte Cox seine Meinung ändern, dürften viele Brexit-Befürworter in Mays Konservativer Partei ihren Widerstand gegen das Abkommen aufgeben. Würde sich gar die nordirisch-protestantische DUP überzeugen lassen, könnte May nach Ansicht von Beobachtern sogar eine Chance haben, ihren Deal doch noch durchs Parlament zu bringen.

Wird der Vertrag am Dienstag trotz der Nachbesserungen abgelehnt, will May am Mittwoch über ein Ausscheiden ohne Deal abstimmen lassen. Findet auch das keine Mehrheit, sollen die Abgeordneten am Donnerstag entscheiden, ob London eine Verschiebung des Brexits beantragen soll. Planmässig will sich Grossbritannien am 29. März von der EU trennen.

Verbindliche Ergänzungen zum Vertrag

May hatte sich am Montagabend kurzfristig mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Strassburg getroffen. Bei einer anschliessenden Pressekonferenz sagte Juncker, man habe sich im Geiste der Kooperation auf ein «rechtlich verbindliches Instrument» als Ergänzung zum Austrittsvertrag geeinigt.

Das «rechtlich verbindliche Instrument» soll noch deutlicher machen, dass der Backstop höchstens eine Übergangslösung ist. Und eine gemeinsame Ergänzung der politischen Erklärung über die künftigen Beziehungen beider Seiten soll betonen, dass diese schnellstmöglich geklärt werden. Das soll den Backstop überflüssig machen.

Juncker stellte klar, dass dies die letzten Zugeständnisse der EU sein würden. Er beschwor die Abgeordneten im britischen Unterhaus, dem Vertrag nun zuzustimmen. «Es wird keine dritte Chance geben», sagte Juncker. Werde dieser Vertrag nicht angenommen, werde der Brexit womöglich gar nicht stattfinden. Eine Verlängerung der Austrittsfrist sei nur bis zur Europawahl Ende Mai möglich, andernfalls müsse Grossbritannien an der Wahl teilnehmen.

Appell Mays

May richtete einen ähnlichen Appell an die Abgeordneten. «Heute haben wir rechtliche Änderungen durchgesetzt. Jetzt ist es Zeit, gemeinsam diesen verbesserten Brexit-Deal zu unterstützen und den Willen des britischen Volks umzusetzen», sagte die Premierministerin.

May kündigte zudem eine einseitige Erklärung an. Demnach sieht sich London berechtigt, Massnahmen zu ergreifen, die zum Ende der Backstop-Regelung führen, sollten die Verhandlungen über eine künftige Beziehung scheitern.

Führende konservative Brexit-Hardliner und die DUP zeigten sich zurückhaltend. Die Änderungen am Abkommen müssten nun zunächst einer gründlichen Prüfung unterzogen werden, teilte die DUP mit.

Opposition will gegen Vertrag stimmen

Die Opposition dagegen war unbeeindruckt. Labour-Chef Jeremy Corbyn bezeichnete die Verhandlungen als «gescheitert». In der Vereinbarung sei nichts, was den Änderungen nahe komme, die May dem Parlament versprochen habe. Auch der Labour-Brexit-Experte Keir Starmer hält die Änderung für bedeutungslos. Juncker stellte ebenfalls klar, dass er nicht über das bisherige Mandat der übrigen 27 EU-Staaten hinaus gegangen sei.

Für Irland könnte der Kompromiss an die Schmerzgrenze gehen. Während Mays Treffen mit Juncker in Strassburg kam das Kabinett in Dublin zu einer Krisensitzung zusammen. Regierungschef Leo Varadkar, der eigentlich in die USA reisen wollte, wurde vom Flughafen in der irischen Hauptstadt zu dem Treffen zurückgebracht.

(fal/nlu/sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CH Bürger am 12.03.2019 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Md.May - mein Respekt

    mein Respekt hat die Frau allemal - Sie selbst war gegen den Brexit - musste aber, nachdem sich der Initiator dessen aus dem Staub machte, den (damaligen)Volkswillen aufgrund ihrer Position durchsetzen. Die Initiatoren haben ihre Schäfchen über die Zeit ins trockene gebracht. Md. May ist leider, das Bauernopfer welches den Löwen zum Frass vorgeworfen wird... Sie hat Alles gegeben, um das Beste für ihr Land herauszuholen und doch lauern schon die Hyänen um sie zu zerreissen... egal wie es nun ausgeht. Die Politik wird eine starke Frau verlieren, denn sie wird sich zurückziehen...

  • Seppetoni am 12.03.2019 00:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kompliment GB

    Gratulation an Frau May. Ihre Gradlinigkeit ist sollte unseren Politikern ein Vorbild sein.

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  • Captain Hindsight am 12.03.2019 02:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach neu verhandeln

    Es ist irgendwie witzig, das ganze anzusehen, wenn man selber nicht betroffen ist. Auch in der Schweiz gibt es Politiker, die glauben, man könne abgeschlossene Verträge ständig brechen und dann neu verhandeln. Grossbritannien zeigt gerade sehr eindrücklich, dass Verhandlungen nicht an der EU, sondern an den eigenen, konservativen, Reihen scheitern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 13.03.2019 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch ist nichts

    Unter Dach und Fach. Abwarten und Tee trinken.

  • Avia am 12.03.2019 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehe nur Verlierer

    Die Briten haben sich mit dem Brexit ein riesen Ei ins Nest gelegt. Über viele Jahren werden Sie darunter leiden. Dies trifft auch auf die EU zu. Es ist also weit weg von einer win-win Situation. Im Gegenteil, soweit man sieht nur Verlierer. Also ein unnötiger und blöder Entscheid der Briten!?

  • CH Bürger am 12.03.2019 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Md.May - mein Respekt

    mein Respekt hat die Frau allemal - Sie selbst war gegen den Brexit - musste aber, nachdem sich der Initiator dessen aus dem Staub machte, den (damaligen)Volkswillen aufgrund ihrer Position durchsetzen. Die Initiatoren haben ihre Schäfchen über die Zeit ins trockene gebracht. Md. May ist leider, das Bauernopfer welches den Löwen zum Frass vorgeworfen wird... Sie hat Alles gegeben, um das Beste für ihr Land herauszuholen und doch lauern schon die Hyänen um sie zu zerreissen... egal wie es nun ausgeht. Die Politik wird eine starke Frau verlieren, denn sie wird sich zurückziehen...

  • Heinerle am 12.03.2019 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosses England etwas kleiner

    zuerst Abstimmen über einen Austritt, dann Verhandeln um doch noch die Rosinen zu picken. England war ja früher auch Selbstständig und die Leute denken sie seien bessere Menschen. Reisende soll man nicht aufhalten

  • W.Kern am 12.03.2019 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verträge die keiner versteht

    Es ist leichter EU Mitglied zu werden, als die EU verlassen zu wollen. Was ist so schwierig daran?

    • Laura am 12.03.2019 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @W.Kern

      Das Fragen sich viele Ehepaare auch nach der Hochzeit... kurz vor der Scheidung ;) Schwarz-weiss-denken funktioniert in solchen Situationen einfach nicht, auch der Brexit wird Spuren und Narben hinterlassen beim einen oder anderen.

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