Germanwings-Absturz

27. März 2015 08:06; Akt: 27.03.2015 13:29 Print

Lubitz galt während seiner Ausbildung als flugunfähig

Der Co-Pilot brachte am Dienstag einen Airbus A320 zum Absturz. Er soll unter Depressionen gelitten haben. Während seiner Ausbildung galt er zwischenzeitlich als «flugunfähig».

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Andreas Lubitz (27) stammt aus Montabaur in Rheinland-Pfalz. An der Seite von Patrick S. flog er am Dienstag mit einem Airbus A320 von Barcelona Richtung Düsseldorf. Doch das Flugzeug kam nie an. Über den französischen Alpen stürzte es ab, 150 Menschen starben. Nach neusten Erkenntnissen sass Lubitz allein im Cockpit, als die Maschine in eine Felswand prallte – und er hat sie bewusst zum Absturz gebracht.

Lubitz war ein begeisterter Pilot. Er war ein langjähriges Mitglied eines Fliegervereins. Als Jugendlicher habe er als Segelflugschüler begonnen und es schliesslich zum A320-Piloten geschafft, schreiben seine betroffenen Kollegen auf der Vereinsseite. Es sei sein Traum gewesen. «Den Traum, den er jetzt so teuer mit seinem Leben bezahlte.»

«Haben uns unterhalten, was wir nach der Rückkehr machen»

Eine Nachbarin bestätigt der «Rhein-Zeitung», dass das Fliegen Lubitz' Traum war. «Dieses Ziel hat er mit Nachdruck verfolgt», sagt sie. Zudem sei er freundlich und sehr sportlich gewesen. Sie habe ihn oft an ihrem Haus vorbeijoggen sehen. Recherchen zeigen, dass Lubitz ausserdem regelmässig am Lufthansa-Halbmarathon in Frankfurt teilnahm.

Niemand schien von Lubitz' Absichten zu wissen. Ein Freund schrieb laut der Zeitung kurz nach dem Absturz: «Noch gestern haben wir uns unterhalten, was wir nach deiner Rückkehr alles machen können. Jeden Tag hast du mich zum Lächeln gebracht.»

Lubitz galt zwischenzeitlich als «flugunfähig»

Der 27-Jährige wurde in Bremen zum Piloten ausgebildet. Diese unterbrach er vor sechs Jahren für kurze Zeit, sagte Carsten Spohr von der Lufthansa an einer Pressekonferenz. Gründe wollte er keine nennen.

Die «Bild»-Zeitung will den Grund wissen: Lubitz sei wegen einer «schweren depressiven Episode» vor sechs Jahren in psychiatrischer Behandlung gewesen. Er habe an Depressionen und Angstzuständen gelitten. Auch vor dem tragischen Absturz am vergangenen Dienstag habe er sich in «besonderer, regelhafter medizinischer» Betreuung befunden, schreibt die Zeitung in Berufung auf interne Unterlagen.

Während seiner Ausbildung an der Lufthansa Flight School im US-Bundesstaat Arizona sei er zwischenzeitlich gar als «flugunfähig» eingestuft worden.

«Es war eigentlich wie ein Amoklauf»

Auch die Mutter einer Klassenkameradin von Lubitz sagt zu «Faz.net», dass er ihrer Tochter anvertraut habe, er habe sich eine Auszeit nehmen wollen. «Offenbar hatte er ein Burnout, eine Depression.»

Als ihre Tochter Lubitz vor Weihnachten gesehen habe, sei jedoch alles in Ordnung gewesen. Sie glaubt nicht, dass der 27-Jährige die Tat über längere Zeit vorbereitet hatte. «Das kann nicht geplant gewesen sein, obwohl es ja eigentlich wie ein Amoklauf war.»

Auch die «Passauer Neue Presse» schreibt, dass Lubitz psychisch labil gewesen sein soll. Ein Bekannter habe der Zeitung berichtet: «Er ist ein Freak, er wollte unbedingt Pilot werden, aber er ist psychisch labil, hatte deshalb auch seine Ausbildung für einige Monate unterbrochen.» Auslöser dafür sei ein «Aussetzer» gewesen, sagte der Bekannte. Lubitz sei vom Fliegen förmlich besessen gewesen. Sein ganzes Zimmer sei mit Bildern von Flugzeugen und Emblemen von Lufthansa tapeziert gewesen.

Familie ist unterwegs zur Unglücksstelle

Für Germanwings war Lubitz seit 2013 tätig, wie eine Lufthansa-Sprecherin sagt. Er habe 630 Flugstunden absolviert und sei zuvor an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa tätig gewesen.

2013 wurde Lubitz in die Datenbank der amerikanischen Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) aufgenommen. Und sein Facebook-Profil zeigt: Lubitz interessierte sich besonders für den Flugzeugtyp A320. Er folgte einer Website, auf der erfahrene Piloten verschiedene Szenarien, technische Informationen und operative Fragen diskutierten. Am 24. März 2015 riss Lubitz schliesslich mit genau diesem Flugzeugtyp 150 Menschen in den Tod.

Mittlerweile wird das Haus seiner Eltern von Polizisten bewacht. Sie sollen Journalisten fernhalten. Lubitz' Familie ist derzeit unterwegs zur Unglücksstelle.

(vro/pat)