Nahost-Konflikt

30. Juli 2014 18:19; Akt: 30.07.2014 19:23 Print

Luftangriff auf Markt in Gaza-Stadt fordert 15 Tote

Mitten in eine Waffenruhe hat Israel nach palästinensischen Angaben einen Angriff auf einen beliebten Markt durchgeführt. Dabei kamen Dutzende Menschen zu Schaden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Gaza-Konflikt ist am Mittwoch trotz einer von Israel ausgerufenen Waffenruhe für Teile des Küstengebiets weiter eskaliert. Bei einem israelischen Luftangriff auf einen Markt nahe Gaza-Stadt wurden am Nachmittag nach palästinensischen Angaben 15 Menschen getötet und 150 weitere verletzt.

Ziel der Attacke war ein gut besuchter Markt in Schedschaija, einem Vorort von Gaza-Stadt. Israel hatte unmittelbar zuvor eine vierstündige humanitäre Waffenruhe ausgerufen. Sie trat um 14.00 Uhr (MESZ) in Kraft, galt allerdings laut israelischer Armee nicht in Gebieten, in denen bereits Soldaten im Einsatz waren.

Noch vor Ablauf der Frist wurden zudem nahe Chan Junis im Süden des Gazastreifens sieben Menschen bei einem Luftangriff getötet, wie palästinensische Rettungskräfte mitteilten. Die Palästinenserorganisation hatte die Waffenruhe mit Verweis auf die Einschränkung durch die israelische Armee zurückgewiesen.

Überfülltes Flüchtlingslager

Beim Beschuss einer Schule der Hilfsorganisation UNRWA waren am Mittwochmorgen im Flüchtlingslager Dschabalia im nördlichen Gazastreifen bereits mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen.

Der Leiter der Hilfsorganisation UNRWA, Pierre Krähenbühl, verurteilte den Angriff auf die Schule in der «schärfsten möglichen Form». Es fehlten ihm die Worte, um seine Wut und Empörung auszudrücken. Es sei bereits das sechste Mal, dass eine UNRWA-Schule beschossen wurde.

In Dschabalia leben mehr als 100'000 Palästinenser, die als Folge der früheren israelisch-arabischen Kriege heimatlos sind. Das Lager gilt als überfüllt. Nun herrscht noch mehr Enge, weil Zehntausende Palästinenser aus anderen Teilen der Mittelmeer-Enklave vor den israelischen Attacken dorthin flüchteten.

Zwar gelten UNO-Einrichtungen als Zufluchtsorte von Flüchtlingen. Allerdings wurden dort in der Vergangenheit häufig Waffen der Hamas entdeckt. Die UNO-Organisation wirft den Extremisten vor, mit diesen Waffenlagern Flüchtlinge zu gefährden.

Längster Krieg seit 2006

Militante Palästinenser setzten auch am Mittwoch ihre Raketenangriffe auf israelische Orte fort. Nach Angaben der israelischen Armee wurden am Mittwoch zudem drei ihrer Soldaten im Gazastreifen getötet. Laut Medienberichten kamen sie beim Einsturz einer Mauer ums Leben.

Der seit dem 8. Juli andauernde Militäreinsatz in dem Palästinensergebiet ist inzwischen Israels längster Krieg seit 2006. Er dauert schon länger als die Konflikte im Gazastreifen in den Jahren 2009 und 2012.

Seit Beginn der israelischen Militäroffensive wurden inzwischen mehr als 1300 Palästinenser getötet, unter ihnen zahlreiche Zivilisten und auch Kinder. Israel verlor seinerseits in der dreiwöchigen Militäroffensive 56 Soldaten, zudem wurden drei Zivilisten in Israel getötet.

Hamas-Militärchef stellt Bedingungen

Der im Untergrund aktive Militärchef der Organisation machte eine Waffenruhe im Gazakonflikt vom Ende der israelischen Militäroffensive abhängig. Auch die Blockade der Enklave am Mittelmeer müsse aufgehoben werden, sagte Mohammed Deif am Dienstag in einer über den TV-Sender der Hamas verbreiteten Audio-Botschaft.

Es war die erste öffentliche Äusserung des Anführers des bewaffneten Flügels der radikal-islamischen Organisation, der Kassam-Brigaden, seit Beginn der Offensive vor mehr als drei Wochen.

Israels Sicherheitskabinett wollte in Tel Aviv erneut über eine Waffenruhe im Gazastreifen beraten. Auch die Möglichkeit einer Ausweitung der Offensive stehe zur Debatte, berichteten israelische Medien.

EDA erneuert Appell an Kriegsparteien

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) rief erneut alle am Nahost-Konflikt beteiligten Kriegsparteien zu einer «echten Waffenruhe» zum Schutz der palästinensischen und israelischen Zivilbevölkerung auf. Eine Feuerpause sei auch dringend nötig, um die Verwundeten im Gazastreifen medizinisch behandeln zu können.

(sda)