Elfenbeinküste

28. Januar 2011 21:59; Akt: 28.01.2011 22:05 Print

Machtkampf löst Epidemien aus

In der Elfenbeinküste sterben Menschen derzeit nicht durch Gewalt, sondern durch ausgebrochene Krankheiten. Cholera und Geldfieber wüten.

Bildstrecke im Grossformat »
Am ist der abgewählte Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, in seiner Residenz verhaftet worden. Am 13. April gab Alassane Ouattara bekannt, dass er Gbagbo vor Gericht bringen wolle. Soldaten des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo haben in der Elfenbeinküste auf französische Kampfhubschrauber geschossen. Am 7. April formieren sich die Truppen des international anerkannten Präsidenten Ouattara für einen Angriff auf die Residenz Gbagbos. Am 6. April schiessen Soldaten auf die Residenz des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo. Dieser soll sich laut UNO in einem Bunker verschanzen. Am 5. April nehmen Ouattara-Truppen den Präsidentenpalast ein. Gbagbo verschanzt sich in einem Bunker. Am 4. April mischen sich die UNO und Frankreich in den Konflikt in der Elfenbeinküste ein. Zuvor hatte Frankreich die Evakuierung aller in der Elfenbeinküste lebenden Franzosen vorbereitet. Am 1. April marschieren Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara in die Wirtschaftsmetropole Abidjan ein. Am 30. März 2011 nehmen die Anhänger Ouattaras die Hauptstadt Yamoussoukro ein. Am 29. März 2011 gelingt es Truppen von Alassane Ouattara, zwei Städte einzunehmen. Ouattara-Verbündete hoffen, mit der Einnahme strategisch wichtiger Städte den abgewählten Präsidenten Gbagbo ins Exil zu zwingen. Kristalina Georgieva, die Krisenreaktionskommissarin der EU kündigt die Aufstockung der Hilfe von 5 auf 35 Milliarden Euro an. Am 16. März schlägt der international anerkannte Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, dem abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo die Bildung einer gemeinsamen Regierung vor. Am 3. März 2011 intensivieren sich die Konflikte in der Elfenbeinküste: Gbagbo-Gegner demonstrieren gegen den abgewählten Präsidenten, dessen Milizen eröffneten derweil das Feuer gegen Demonstrantinnen. Bewaffnete Anhänger des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo töten am 21. Februar 2011 sechs unbeteiligte Zivilisten in Abidjian. Am 19. und 20. Februar gingen Anhänger des offiziellen Wahlsiegers Alassane Ouattara erneut auf die Strasse. Dabei kam es zu heftigen Zusammenstössen mit der Polizei. Am 15. Februar 2011 liegen in der Elfenbeinküste immer noch über 100 Menschen in den Leichenhäusern: Eine Frau zeigt das Bild ihres Ehemannes, der ebenfalls getötet worden war. Am 24. Januar verlangt der Präsident Nigerias eine Resolution der UNO, um Gbagbo militärisch zu stürzen. Die UNO will weitere 2000 Mann in der Elfenbeinküste stationieren. Die Zeichen stehen auf Konflikt. Am 17. und 19. Januar 2011 versuchte der kenianische Präsident Raila Odinga (rechts), den Machtinhaber Laurent Gbagbo (links) dazu zu bewegen, auf sein Amt zu verzichten - vergeblich. Unterstützer von Wahlverlierer Laurent Gbagbo haben am 13. Januar 2011 drei UNO-Fahrzeuge in der Hauptstadt Abidjan angezündet. Dieser Anschlag war nicht der erste Angriff gegen die UNO-Blauhelme in dem westafrikanischen Land. In Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste ist es seit Anfang Dezember im Nachgang zur Präsidentenwahl zu wütenden Protesten gekommen. Herausforderer Alassane Ouattara hat die Wahl laut Kommission mit 54,1 Prozent der Stimmen für sich entschieden. Dennoch liess sich auch Amtsinhaber Laurent Gbagbo zum Präsidenten vereidigen. Die Anhänger von Wahlsieger Ouattara gingen wütend auf die Strassen Abidjans. Sie entfachten auch Feuer. Bei den Ausschreitungen kamen mindestens 173 Personen ums Leben, hunderte wurden verletzt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Machtkampf in der Elfenbeinküste kostet immer mehr Menschen das Leben. Allerdings sind aktuell nicht Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo und des international anerkannten Wahlsiegers Alassane Ouattara die grösste Gefahr sondern vermeidbare Erkrankungen. In der grössten Stadt des Landes steht der Müll teilweise brusthoch auf den Strassen und Plätzen. In Abidjan ist die Cholera ausgebrochen und im Norden und Westen des Landes das Gelbfieber.

In Adjamé sei die öffentliche Hygiene vollständig zusammengebrochen und die Müllabfuhr vollständig ausgefallen, sagte Bamba Coulibaly, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim Institut für öffentliche Gesundheit und nationale Hygiene. Doch, «all der Müll muss sofort von der Strasse verschwinden», sagte er. Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl am 28. November sind auch viele Krankenhäuser und Schulen geschlossen. Allein in Adjamé seien in dieser Woche 35 Fälle von Cholera registriert worden, teilte das UN-Kinderhilfswerk mit. Sieben der Erkrankten seien gestorben.

Im Norden und Westen des Landes sind seit der Wahl 66 Fälle von Gelbfieber verzeichnet worden. Elf der Patienten haben die Krankheit nicht überlebt. In den ländlichen Gegenden ist nicht die fehlende Müllabfuhr das Problem. Allerdings hat die dort lebende Bevölkerung fast keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung mehr. Wegen Sicherheitsbedenken trauen sich viele Ärzte und Krankenschwestern nicht mehr hinaus. Viele Neugeborene würden deshalb nicht rechtzeitig geimpft, teilte das Rote Kreuz mit. Auch die Versuche von UNICEF und Rotem Kreuz, diese Lücke zu stopfen, würden durch Sicherheitsprobleme erschwert, hiess es. Weil es keine effektive Behandlung gegen Gelbfieber gibt, ist die Impfung der wichtigste Schutz gegen diese Krankheit.

(ap)