Bewohner wehren sich

11. Juni 2019 21:11; Akt: 12.06.2019 14:58 Print

Mallorca will höchstens ein Kreuzfahrtschiff pro Tag

Umweltverschmutzung, Touristenmassen, Lärm – die Bürger der spanischen Ferieninsel Mallorca wollen dem Kreuzfahrttourismus massiv entgegentreten.

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Nur Tage nach dem Protest in Venedig regt sich auch auf der spanischen Insel Mallorca Widerstand gegen den Kreuzfahrttourismus. Auf der Kampagnen-Website «You Move Europe» forderten rund 20 Verbände die Behörden auf, nur noch ein Kreuzfahrtschiff pro Tag zuzulassen. Ausserdem sollen nur noch 4000 Touristen täglich in der Hauptstadt Palma de Mallorca erlaubt werden, wie es auf der Website am Dienstag weiter hiess.

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Derzeit gingen täglich drei oder vier Schiffe vor Anker und brächten 15'000 Menschen in die Stadt, sagte Jaume Garau, Leiter der Umweltplattform Palma XXI, der Nachrichtenagentur AFP.

Örtliche Unternehmensverbände hingegen kritisierten den Vorstoss und wiesen auf die positiven Auswirkungen des Kreuzfahrttourismus auf die örtliche Wirtschaft hin.

So viel Schwefeldioxid wie 260 Mio. Autos

Wie aus der amtlichen Statistik hervorgeht, ist die Zahl der Kreuzfahrttouristen, die in Palma an Land gehen, zwischen 2009 und 2018 von 545'000 auf 1,19 Millionen gestiegen. Einer Studie der europäischen Organisation Transport & Environment zufolge weist Palma de Mallorca nach Barcelona die höchste durch Kreuzfahrtschiffe verursachte Luftverschmutzung Europas auf.

Wie «EuroNews» schreibt, stossen die riesigen Kreuzfahrtschiffe europaweit zehnmal mehr Schwefeldioxid aus als die 260 Millionen Autos, die auf dem Kontinent zirkulieren. Dabei gilt Spanien laut einem Bericht der Europäischen Föderation für Verkehr und Umwelt als das am stärksten von dieser Kontamination betroffene Land.

Die Organisation wirft ausserdem Kreuzfahrtunternehmen wie Carnival oder Royal Caribbean vor, unreine Kraftstoffe zu verwenden, deren Verbrennung einen hohen Anteil an gesundheitsschädlichen giftigen Gasen erzeugt und zur Versauerung der Umwelt beiträgt.

In Venidig ist das nicht anders

Als Reaktion auf die Kollision eines Kreuzfahrtriesen mit einem Ausflugsschiff in Venedig hatten dort am Samstag tausende Menschen gegen den Kreuzfahrttourismus demonstriert. Sie forderten, die grossen Schiffe aus der Lagunenstadt in der italienischen Adria zu verbannen.

(kle/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Realist am 11.06.2019 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Belastungskönig

    Und wieder einmal mehr. Man motzte über Diesel oder Bleifrei, Autos, Lastwagen etc. Aber einer der grössten Belastungen ist und bleibt die Schifffahrt. Der Schwermetall Treibstoff ist sonst nirgendwo erlaubt. Leider sofern kein Umdenken stattfindet, werden wir weiterhin nur Symptome bekämpfen anstatt Nachhaltigkeit sicherzustellen. Aber jammern über die globale Erwärmung. Die Ölspur welche die Kreuzfahrtschiffe nachziehen, ist und bleibt nach dem Ausstoss eines der grössten Belastungen der Gewässer und jedem ausgesetzten Lebewesen. Wäre auch mal ein Gedanke wert.

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  • Negan am 11.06.2019 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger ist mehr

    Dass eine Kreuzfahrt durchaus was Besonderes ist, lässt sich nicht von der Hand weisen. Ebenso der teilweise gut laufende Tourismus an Hotspots. Aber ebenso leidet die Umwelt massiv darunter, während man dem kleinen Mann den Diesler verbieten will. Hier langfristig denken. Weniger Schiffe machen das Erlebnis doch noch spezieller!

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  • Züri Horner am 11.06.2019 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es kommt noch viel schlimmer

    Die Überbevölkerung macht sich überall störend und zerstörerisch bemerkbar.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Spanier am 12.06.2019 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Und dann jammern wenn die Umsätze zurück gehen, die sollen froh sein dass so viele Schiffe anlegen. Wir haben ja sonst nichts!

  • Pissbirne am 12.06.2019 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schlecht

    So was ähnliches sollten wir hier auch haben.

  • 50+ am 12.06.2019 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das kommt davon

    Jahrzehnte von den Touris profitiert, das Geld gerne genommen (Hafengebühren werden wohl nicht ganz billig sein) und jetzt jammern. Mallorca hat viel zu spät reagiert und Massnahmen ergriffen, dass sich das irgendwann rächen wird, wusste ja jeder, aber da es um Geld geht, war es den meisten egal. Entweder werden jetzt nachhaltige Massnahmen ergriffen oder es wird noch schlimmer

  • Herr Max Bünzli in BCN und AMS und USA am 12.06.2019 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    und Barcelona will höchstens ein halbes Kreuzfahrtschiff pro Tag

    • Max der Dax am 12.06.2019 15:35 Report Diesen Beitrag melden

      ja, aber

      Mein Vorschlag: Anlegezeit um Mitternacht eines ganzen Schiffes, jede 2. Nacht. :-) Oder die Schiffskapazität reduzieren, d.h. ein kleineres Kreuzfahrtschiff verwenden. Ja, lohnt sich halt nicht mehr so für die Reedereien, schon doof.

    • Riichä Richi am 12.06.2019 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Max der Dax

      Oder noch besser, einfach mal dort Ferien machen wo nicht alles überlaufen ist. Jeder weiss dass Mallorca eine hohe Anzahl Touristen beherbergt.

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  • Schämu am 12.06.2019 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An der Zeit

    Das ist gut wenn sich die Marociner wehren. Es kann nicht sein, dass alle Tage soviele Touristen eine Stadt belagern. Der heutige Tourismus nimmt Formen an die von Mensch und Umwelt nicht mehr tragbar sind.