«Keine Berechtigung»

08. August 2019 02:26; Akt: 08.08.2019 15:04 Print

Nach verweigertem Tankstopp: «Ocean Viking» verlässt Malta

Weil Malta das Rettungsschiff nicht auftanken liess, fährt es nun weiter vor die libysche Küste.

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Der Ocean Viking wurde die Zustimmung zum Tanken auf Malta kurzfristig entzogen. (4. August 2019) (Bild: AFP/Clement Mahoudeau)

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Das Flüchtlings-Rettungsschiff «Ocean Viking» ist nach Verweigerung eines Tankstopps in maltesischen Hoheitsgewässern auf dem Weg in sein Einsatzgebiet vor der libyschen Küste. «Wir haben Wasser, Treibstoff, Menschen warten darauf gerettet zu werden, wir machen weiter», erklärte Einsatzleiter Nicholas Romaniuk am Donnerstag. Dem Schiff der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen war demnach am Mittwochabend kurzfristig das Auftanken vor Maltas Küste untersagt worden.

Die «Ocean Viking» hatte nach Angaben des Einsatzleiters noch Treibstoff für schätzungsweise zehn bis zwölf Tage an Bord. Das Einsatzgebiet sollte am Donnerstag erreicht werden. Das 69 Meter lange Schiff war am Sonntag in Marseille in See gestochen. Es fährt unter norwegischer Flagge.

Den Angaben zufolge hatte die «Ocean Viking» sich mit den maltesischen Behörden darauf geeinigt, auf dem Wasser auftanken zu dürfen. Die Erlaubnis sei zwei Stunden vor dem geplanten Tankstopp jedoch zurückgezogen worden.

Spanien appelliert an die EU

Es handelt sich um den ersten Einsatz der «Ocean Viking». SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen hatten Ende 2018 nach drei Jahren ihre gemeinsamen Rettungsaktivitäten mit dem Schiff «Aquarius» auf politischen Druck Italiens hin eingestellt. Mit der «Aquarius» retteten sie nach eigenen Angaben zwischen 2016 und 2018 rund 30'000 Menschen vor dem Ertrinken.

Italien und Malta haben bereits mehrfach Hilfsschiffen die Einfahrt in ihre Häfen verweigert. Schiffe mit Flüchtlingen an Bord müssen teils tagelang auf die Einfahrt warten. Beide Länder verweigern zumeist das Anlegen, solange die Aufnahme der Flüchtlinge durch andere EU-Länder nicht geklärt ist.

Am Mittwochabend richtete die spanische Organisation Proactiva Open Arms einen dramatischen Appell an die EU: Ihr Rettungsschiff «Open Arms» habe seit mittlerweile sechs Tagen 121 gerettete Menschen an Bord und immer noch keine Erlaubnis erhalten, in einem europäischen Hafen einzulaufen. Malta habe den Flüchtlingen das Recht verweigert, an Land zu gehen.

Flüchtlinge in internationalen Gewässern übergeben

Am Sonntag hatte Malta dem deutschen Rettungsschiff «Alan Kurdi» das Anlegen verweigert. Die Küstenwache holte allerdings 40 Menschen von Bord des Schiffes in internationalen Gewässern ab und brachte sie in die Hauptstadt Valletta. Im Mai hatte ein Gericht in Malta den Kapitän des deutschen Flüchtlings-Hilfsschiffs «Lifeline» zu einer Geldstrafe von 10'000 Euro verurteilt. Das Gericht sah es demnach als erwiesen an, dass die «Lifeline» nicht ordnungsgemäss registriert war.

Das Schiff hatte im Juni 2018 vor der libyschen Küste 234 Flüchtlinge gerettet und war danach tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta dem Schiff ein Anlegen verweigert hatten. Schliesslich durfte die «Lifeline» in Malta vor Anker gehen, der Kapitän wurde jedoch festgehalten und von der Polizei vernommen.

(step/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Name Unwichtig am 08.08.2019 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Das erzwingen um Aufnahme muss aufhören

    So lange solche Rettungsschiffe unterwegs sind , solange blüht das Schleppergeschäft. Auch wenn man nur Leben retten will, es ist der falsche Weg. Es setzt falsche Signale. So arbeitet man den Schleppern in die Hände. Früher habe ich Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen immer mal wieder unterstützt, heute nicht mehr. Es muss endlich seriöse Anlaufstellen in Afrika geben. Das erspart auch die teure Rückschaffung von nicht Asylberechtigten. Dieses Geld könnte sinnvollere Verwendung finden.

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  • Pancho07 am 08.08.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Retour

    Das Schiff ist anscheinend in Marseille gestartet. Ergo soll es auch wieder dorthin zurück. Und die ,,Geretteten" auch dort an Land bringen. Mal sehen ob der Herr Macron dem Kapitän auch wieder eine Medaille umhängt.

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  • Theo am 08.08.2019 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemacht Malta

    Gute Entscheidung. Das diese selbsternannten Helden den Schleppern helfen wird ja kategorisch ignoriert. Das hat nichts mit humanitären Handlungen zu tun, im Gegenteil. Lernt das mal endlich und stoppt die Regime in den Heimatländern der Flüchtlinge. Das ist die einzige Lösung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chräbi68 am 08.08.2019 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Europäischer Hafen

    In sechs Tagen hätte ja auch z. B. Hamburg angefahren werden können. Oder sind die Häfen Europas ausserhalb dem Mittelmeer in diesen Fällen nicht in Europa?

  • Barbara S. am 08.08.2019 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Es kamen Menschen ...

    Wir suchen Arbeiter und es kommen Menschen. Wir wollen im gelebten Kapitalismus Geld verdienen und weiter so leben wie bisher oder gar noch besser und noch mehr erleben/haben und es kommen Menschen. Wir sollen christliche Werte vorleben und wollen nicht, dass Menschen unterwegs gerettet werden. "Du sollst nicht töten" resp. "das Boot ist voll" sind so Zitate dazu. Mehrere Zitate können sicher noch gefunden werden. Wer als Politiker, Bürger, Konsument, Tourist, Unternehmen keine Wanderungen wünscht, generiert folglich auch keine. Sonst lebt man mit den Konsequenzen ohne zu murren.

  • Cavi33 am 08.08.2019 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schiffe festsetzen

    Endlich passiert was, nehme an dass sich Macron richtig freut um weitere Flüchtlinge ins Land zu lassen. Bei der nächsten Einfahrt in einen Hafen von Malta oder Italien muss das Schiff festgesetzt werden. Diese Methode zur Fluchthilfe heizt die Schlepperbanden nur noch an.

  • Dan Wesson am 08.08.2019 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor der Küste

    Wie bereits geschrieben wird von der Küste ein Taxidienst eingerichtet, welche absolut nichts mit Seenotrettung zu tun hat. Warum nehmen die Retter die geretteten nicht gleich selber nach Hause, da sie ja so aktiv sein möchten?

  • MaPu am 08.08.2019 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neue Form von Menschenhandel

    In erster Linie finde ich das man Menschen aus Kriegsgebieten helfen soll. Aber, dass was da unten abgeht ist nur noch ein gegenseitiges Geldgeschäft mit Menschen, Menschenhandel in neuer Form. Die Medien Zeigen nicht alles. Zum Glück gibt es da unabhängige Medien die Aufdecken. Die Aufgenommenen Flüchtlingen sollen doch auf direktem Weg in das Land gebracht werden unter der Flagge des Schiffes. Mal sehen wie die Betroffenen Länder reagieren würden. Und alle die so Pro sind für die Rettung der Flüchtlinge, nehmt doch die Flüchtlinge bei euch Zuhause auf.