Mordfall Galizia

30. November 2019 22:03; Akt: 01.12.2019 01:56 Print

Anklage gegen möglichen Hintermann auf Malta

Ein auf Malta festgenommener Geschäftsmann wollte im Fall der ermordeten Journalistin Informationen preisgeben – für eine Begnadigung. Nun wird er des Mordes bezichtigt.

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Mehr als zwei Jahre nach dem Mord an der regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta ist Anklage gegen einen möglichen Hintermann erhoben worden. Dem Unternehmer Yorgen Fenech wurde am Samstag Mittäterschaft an dem Mord vorgeworfen.

Bei der Anklageerhebung am Samstagabend in Valletta befanden sich auch der Ehemann der Ermordeten, ihre drei Söhne sowie ihre Eltern und Schwestern im Gerichtssaal. Caruana Galizia, die regelmässig über Korruption, Geldwäsche und andere illegale Geschäfte in Malta berichtet hatte, war am 16. Oktober 2017 bei einem Bombenanschlag auf ihr Auto getötet worden.

Vermögen soll eingefroren werden

Der 38-jährige Fenech wurde nach dem Gerichtstermin wieder in Untersuchungshaft genommen. Das Gericht ordnete zudem an, sein Vermögen einzufrieren.

Fenech hatte angeboten, Informationen zu dem Mordfall zu liefern und im Gegenzug Straffreiheit gefordert. Dies war ihm verwehrt worden. Fenech ist Direktor eines Konsortiums, das 2013 von der Regierung den Auftrag erhalten hatte, ein Gaskraftwerk zu bauen.

Auf der Flucht mit Jacht festgenommen

2018 kam heraus, dass ihm auch eine geheime Offshore-Gesellschaft namens «17 Black» gehörte. Caruana Galizia hatte Monate vor ihrem Tod über «17 Black» geschrieben.
Fenech war vergangene Woche auf seiner Jacht vor der Küste Maltas festgenommen worden, als er versuchte, von der Mittelmeerinsel zu flüchten.

Caruana Galizias Familie hält Fenech für einen der Auftraggeber des Mordes. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen hat er im Polizeiverhör aber Muscats langjährigen Büroleiter Keith Schembri beschuldigt, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Schembri wurde unmittelbar nach seinem Rücktritt am Dienstag festgenommen. Am Donnerstagabend liess die Polizei ihn überraschend wieder frei.

Gegen drei Männer, die den Anschlag auf die 53-jährige Journalistin ausgeführt haben sollen, laufen Mordermittlungen. Sie sollen den Sprengsatz gebaut und gezündet haben. Jedoch war bislang immer noch unklar, wer hinter dem Auftragsmord steckt.

Premierminister vor Rücktritt

In dem Fall steht auch die Regierung von Premierminister Joseph Muscat extrem unter Druck. Nach Angaben seiner Partei will er im Januar zurücktreten.

Wütende Demonstranten waren in der vergangenen Woche wiederholt gegen die Regierung auf die Strasse gegangen und hatten den Rücktritt des Premierministers gefordert. Sie werfen der Führung ihres Landes Korruption vor und verlangen Gerechtigkeit für Caruana Galizia.

Vor dem Hintergrund der Mordermittlungen war auch Muscats Stabschef Keith Schembri von seinem Posten zurückgetreten. Er und der frühere Energie- und Tourismusminister Konrad Mizzi waren von Caruana Galizia bezichtigt worden, Schmiergelder von Fenech angenommen zu haben. Alle beteuern ihre Unschuld.

(kat/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 29.11.2019 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politische Macht und Geld

    generieren automatisch mafiöse Regierungsformen. Davon sind viele Länder betroffen.

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  • Simone am 29.11.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrupt

    Vor einigen Jahren,lebte ich einige Zeit in Malta:ich sage nur:wundern tut s mich nicht...

  • Cat's Eye am 29.11.2019 04:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut nicht ich

    Gut bin ich kein Richter geworden. Angesichts dessen das die Taten immer Rücksichtsloser werden, würde ich immer die maximale Höchststrafe aussprechen. Die Strafen würden bei mir immer zwingend Unbedingt ausfallen, auch bei Ersttätern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.G. am 30.11.2019 23:36 Report Diesen Beitrag melden

    Alle sind dort korrupt

    Als Malta noch nicht in der EU war reiste ich mit meiner Familie von Sizilien kommend dort ein. Wir standen alle in langen Schlangen am Zoll. Da kam ein Reiseleiter mit ca. 30 Niederländern im Schlepptau und reichte dem Zöllner eine Plastiktüte mit Zigarettenschachteln. Der liess sich darauf die Pässe diese Gruppe geben und wird standen da und durften noch eine Stunde warten. Als einer von uns sich beschwerte kam die Antwort dies sei Malta und das gehöre zum Land dazu.

    • Minou am 01.12.2019 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.G.

      Gut zu wissen, geht man dort nicht in die Ferien.

    • Buggiba am 01.12.2019 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Minou

      Das stimmt so überhaupt nicht. Ich reise seit mehreren Jahren immer wieder nach Malta und kann dies nicht Bestätigen.

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  • das war ein highlight im Herbst am 30.11.2019 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    unlängst wunderschöne Woche auf Gozo

    Korruption und Mord ist verwerflch. Jetzt wird mir klar, warum die Gozianer nichts mit den Maltesern gemein haben und sich deutlich distanzieren.

  • Franz K. am 30.11.2019 03:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau gleich

    Was die Regierungsarbeit für das Volk anbelangt ist diese in Malta gleich wie in der Schweiz. Normale Bürger kommen unter die Räder und Rentner siechen dahin. Aber das Millionärs- und Regierungsklüngel wird immer reicher.

  • Daniel am 29.11.2019 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dok.

    Gibt eine gute Dok. Auf einem Videokanal.... da wird alles ein bisschen durchleuchtet.. auch vom Passhändler Kählin..

  • Djidji am 29.11.2019 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Platz unter dem Teppich

    Eine äusserst korrupte Regierung wie in Malta ist nichts neues. Man muss nur die Geschichte Malta's anschauen. Dazu kommen noch die Verbindungen zum Vatikan und z.B. die "Knight of Malta" = Sumpf.