Gesetz in Frankreich

19. Februar 2019 06:53; Akt: 19.02.2019 06:53 Print

Elternteil 1 und 2 ersetzen Vater und Mutter

Durch eine Gesetzesänderung sollen Väter und Mütter in französischen Schulen künftig als Elternteil 1 und Elternteil 2 angesprochen werden. Die Idee sorgt für rote Köpfe.

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Vater und Mutter soll es künftig nicht mehr geben – stattdessen sollen sie bei schulischen Angelegenheiten als Elternteil 1 und Elternteil 2 angesprochen werden. Die Änderung des französischen Schulgesetzes sorgt derzeit für heisse Debatten im Nachbarland.

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Den Änderungsantrag machte die Abgeordnete Valérie Petit von der Partei La République En Marche (kurz LaREM) von Präsident Emmanuel Macron. Damit sollen im Rahmen einer «Schule des Vertrauens» die vielfältigen Familienformen auf den Schulformularen abgebildet werden. Das sei besonders für Kinder aus Regenbogenfamilien wichtig, so Petit.

Im Netz wird heiss diskutiert

Ihr Projekt sorgte jedoch für wenig Zuspruch. So bezeichnete etwa die Sprecherin der rechtsliberalen Républicains (LR), Lydia Guirous, die Begriffe «Parent 1 und 2» als «eine Negierung der Geschlechter». Für den LR-Politiker Xavier Breton handelt es sich um «einen politisch korrekten Gedanken, der aber nicht der Realität entspricht». Andere Kritiker des Projekts halten die Ansprache sogar für eine «Entmenschlichung».

Auch im Netz fand der Vorschlag viele Gegner. Auf Twitter postete ein Nutzer das Bild der« Star Wars»-Figur Darth Vader und ersetzte das bekannte Filmzitat durch «Luke, ich bin dein Elternteil 1». Eine Userin fragte sich, ob ihre Kinder sie nun bei der Begrüssung statt «Mama» «Elternteil 2» nennen sollten.


Spielt es eine Rolle, wie Eltern auf einem Schulformular bezeichnet werden?

Andere hingegen finden die Idee toll. «Was spielt das für eine Rolle, wie man die Erzieher der Kinder auf dem Formular bezeichnet? Das ändert für Paare mit Vater und Mutter nichts, dafür macht es die Vielfalt sichtbar. Eure Homophobie kotzt mich an!», kommentierte eine Nutzerin.


Wie der Sender LCI am Montag berichtet, habe die heftige Kritik nun die Initianten des Projekts dazu veranlasst, einen Gegenvorschlag zu machen. Die LaREM-Abgeordnete Anne-Christine Lang schlug vor, zweimal den Begriff «Vater» und zweimal den Begriff «Mutter» auf den Schulformularen aufzuführen. «Die Leute können dann die Felder so ankreuzen, wie es ihnen passt», sagte Lang.

Sprachliche Regelungen, um Vielfalt sichtbar zu machen

Auch für die Schweiz wären geschlechtsneutrale Formulierungen sinnvoll, findet Hannes Rudolph, Leiter der Fachstelle für Transmenschen in Zürich. «Nicht nur Regenbogenfamilien, auch andere Familienkonstellationen profitieren davon, wenn die strikte Vorgabe ‹Mutter, Vater, Kind› wegfällt. Schon immer wachsen Kinder bei ihren Grosseltern, Verwandten, Pflegeeltern und in Patchworkkonstellationen auf. Kinder, die nicht Vater und Mutter haben, erfahren so, dass ihre Familienform keine bürokratische Ausnahme, sondern eine anerkannte Realität ist», sagt Rudolph zu 20 Minuten.

«Es ist frappant, wie bedroht sich einige Menschen fühlen, wenn Begriffe auf Formularen geändert werden sollen. Dabei geht es gerade darum, offen für alle Menschen zu sein. Auch die meisten Regenbogeneltern sind Väter und Mütter – und haben folglich kein Interesse an der Abschaffung dieser Begriffe. Der Vorwurf ist absurd.»

Auch für non-binäre Menschen braucht es neue Ausdrücke

Für Angehörige von Minderheiten sei ein solches Vorhaben eine erhebliche Entlastung. «Es gibt ja beispielsweise auch Eltern, die weder Mutter noch Vater sind. Non-binäre Personen, die Familien gründen, suchen oft nach eigenen Bezeichnungen.»

Leider biete die deutsche Sprache in Bezug auf Menschen nur wenige geschlechtsneutrale Bezeichnungen. «Wo sie nicht nötig sind, sollten Geschlechtsangaben weggelassen werden. Es ist absurd, dass selbst bei Kindergärtler*innen und Primarschüler*innen auf jedem Formular das Geschlecht des Kindes vermerkt wird.»

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • VATER am 19.02.2019 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Warum soll sich die Mehrheit dauernd einer Minderheit anpassen ? Wenn es scheinbar nichts ausmachen soll was auf diesem Formular stehen soll dann soll sich doch bitte die Minderheit der Mehrheit anpassen. Danke Und nein das hat nichts mit Homophobie zu tun!

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  • Knaller am 19.02.2019 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    sorry, aber

    der ganze Seich läuft so langsam aus dem Ruder!

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  • Swiss ship yard am 19.02.2019 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es darf gelacht werden

    Was zum Kukuck ist eine Regenbogenfamilie?? Herr Bögli und Frau Tröpfli produzieren dann Bogentröpflis oder Tröpflibögen? Ich stell mir schon vor wie Kinder in der Schule einander über Teil 1 und Teil 2 erzählen... was für ein ausgemachter Blödsinn!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • F.R. am 20.02.2019 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschrift

    Also ich würden dann in der Schule mit "Elternteil 1 oder 2" irgendetwas unterschreiben.

  • Zürcher am 20.02.2019 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist die Nummer 1?

    Ist Mann oder Frau Elternteil 1? Wieso wird automatisch, mit der Nummerierung der Eltern eine Person wichtiger dargestellt als die Andere? Hat die Nummer 1 mehr zu sagen als die Nummer 2? Finde es recht sexistisch, den Eltern eine Zahl und damit eine Rangordnung zuzuweisen. Hoffe die Kinder werden auch nicht als Mädchen und Jungen behandelt: können denen doch nicht in dem Alter einfach ein Geschlecht zuordnen. Bis sie 18 sind, sind sie Sperma 1 bis Sperma 20, je nach Klassengrösse. Wobei dann wieder das Problem mit der Rangordnung entsteht. Naja, sowieso sinnfrei die ganze Diskussion.

  • Daniel am 20.02.2019 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Man stelle sich vor ...

    das Kind kommt irgendwann nachhause und grüsst mit "Hallo Elternteil 1 und 2" statt "Hallo Mama und Papa". Ich weiss nicht ob ich lachen oder weinen soll. Für LBQT gibt es intelligentere Lösungen als das universelle Prinzip des Geschlechts abzusprechen. Das weibliche und männliche Prinzip findet sich nämlich überall. Beispielsweise könnte man Kinder im Unterricht erklären, dass sich Menschen unterscheiden und diese so zu akzeptieren sind wie sie sind. Das kann übrigens auch von den Eltern beigebracht werden.

  • Fredi am 20.02.2019 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Seit 200'000 Jahren gibt es den Menschen

    Und jetzt drehen wir wohl alle durch. Schon mal an die Kinder gedacht? Wir wollen jetzt unbedingt Männlein und Weiblein per Gesetz abschaffen.

  • Chris am 20.02.2019 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verrückte Welt

    Wovon man bei dieser Logik ausgeht ist, das es naturgegeben ist in welcher Art auch immer man sich bestimmt fühlt, zu sein und leben zu müssen. Das zweifele ich an. Um so weniger man genötigt ist sich an der Norm auszurichten umso unwichtiger wird sie. Was dann passiert sieht man ganz wunderbar in Berlin. Freaktown.

    • Orwell am 20.02.2019 13:07 Report Diesen Beitrag melden

      Manchmal glaube ich

      Es geht denen nicht um die Sache, sondern das alles sind Tests, wie lange man das Volk zu diktiertem Verhalten zwingen kann. Zu Dinge, welche sie in der Mehrheit ablehnen. Bald kommt ein Gesetz wo 2+2=5 ist und wer sich nicht daran hält, muss mit Strafen und Umerziehung in geschlossenen Einrichtungen rechnen.

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