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14. Dezember 2013 17:43; Akt: 15.12.2013 01:24 Print

Mandela-Leichnam erreicht Heimatdorf Qunu

In Qunu hat sich Nelson Mandela (†95) zu Lebzeiten am wohlsten gefühlt. Am Sonntag erfüllt sich sein letzter Wunsch: Der Nationalheld wird in seinem geliebten Dorf beigesetzt.

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Plakate in Nelson Mandelas Xhosa-Sprache verkünden es in weitem Umkreis um das Dorf Qunu: «Lala Ngoxolo», «Ruhe in Frieden». Der südafrikanische Freiheitskämpfer wird am Sonntag in jenem Dorf in der Transkei beigesetzt, in dem er als Bub Kühe hütete und durch die Felder lief.

Während seiner 27-jährigen Gefangenschaft träumte Mandela immer, er möge dereinst die Gelegenheit erhalten, in diese Landschaft mit «der einfachen Schönheit der Natur und der klaren Linie des Horizonts» zurückzukehren.

Der Traum wurde wahr und in seinen letzten zwei Lebensjahrzehnten verbrachte Mandela viel Zeit in Qunu. Strenggenommen wurde der spätere erfolgreiche Anwalt, Anti-Apartheids-Kämpfer und erste schwarze Präsident Südafrikas nie zum Grossstadtmenschen. In Qunu empfing er die Nachbarn und ging spontan bei den anderen Dorfbewohnern ein und aus, als wäre er nie zum Staatsmann und zur lebenden Legende geworden.

Weihnachtsfeier für die Dorfkinder

In seinem Haus in Qunu empfing er nicht nur Prominente vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton bis zu Talkshow-Queen Oprah Winfrey, sondern gab auch alljährlich eine grosse Weihnachtsfeier für die Dorfkinder. Eine Statue zum Gedenken an den wichtigen Bewohner Mandela sucht man in Qunu vergebens, nur ein kleines Museum gibt es.

Geboren wurde Mandela nicht in Qunu, sondern im 30 Kilometer entfernt liegenden Mvezo. Mandelas Enkel Mandla unternahm in den vergangenen Monaten grosse Anstrengungen, die letzte Ruhestätte seines berühmten Ahnen in Mvezo einzurichten, wo er ein feines Hotel besitzt.

Doch der letzte Wille des Nationalhelden war in dieser Frage entscheidend. Seine Grabstätte soll dort liegen, wo er sich im Leben am wohlsten gefühlt hat und wo auch seine Eltern und mehrere seiner Kinder begraben liegen. Das Grab liegt auf einem Hügel, der weiten Ebene der Transkei zugewandt.

Tutu kommt an Beerdigung

Der ehemalige südafrikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu wird doch zum Begräbnis von Nelson Mandela am Sonntag kommen. Zuvor hatte der 82-Jährige gesagt, er sei nicht eingeladen worden und wolle nicht in die Bestattung «hineinplatzen». Am Samstagabend teilte Tutus Sprecher dann aber mit, dass der Geistliche am frühen Morgen nach Qunu reisen werde, wo das Begräbnis stattfindet. Eine Erklärung für die Änderung der Pläne nannte er nicht.

Die Regierung sprach von einem Missverständnis. Tutu habe keine Einladung erhalten, weil gar keine Einladungen ausgeschickt worden seien, sagte der Beamte Collins Chabane, der die Trauerfeiern für Mandela mitorganisiert. Tutu sei aber sehr wohl auf der Liste der Akkreditierten.

(sda)