US-Präsidentschaftswahl

06. August 2015 21:57; Akt: 06.08.2015 21:57 Print

Manege frei für den Hahnenkampf

von Martin Suter, New York - Selten wurde eine politische Debatte mit so viel Spannung erwartet: Die führenden Republikaner wetzen ihre Messer.

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Am 6. August 2015 geht die erste Debatte mit den republikanischen Präsidentschaftskandidaten über die Bildschirme der USA. Die Moderatoren sind (von links): Megyn Kelly, Bret Baier, Chris Wallace. Nachfolgend eine Liste der wichtigsten Kandidaten der Republikaner und Demokraten. Inzwischen haben bereits 16 Republikaner offiziell ihre Kandidatur für die US-Präsidentschaft angemeldet. Die folgenden Bilder reihen sie nach Popularität auf (Stand: 5. August 2015). , 69, Immobilienmogul und TV-Star Stärken: Milliardenvermögen, Selbstvertrauen, bekannter Name Schwächen: bombastisch, Selbstliebe, politischer Novize Chancen: Wer weiss? , 62, Ex-Gouverneur von Florida Stärken: Exekutiverfahrung, berühmter Name, viel Geld Schwächen: Bruder von George W. Bush, introvertiert-ungelenk Chancen: gut bis sehr gut. , 47, Gouverneur von Wisconsin Stärken: Exekutiverfahrung als Gouverneur, Siege gegen Gewerkschaften Schwächen: aussenpolitisches Greenhorn Chancen: gut bis sehr gut , 59, Ex-Gouverneur von Arkansas Stärken: Populist, Rednertalent, Fernseh-Erfahrung Schwächen: wenig reformfreudig, sehr religiös Chancen: nicht mehrheitsfähig , 63, pensionierter Neurochirurg aus Detroit Stärken: Liebling der Tea Party, kein gestandener Politiker Schwächen: politischer Novize, sehr konservativ Chancen: nicht mehrheitsfähig , 44, Senator aus Texas Stärken: hochintelligent, blendender Debattierer, Tea-Party-Liebling Schwächen: sehr konservativ, unbesonnen Chancen: mässig , 44, Senator von Florida Stärken: politisches Sondertalent, brillanter Redner, aussenpolitisch kundig Schwächen: keine Exekutiverfahrung, wirkt bubenhaft Chancen: gut , 52, Senator aus Kentucky Stärken: Fangemeinde von Libertären und Gegnern der Überwachung Schwächen: libertärer Flügel bleibt Minderheit Chancen: nicht mehrheitsfähig , 52, Gouverneur von New Jersey Stärken: hemdsärmlig, unerschrocken, gemässigt konservativ Schwächen: Überschuldung von New Jersey, rüpelhaft, Skandal um Fahrspurschliessung vor Brücke Chancen: mässig bis schlecht , 63, Gouverneur von Ohio Stärken: Sachpolitiker, Pragmatiker, in Sozialfragen gemässigt Schwächen: Wirkt zuweilen Kumpelhaft, schon sehr lange im Geschäft. Chancen: mittelgut , 65, Ex-Gouverneur von Texas Stärken: Exekutiverfahrung, gutes Aussehen Schwächen: Patzer in Debatte 2012 definierte ihn negativ Chancen: mässig bis schlecht , 57, Ex-Senator von Pennsylvania Stärken: 2012 zweiter Republikaner hinter Mitt Romney, Arbeiterherkunft Schwächen: sehr religiös-konservativ, aufgewärmter Kandidat Chancen: schlecht , 44, Gouverneur von Louisana Stärken: Intellektuell agil, guter Leistungsausweis Schwächen: Sehr konservativ, im eigenen Staat unbeliebt Chancen: Praktisch null , 60, Ex-CEO von Hewlett-Packard Stärken: Frau, fachkundig, international erfahren Schwächen: Probleme bei H-P, politische Novizin, wenig bekannt Chancen: mässig , 59, Senator von South Carolina Stärken: aussenpolitische Erfahrung Schwächen: extremer Falke, alleinstehend Chancen: schlecht , 70, Ex-Gouverneur von New York Stärken: Exekutiverfahrung, gemässigt konservativ Schwächen: ausserhalb New Yorks unbekannt Chancen: keine , 65, Ex-Gouverneur von Virginia Stärken: Als Konservativer mit Militärerfahrung will er die Aussenpolitik neu ordnen Schwächen: Nach 18 Jahren ausserhalb des Rampenlichts kennt ihn niemand. Chancen: keine Obwohl Hillary Clinton haushohe Favoritin ist, machen ihr inzwischen schon vier Rivalen Konkurrenz. (Foto: Obama-Supporterin am Wahltag 2012.) , 67, Ex-Aussenministerin, Senatorin und First Lady Stärken: national bekannt, politisch erfahren Schwächen: Vertrauensverlust nach Skandalen, hölzerne Wahlkämpferin Chancen: gut bis sehr gut , 73, Sozialistischer Senator von Vermont Stärken: radikal und doch opahaft, sehr glaubwürdig Schwächen: alt, allzu radikale Positionen Chancen: schlecht Jim Web, 69, früherer Offizier der Marines, Navy-Sekretär und Senator von Virginia Stärken: Militärische Erfahrung, guter Autor Schwächen: Wenig erfolgreiche Zeit als Senator Chancen: Bei der Parteibasis zu unpopulär , 52, Ex-Gouverneur von Maryland Stärken: Exekutiverfahrung, gewinnende Persönlichkeit Schwächen: Leichtgewicht, allzu radikal Chancen: schlecht , 62, Ex-Gouverneur von Rhode Island Stärken: Exekutiverfahrung, Mittepolitiker Schwächen: wechselte Partei, für metrisches System Chancen: keine

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Der Showkampf findet am Donnerstag um 21 Uhr Ostküstenzeit (Freitag 3 Uhr Schweizer Zeit) auf Fox News statt: Dann stellen sich die zehn wichtigsten republikanischen Kandidaten der US-Präsidentschaftswahlen erstmals dem breiteren Publikum vor. Weitere sechs weniger populäre Anwärter treten in einer kleineren Runde um 17 Uhr (CH: 23 Uhr) auf.

Umfrage
Wenn Sie entscheiden könnten: Welcher dieser Top-Ten sollte als republikanischer Präsidentschaftskandidaten antreten?
27 %
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2 %
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3 %
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3 %
7 %
17 %
Insgesamt 1358 Teilnehmer

Die drei Moderatoren Bret Baier, Megyn Kelly und Chris Wallace (siehe Diashow oben) werden den Kandidaten nur je eine Minute Zeit für die Antworten geben. Gegenreden sind gar auf 30 Sekunden begrenzt. Trotzdem knüpfen sich grosse Erwartungen an die Debatte: Sie soll in dem breiten Feld endlich die Spreu vom Weizen trennen.

Und hier sind die Kandidaten – geordnet nach ihrer Popularität in jüngsten Umfragen:

1. Der Trampel: Donald Trump


(AP/Stephen B. Morton)

Der New Yorker Milliardär mit der blonden Tolle schwingt dank bombastischen Behauptungen und ungeschminkter Kritik an Washington bei der vergraulten Parteibasis obenauf.

Sein Ziel: Als Nicht-Politiker muss Trump staatsmännisches Format vorzeigen und beweisen, dass er sachlich argumentieren kann.

Sein Risiko: Trump könnte sich von den Moderatoren oder anderen Kandidaten zu unüberlegten Aussagen provozieren lassen.

2. Der Thronfolger: Jeb Bush


(AP/Charles Krupa)

Der Ex-Gouverneur von Florida kämpft nach der Präsidentschaft des Bruders George W. Bush gegen seinen Familiennamen. Er hat viel Geld gesammelt und ist bei Parteioberen beliebt.

Sein Ziel: Bush muss kraftvoll und eigenständig erscheinen. Die Zuschauer sollen sehen, dass er auch austeilen kann.

Sein Risiko: Zeichen von Unsicherheit oder Zaghaftigkeit würden Vorurteile gegen den Introvertierten bestätigen.

3. Der Gewerkschaftskiller: Scott Walker


(AP/Matt Rourke)

Der Gouverneur von Wisconsin hat in einem zähen Kampf die Beamtengewerkschaften in die Knie gezwungen. Der Konservative ist diszipliniert und berät sich selbst. Doch er hat Wisconsin gespalten.

Sein Ziel: Walker muss beim Thema der Aussenpolitik glänzen, um seinen Mangel an Erfahrung in diesem Feld auszubügeln.

Sein Risiko: Wenn er zu wenig Emotionen zeigt, wird er bei dem Teil des Publikums, der ihn nicht kennt, kaum punkten.

4. Der Prediger: Mike Huckabee


(epa/Shawn Thew)

Der frühere Gouverneur von Arkansas erhöhte seine Bekanntheit als Moderator einer Fox-News-Sendung. Der Kern seiner konservativen Anhängerschaft sind Evangelikale. Huckabee gilt als Israel-Freund.

Sein Ziel: Huckabee muss mit Spontaneität und lustigen Sprüchen als Sympathieträger erscheinen.

Sein Risiko: Fragen zu den Sozialwerken, die er bedingungslos unterstützt, könnten ihn aufs Glatteis führen.

5. Der Doktor: Ben Carson


(AP/Nati Harnik)

Als Neurochirurg im Ruhestand ist Carson der wahre Outsider in der Debatte. Obwohl leise sprechend, vertritt er radikal konservative Positionen. Der Afroamerikaner ist ein heftiger Kritiker Obamas.

Sein Ziel: Carson muss Kraft zeigen und beweisen, dass er mit den politischen Themen und Fragen Washingtons vertraut ist.

Sein Risiko: Verbale Schläge gegen andere Kandidaten könnten sein erfrischendes Image als eigenständiger Denker beschädigen.

6. Der Heisssporn: Ted Cruz


(AP/Nati Harnik)

Als Student war der blitzgescheite Senator aus Texas in Debatten nicht zu schlagen. Der Tea-Party-Liebling neigt zu rhetorischen Höhenflügen und ist ein politischer Selbstläufer.

Sein Ziel: Cruz will in Sachen Populismus seinem Rivalen Trump nacheifern, um dessen Stelle einzunehmen, falls dieser abstürzt.

Sein Risiko: Sollte Cruz übertreiben, würde ihm vorgeworfen, dass ihm die Statur als möglicher Präsident abgeht.

7. Der Bub: Marco Rubio


(AP/Manuel Balce Ceneta)

Der kubanischstämmige Senator aus Florida ist ein politisches Ausnahmetalent mit goldener Zunge. Über Aussenpolitik redet Rubio überzeugender als andere, doch der 44-Jährige sieht viel zu jung aus für sein Alter.

Sein Ziel: Rubio muss vorführen, dass er als Person das Gewicht hat, das es für einen Präsidenten braucht.

Sein Risiko: Er könnte in der Masse untergehen oder als blosser Schönredner ohne Exekutiverfahrung erscheinen.

8. Der Giftzwerg: Rand Paul


(AP/Cheryl Senter)

Der Augenarzt und Senator aus Kentucky tritt in die Fussstapfen seines libertären Vaters Ron Paul. Seine isolationistische Linie ist bei Republikanern nicht populär. Paul kann giftig austeilen.

Sein Ziel: Paul muss in grossen Zügen argumentieren und dem Thema der NSA-Spionage möglichst aus dem Weg gehen.

Sein Risiko: Wenn er sich in Details verliert oder unpatriotisch wirkt, blitzt er bei den Konservativen ab.

9. Der Polterer: Chris Christie


(AP/Jim Cole)

Der langjährige Gouverneur von New Jersey ist immer direkt und kann austeilen. Schlechte Wirtschaftszahlen und der Skandal um die Teilschliessung einer Brücke haben seine Popularität beschädigt.

Sein Ziel: Christie will sich als natürliches Führungstalent darstellen, der nicht nur redet, sondern auch handelt.

Sein Risiko: Unkontrollierte Vorwürfe an die Gegner könnten jene abschrecken, die seine Persönlichkeit nicht gewohnt sind.

10. Der Macher: John Kasich


(AP/Charlie Neibergall)

Der Gouverneur von Ohio und Ex-Kongressabgeordnete betont, dass er mehr Erfahrung habe als alle anderen. Kasich gilt als gemässigter Sachpolitiker mit einer Abneigung gegen Sozialthemen.

Sein Ziel: Als Gouverneur des Gastgeberstaats will Kasich die Rolle des Bosses spielen – ohne allzu kumpelhaft zu wirken.

Sein Risiko: Der freihändig agierende Kasich verliert manchmal den Faden und könnte trottelig erscheinen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zelder am 06.08.2015 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Affenkampf

    Das ist kein Hahnenkampf das ist ein Affenkampf, noch besser ein Affenzirkus ist das. Da geh ich lieber in den Zirkus Knie als mir sowas angucken.

  • josh am 06.08.2015 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    noch nichts....

    es ist wie bei einem boxkampf: die entscheidenden runden kommen meist erst gegen ende des kampfes.

  • Mutavi am 06.08.2015 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spielt keine Rolle..

    Spielt doch längst keine Rolle mehr wer gewählt wird. Seit John F Kennedy traut keiner mehr was zu sagen oder machen gegen die, die das Geld verwalten . Man sagt nicht um sonst , Geld regiert die Welt. Die Frage ist nur ; wer regiert das Geld ..

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jester am 07.08.2015 04:30 Report Diesen Beitrag melden

    Interessante Fragerunde

    Ben Carson, Ted Cruz und Marco Rubio gefallen mir am besten. Die Anderen sind zum Teil sehr befremdlich. Allen voran Scott Walker, Huckabee und Trump. Jeb Bush wirkt wie ein Ami Politiker aus dem letzten Jahrhundert. Aber am besten hat mir auf FOX der Legalize Marihuana in Ohio Werbeclip gefallen :D

  • Wicked am 07.08.2015 04:15 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar

    Das hier eine Frau zu sein als Stärke angegeben wird ist einfach nur unfassbar. Aber weil die Dame wohl sonst nichts kann, musste man wohl irgendwie die Stärken füllen.

  • Fäbu am 07.08.2015 03:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bernie

    Bernie Sanders ist die mit Abstand Beste Hoffnung für die U.S.A. Nur nicht Hillary oder einer der republikanischen Kandidaten. Rand Paul würde noch knapp akzeprabel sein, jedoch nichts im Vergleich zu Sanders. Go Bernie!

  • rico b am 07.08.2015 03:16 Report Diesen Beitrag melden

    Paul4President

    Auch wenn nur die Marionette ausgetauscht wird, so hoffe ich das es Rand Paul wird.. würde es ihm gönnen, da schon sein Vater gute Ansichten hatte.

  • P.A. am 07.08.2015 02:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pest & Cholera

    In den USA spielt es sowieso keine Rolle, wer gewählt wird. Wenn die Parlamente nicht im Weg stehen, dann sicher die Milliardenkonzerne. Einem Obama wird alles durch Repräsententantenhaus und Senat wegen den Republikanern verwehrt. Nur um ihm dann vorzuwerfen, er würde nie etwas machen. Für mich ist der einzige haltbare Kandidat ganz klar Bernie Sanders (I). Aber ohne Milliardenschwere Partei im Rücken, wird er keine Chance haben.