Papst-Besuch

29. Januar 2015 22:45; Akt: 29.01.2015 22:45 Print

Manila brachte Obdachlose in Luxus-Resort

Millionen Menschen säumten die Strassen, als der Papst kürzlich die philippinische Hauptstadt besuchte. Hunderte Obdachlose waren allerdings unerwünscht.

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Der Papst fuhr bei seinem Besuch auf den Philippinen in einem Papamobil in den Rizal-Park in Manila. Vor Millionen Menschen hielt Franziskus die Messe ab. Franziskus' Botschaft handelte von der Hoffnung und dem Trost für die Ärmsten der Philippinen. Kurz vor Franziskus' Abflug am 17. Januar verunglückte laut Spiegel online am Flughafen von Tacloban eine Maschine mit Regierungsbeamten, die den Papst in die Stadt begleitet hatten. Verletzt wurde niemand. Papst Franziskus im gelben Regenmantel, den auch die Gläubigen trugen, die ihm in Tacloban zuhörten. Wie bei seiner Ankunft in Sri Lanka wurde auch bei der Ankunft in Manila am 15. Januar die päpstliche Kappe (der sogenannte Pileolus) vom Wind weggeweht. Franziskus trug es mit Fassung. Der Papst wird in Manila von Präsident Benigno Aquino empfangen. Dieser hat sich den Kampf gegen die Armut auf die Fahnen geschrieben - ein Thema, das auch dem Papst am Herzen liegt. Gleichzeitig ist der Staatschef aber mit der Kirche aneinandergeraten, weil seine Regierung in einem Gesetz aus 2012 die Empfängnisverhütung förderte. Herzliche Begrüssung: Franziskus und der populäre philippinische Kardinal Luis Tagle. Die elf Kilometer lange Fahrt des Papstes in seinem Papamobil wurde live im Fernsehen übertragen. Es ist der erste Besuch eines katholischen Kirchenoberhauptes in dem tiefkatholischen Inselstaat seit 20 Jahren. Rund 50'000 Polizisten und Soldaten sind im Einsatz, um die Sicherheit des Papstes zu gewährleisten. Bei der Landung warteten Hunderte tanzende und singende Kinder mit philippinischen und vatikanischen Flaggen und bunten Schirmen auf den Papst. Der erste Besuch eines Papstes seit 20 Jahren versetzt den mehrheitlich katholischen Inselstaat in den Ausnahmezustand. Die Menschenmengen jubelten dem Papst zu und riefen seinen Namen, als er vom Flughafen zur Apostolischen Nuntiatur in Manila fuhr. In einer Rede erklärte der Papst, seine Reise sei den Armen und Ausgebeuteten sowie den Opfern von Ungerechtigkeit auf den Philippinen gewidmet.

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Mehr als sechs Millionen Gläubige jubelten Papst Franziskus vor anderthalb Wochen in Manila zu. Nicht dabei waren rund 340 Obdachlose, die normalerweise in einem Camp nahe des Roxas Boulevard leben, einer Hauptstrasse, über die der Pontifex mit seinem Wagen mehrmals fuhr. Der Grund: Die Menschen wurden für sechs Tage in ein 90 Kilometer entferntes Strandhotel gebracht, wie CNN berichtet.

Das philippinische Sozialministerium bestätigte, dass Mitglieder von 100 heimatlosen Familien im Luxus-Resort Chateau Royale in Nasugbu, Batangas, einquartiert worden waren. Umgerechnet 97'600 Dollar hatte sich die Stadt den vorübergehenden Umzug kosten lassen. In einer Schulung sollten die Menschen ausserdem lernen, wie «Familien ein Leben auf der Strasse vermeiden, indem sie üben, in einem Haus zu wohnen».

Versteckt vor der Weltöffentlichkeit

Nachdem der Papst abgereist war, wurden die Obdachlosen wieder an den Roxas Boulevard gebracht. Daran äussern verschiedene Parlamentsmitglieder nun Kritik. Der Abgeordnete Terry Ridon hält das Schulungsprogramm laut CNN für eine vorgetäuschte Massnahme, um die Obdachlosen vor der Weltöffentlichkeit zu verbergen. Die Regierung solle eine Untersuchung zu dem Fall einleiten, fordert er.

Dinky Soliman, die philippinische Sozialministerin, hielt dagegen, die Schulung sei lange geplant gewesen, der Papstbesuch habe sich lediglich als geeigneter Zeitpunkt angeboten.

(mlr)