Bluttat in Belgien

24. Mai 2014 16:59; Akt: 25.05.2014 12:02 Print

Mann erschiesst drei Personen in Museum

In Brüssel wurden bei einer Schiesserei in der Nähe eines jüdischen Museums drei Personen getötet. Es wird ein antisemitischer Hintergrund vermutet.

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Ein Unbekannter hat im Jüdischen Museum in der Brüsseler Innenstadt drei Menschen erschossen. Eine Person wurde schwer verletzt und kam ins Spital. Die Hintergründe des Überfalls sind unklar, ein antisemitisches Motiv wird vermutet. Die Polizei mit Hochdruck nach einem Tatverdächtigen.Er flüchtete am Samstag zu Fuss vom Tatort in der Innenstadt.

Regierung und Bürger reagierten geschockt auf die Tat, deren Hintergründe zunächst unklar blieben. Die Todesopfer sind laut Staatsanwaltschaft zwei Frauen und ein Mann. Zwei der drei Todesopfer des Anschlags im Jüdischen Museum in Brüssel waren Touristen aus Israel. Das bestätigte das israelische Aussenministerium in Jerusalem am Sonntag. Ermittler nahmen Stunden nach dem Anschlag eine Person fest – diese habe den Status eines Zeugen und nicht eines Verdächtigen. Augenzeugen berichteten von einem Mann, der am Samstagnachmittag in dem belebten Stadtviertel mit einem Rucksack in das Museum kam, um sich schoss und dann die Flucht ergriff.

Verstärkter Polizeischutz für jüdische Einrichtungen

Auf die Frage von Journalisten, ob es sich um ein antisemitisches Attentat handle, sagte Innenministerin Joëlle Milquet: «Es gibt eine starke Vermutung.» Aber es sei Sache der Ermittler, dies festzustellen. Sie kündigte verstärkten Polizeischutz für jüdische Einrichtungen im ganzen Land an.

Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe direkt hinter der Eingangstür des Museums die Leichen einer jungen Frau – möglicherweise eine «Touristin» – und eines Manns liegen sehen. Der Kopf der Frau sei blutüberströmt gewesen. Etwas weiter im Museum habe der Mann gelegen; ein Feuerwehrmann habe seinen Puls gefühlt, «aber ich denke, er war tot», sagte der Augenzeuge.

Internationale Solidarität

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte den Anschlag. Die Tat sei eine Folge der fortwährenden Aufstachelung gegen Juden, zitierte ihn die «Jerusalem Post». Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald Lauder, sprach von einer «abscheulichen terroristischen Tat», die sich klar gegen Juden gerichtet habe.

Auch die EU verurteilte die Tat. Sie sei solidarisch mit den belgischen Behörden und der jüdischen Gemeinschaft, erklärte EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton.

Das Museum hatte vor neun Jahren geöffnet. Es besitzt eine bedeutende Sammlung mit Objekten der jüdischen Geschichte. Das Attentat überschattet die Parlaments-, Regional- und Europawahlen in Belgien. Die Wahllokale öffnen um 08.00 Uhr.

Aussenminister vor Ort

Auch die von Ministerpräsident Elio Di Rupo geführte Regierung zeigte sich in einer Erklärung solidarisch mit der jüdischen Gemeinde in dem Land. Belgiens Aussenminister Didier Reynders hielt sich zum Tatzeitpunkt nach eigenen Angaben etwa 100 Meter entfernt in einem Lokal auf.

Reynders sagte der Nachrichtenagentur dpa an Ort und Stelle: «Ich habe mehrere Schüsse gehört. Ich bin zu dem Museum gelaufen und habe im Eingang zwei Menschen liegen sehen. Ich habe die Rettungsdienste und die Polizei angerufen.» Die Polizei riegelte nach dem Anschlag das Areal um das Museum ab. In der Brüsseler Innenstadt waren zur Tatzeit viele Menschen unterwegs. Auf dem nahe gelegenen Sablon-Platz lief das Jazzmarathon-Festival zunächst weiter, wurde dann aber unterbrochen. In der Nähe des Tatorts befinden sich ausser dem Museum vor allem zahlreiche Antiquitätenhändler.

Aussenminister Didier Reynders, der sich am Ort des Geschehens aufhielt, zeigte sich im Kurzbotschaftendienst Twitter «schockiert von den Morden». «Ich bin in Gedanken bei den Opfern, die ich dort gesehen habe, und bei ihren Familien», schrieb er.


(pat/sda)