Sri Lanka

29. Mai 2009 15:43; Akt: 29.05.2009 15:50 Print

Massaker an Tamilen im Endkampf?

von Peter Blunschi - Im Endkampf gegen die Tamilen-Rebellen in Sri Lanka sollen mehr als 20 000 Menschen getötet worden sein – dreimal so viel wie offiziell geschätzt. Die meisten seien durch Armeebeschuss umgekommen, behauptet die «Times».

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Luftaufnahme der Zerstörungen in der «Sicherheitszone». (Bild: Keystone)

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Die britische Zeitung beruft sich auf Luftaufnahmen, offizielle Dokumente, Zeugenaussagen und Expertenmeinungen. Sie widerspricht damit der srilankischen Regierung, die von rund 7000 getöteten Tamilen spricht. Am 27. April hatte die Armee verkündet, sie werde keine schweren Waffen mehr im Kampf gegen die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) einsetzen und die «Sicherheitszone» beachten, in der rund 100 000 Tamilen zwischen den Fronten eingeschlossen waren. Für die Toten machte sie die Rebellen verantwortlich.

Allerdings gab es in der Folge immer wieder Berichte, wonach die Armee weiterhin mit Artillerie gegen die Tamilen-Tiger und die Sicherheitszone vorging. Vertrauliche UNO-Dokumente, die von der «Times» behändigt wurden, sprechen von rund 7000 Toten in der Sicherheitszone bis Ende April. Bis zum Ende der Kämpfe am 19. Mai – einen Tag nach dem Tod von LTTE-Chef Velupillai Prabhakaran – seien durchschnittlich 1000 tote Zivilisten pro Tag hinzugekommen, sagten namentlich nicht genannte UNO-Quellen.

Luftaufnahmen als Beweis

Das ergäbe mehr als 20 000 Todesopfer. Diese Zahl entspricht gemäss «Times» der Schätzung von Pater Amalraj, einem katholischen Priester, der am 16. Mai aus der Sicherheitszone geflohen und nun in einem Flüchtlingslager interniert sei. Die Zeitung stützt sich zudem auf Luftaufnahmen, die teils von ihr selbst aufgenommen wurden. Sie zeigen die Verwüstungen in den behelfsmässigen Lagern. Auch sind Sandhügel zu erkennen, bei denen es sich um behelfsmässige Gräber handeln soll.

Unabhängige Experten, welche die Aufnahmen analysierten, seien zum Schluss gekommen, dass nicht die Rebellen, sondern der Armeebeschuss für die Zerstörungen verantwortlich sei, so die «Times». Ein UNO-Sprecher in Sri Lanka wollte gegenüber CNN die Zahl von 20 000 Toten nicht bestätigen. Bis zu einem gewissen Punkt habe man gute Belege für rund 7000 Todesopfer, sagte Gordon Weiss. Nach Beginn der Entscheidungsschlacht sei die Lage «wirklich schlimm» geworden, man wisse aber nicht, wie viele Menschen starben.

Sri Lanka spricht von Einseitigkeit

Palitha Kohona, der Sekretär des srilankischen Aussenministeriums, wies die Angaben der «Times» in einem Gespräch mit CNN als «absolut unfundiert und ohne Faktenbasis» zurück. Er beschuldigte die Zeitung der Einseitigkeit: «Die 'Times' führt eine Kampagne gegen uns.» Sri Lanka werde die Zahl der Toten und die Gründe dafür untersuchen. Erst am Mittwoch war Sri Lankas Regierung vom UNO-Menschenrechtsrat für ihren Einsatz gegen die Rebellen gelobt worden.