Attentat von Orlando

16. Juni 2016 06:29; Akt: 16.06.2016 14:00 Print

Mateen schrieb vor Tat mehrere Facebook-Posts

Die Behörden versuchen mit allen Mitteln, Puzzlestücke aus dem Leben des Massenschützen von Orlando zusammenzusetzen.

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Wusste sie von den Terrorplänen? Omar Mateen (r.) mit seiner zweiten Frau, Noor Salman, und ihrem gemeinsamen Sohn. (Bild: Facebook) In Anzug und Krawatte: Omar M. auf einer undatierten Aufnahme, die auf seiner Seite bei Myspace war. Ein Patient und Ärzte schildern den Schrecken bei dem Massaker: Im Orlando Regional Medical Center trafen in den frühen Morgenstunden pausenlos Krankenwagen mit Verwundeten ein. Angel Colon schildert an einer Pressekonferenz im Orlando Regional Medical Center, wie der Attentäter im Pulse-Club auf ihn schoss. Er wurde von drei Kugeln getroffen und stellte sich tot. (14. Juni 2016) Hunderte versammeln sich, um der Opfer des Anschlags in Orlando zu gedenken. (13. Juni 2016) Trauernde trösten sich in Orlando gegenseitig. (13. Juni 2016) Ein russischer Polizist führt einen schwules Paar ab, welches Blumen und ein Schild mit der Aufschrift «Die Liebe siegt» niederlegen wollte. (13. Juni 2016) Die Fahnen beim Washington Monument in der US-Hauptstadt wehen auf halbmast. (13. Juni 2016) Zahlreiche Städte und Regierungen weltweit haben ihre Solidarität mit den Betroffenen bekundet: Hier eine Regenbogenfahne am Rathaus in Barcelona. (13. Juni 2016) Auch in Paris solidarisierten sich die Menschen mit den Opfern und trafen sich vor dem Eiffelturm zu einer Kundgebung. (13. Juni 2016) Präsent in den sozialen Netzwerken: Omar M. postete Selfies auf dem Portal Myspace. Eine Obduktion könnte neue Aufschlüsse über den Tathergang geben: Leichen von Opfern vor dem Gebäude der Gerichtsmedizin in Orlando. Er war «psychisch krank»: Sitora Yusufiy, die Ex-Frau von Omar M., gibt am Tag nach der Tat vor ihrem Haus in Boulder, Colorado, ein Medienstatement ab. Selfie mit freiem Oberkörper: Omar M. auf einer weiteren undatierten Aufnahme, die er auf seine Myspace-Seite stellte. Am Abend nach der Tat: Trauer und Innehalten auch in San Francisco. Das Rathaus von New York City: Auf Anordnung von Obama wurden alle Fahnen an US-Bundesgebäuden auf halbmast gesetzt. Gedenkwache in Orlando: Zwei Männer zünden Kerzen zum Andenken an die Opfer an. Eine Nation im Ausnahmezustand: Sharon Scott (links) und Jocelyn Woodson umarmen sich während einer Gedenkzeremonie in Kansas. Singen zum Andenken: In Minneapolis singt Me'Lea Connelly für die Opfer des Massakers. In der Trauer vereint: Mitglieder der LGBTQ-Gemeinde gedenken vor dem Weissen Haus in Washington der Opfer. (12. Juni 2016) Sie zünden Kerzen an und spenden sich gegenseitig Trost. Bei dem Angriff auf den Nachtclub in Florida sind 50 Menschen getötet worden. 53 sind verletzt, die meisten von ihnen befinden sich in kritischem Zustand. Die Opferzahl dürfte laut den behandelnden Ärzten noch steigen. (12. Juni 2016) Beim Täter handelt es sich um Omar Saddiqui Mateen, einen 29-jährigen US-Bürger mit afghanischer Abstammung. Er stand offenbar im Visier des FBI. (Bild: Twitter) Ricky Garcia und sein Mann Matthew Shriver umarmen sich im Memorial Park, Jacksonville, Florida. Auch im Stadtzentrum von Florida versammelt sich die Gemeinde für einen Gedenkanlass. In der Joy-Metropolitan-Kirche in Orlando wird zu mehr Liebe und weniger Hass aufgerufen. Szenen einer ausgelassenen Party: Bevor der Attentäter das Feuer eröffnete, feierten die Gäste im Nachtclub Pulse ausgelassen. Ein Spezialkommando der Polizei beendete die Geiselnahme, dabei wurde der Angreifer getötet. (Getty Images) Auf die Frage, ob der Bewaffnete Verbindung zum radikalen islamischen Terrorismus gehabt habe, sagte FBI-Agent Ron Hopper: «Es gibt Vermutungen, dass die Person Tendenzen dazu gehabt hat.» Kurz danach haben die US-Behörden den Schützen identifiziert. Später meldete sich auch die Jihadistenmiliz und liess verlauten, dass der Schütze ein «Krieger des IS» gewesen sein soll. Der sichtbar erschütterte Präsident Barack Obama sprach den Opfern und Hinterbliebenen in einer TV-Übertragung sein Beileid aus. Es sei das schlimmste Verbrechen eines einzelnen Schützen in der Geschichte der USA gewesen, so Obama. Ray Rivera (l.) ein DJ des Nachtclubs, hat die Attacke überlebt. Er wird von einer Freundin getröstet. Behördenvertreter riefen zu Blutspenden auf. Schon kurz darauf bildeten sich an mehreren Orten der Stadt lange Schlangen von spendenbereiten Bürgern. Gezeichnet vom Schrecken der Ereignisse: Jermaine Towns, links im Bild, wartet in der Nähe des Tatorts mit Brandon Shuford auf Nachricht von seinem Bruder. Dieser habe sich zum Zeitpunkt der Attacke im Club Pulse aufgehalten. Niemand solle sich dem Tatort nähern, warnt die Polizei: Szene in der Nähe des Clubs Pulse. Die Polizei sprach zuerst von über 40 Verletzten und um die 20 Toten. Die Sicherheitskräfte waren mit einem Grossaufgebot vor Ort. Laut einem Journalisten hatte sich der Angreifer verschanzt und Geiseln genommen.

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Der mutmassliche Attentäter von Orlando hat vor und während des Massakers im Schwulenclub Pulse offenbar mehrere Facebook-Postings geschrieben und Suchanfragen gestellt. Darin habe er die «schmutzigen Wege des Westens» angeprangert und die USA beschuldigt, für den Tod unschuldiger Frauen und Kinder verantwortlich zu sein, hiess es in einem Brief, den der US-Senat am Mittwochabend an Facebook-Chef Mark Zuckerberg schickte. Die Senatoren baten das soziale Netzwerk um Informationen zu Online-Aktivitäten von Omar Mateen.

Der Attentäter hatte im Pulse in der Nacht zum Sonntag 49 Menschen getötet. Es war das schlimmste Schusswaffenmassaker der modernen US-Geschichte. Das Thema bestimmt seitdem die internationale Berichterstattung und den US-Wahlkampf. In Orlando selbst wurde damit begonnen, die Todesopfer zu beerdigen.

FBI wendet sich an die Öffentlichkeit

Das FBI bat die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Rekonstruktion von Profil und Tat des Angreifers. Durch die Unterstützung der Bürger erhoffe man sich das umfassendste Bild über dessen Tun und Motiv, sagte FBI-Agent Ron Hopper auf einer Pressekonferenz. Die Behörden versuchen auch herauszufinden, inwiefern die Ehefrau von Mateen vorab von dem geplanten Angriff wusste.

In dem Brief listet das für Heimatschutz und Regierungsangelegenheiten zuständige Senatskomitee fünf Facebook-Nutzerkonten auf, die mit dem 29-Jährigen in Verbindung stehen sollen. «Die wahren Muslime werden niemals die schmutzigen Wege des Westens akzeptieren», behauptet Mateen nach Angaben des Senatsschreibens in einem Facebook-Post. Wie der Ausschuss an die Informationen gelangte, sagte der Komiteevorsitzende Ron Johnson nicht.

Täter suchte auf Facebook nach «Shooting»

Wie bereits in einem Notruf bei der Polizei schwor der spätere Täter demnach in einem weiteren Post dem IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi seine Treue. In einer weiteren Botschaft während der Tatnacht hiess es: «Amerika und Russland müssen aufhören, den Islamischen Staat zu bombardieren.»

In seiner letzten Meldung schrieb Mateen dann: «In den nächsten paar Tagen werdet ihr Angriffe des Islamischen Staates in den USA sehen.» Dem Brief zufolge suchte der Attentäter auch bei Facebook nach den Begriffen «Pulse Orlando» und «Shooting».

Trotz der in dem Polizeinotruf geäusserten IS-Loyalität des Angreifers hat die US-Regierung bislang gesagt, dass es keine Beweise gebe, dass das Massaker vom IS angeordnet worden sei. Ein FBI-Sprecher äusserte sich auf Anfrage am Mittwochabend nicht. Auch von Facebook gab es bislang keinen Kommentar.

(chk/ap)